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Sonntag, 6. Januar 2013

12 Duschen!

Wer hätte das gedacht? Da ist uns doch tatsächlich gestern der Sprit noch ausgegangen. Fünf Kilometer vor der Tankstelle, zwanzig Kilometer vor der Unterkunft und eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit bleibt der Truck plötzlich einfach stehen. Shingi wollte in Maun noch Tanken, Sandile war aber davon überzeugt gewesen, dass der Sprit reicht. Leider hat er sich dabei auf die Tankanzeige verlassen, die zu diesem Zeitpunkt schon den Geist aufgegeben hatte.




 Mit den Trucks ist das so: Nomad baut sie selber, und weil man mit den Trucks oft sehr weit von einer Vertragswerkstatt entfernt ist, funktioniert auch noch fast alles mechanisch und kann per Hand behoben werden. Deshalb bildet Nomad alle Guides auch darin aus, die Trucks zu reparieren, wenn etwas nicht damit stimmt, oder zumindest die Ursach ezu finden. Ohne Truck sind wir schließlich völlig aufgeschmissen, und Ersatz findet sich nicht ohne Weiteres. Unser Truck, Ray, gehört leider zu der Generation, die keinen 600l-Ersatztank hat, sondern nur den 200l-Standardtank. Er macht jetzt also mal den Kopf hoch, damit Sandile schauen kann, was mit der Tankanzeige los ist.

Shingi ruft in der Zwischenzeit im Planet Baobab an und bittet darum, dass die einen Wagen schicken, der einen der Guides zur Tankstelle fährt, um Sprit zu holen. Sandile joggt in der Zwischenzeit aber auch schon mal mit zwei Kanistern in der Hand los. Wir sehen ihm sehr lange nach auf der geraden Straße, und außer ihm ist da nicht ein einziges Auto weit und breit. Nicht nur ist es ungleich schwieriger, sich auf einem neuen Campingplatz zurechtzufinden, wenn man erst im Dunkeln ankommt, es ist auch für unsere Guides viel gefährlicher, im Dunkeln zu fahren als im Hellen. Vieh und wilde Tiere laufen auf die Straße, die natürlich nicht beleuchtet ist. Man muss also viel konzentrierter und langsamer fahren als sonst. Unser Elchfänger ist zwar monströs, aber eine Kollision wollen wir trotzdem vermeiden.

Sandile hat sich also nicht nur heute schon einen Strafzettel eingefangen, er ist auch immer noch joggend am Horizont unterwegs. Shingi nutzt die Zeit um das Abendessen vorzubereiten und macht uns allen Tee und Kaffee, während wir warten.







Nach einiger Zeit taucht auch das Auto von Planet Baobab auf und fährt Sandile hinterher, um ihn und die Kanister einzusammeln. Wir freuen uns, als es weitergeht, und schlagen die Zelte im Baobab eben im Dunkeln auf. Mir gelingt es, mich nur einmal zu verlaufen.





Trotzdem, der Abend wird ein Highlight. Nicht, weil das Savanna kühl und die Stimmung in der Bar abends fröhlich ist, sondern weil es Duschen gibt. Ich habe das große Glück, zufällig duschen zu gehen, als sonst niemand im Waschhaus ist. Niemand wartet vor der Tür, niemand konkurriert mit mir um das heiße Wasser, ich muss mich nicht beeilen, um das Abendessen nicht zu verpassen, ausnahmsweise ist die Dusche nicht voller Mücken, die mich bei lebendigem Leib auffressen, während ich Dusche, und ich muss auch nicht befürchten, auf dem Rückweg von der Dusche von Tieren angefallen zu werden. Am schönsten ist aber, dass hier im Baobab das Waschhaus kein Dach hat. Die Regenwolken haben sich verzogen, und so schaue ich beim Haarewaschen in den Sternenhimmel und freue mich über das Sternenmeer über mir. Selten habe ich mich so sauber und so gelassen gefühlt.

Der Rest der Besatzung ist leider nicht ganz so entspannt. Hier und dort wird sich über die Panne echauffiert, als sei die Welt untergegangen, der eine oder andere bekommt seine Finanzen nicht geregelt und traut sich kaum, ein Bier  zu bestellen. Trotzdem, ich dolmetsche in der Bar fröhlich die Unterhaltungen zwischen unserer Insektenspezialistin Sigi und den anderen Mitreisenden und fühle mich pudelwohl.

Heute morgen dann wieder alles abbauen und einpacken. Ich habe mir angewöhnt, nicht mehr den gesamten Rucksack aus dem Schließfach im Truck ins Zelt zu wuchten, sondern nur noch die symbolische Zahnbürste auszuräumen, seitdem geht das Packen morgens schneller. Wir starten spät, erst um 07:30 Uhr, ein Luxus. Für Brieana singen wir Happy Birthday, auch wenn sie heute leider nicht ganz gesund ist. Unterwegs sehen wir Straußen, Antilopen und Elefanten. Die stehen einfach am Straßenrand und mampfen, zu dritt oder zu viert. Die Begeisterung im Truck kennt keine Grenzen.

Ähnlich enthusiastisch äußern wir uns, als wir nach hunderten Kilometern durch flaches Land mit frischem Gras und kleinen Bäumen zum ersten mal wieder über einen kleinen Hügel fahren und dann plötzlich Landwirtschaft sehen. Da war doch tatsächlich mal ein Stück Land bewirtschaftet! Im wahrsten Sinne des Wortes eine Augenweide. Jetzt regnet es allerdings wieder, und die Landschaft besteht wieder aus Gras und Bäumen. Ein Glück, dass es erst angefangen hat zu regnen, als wir schon im Truck waren. Ich würde so gerne heute waschen, aber bei der Luftfeuchtigkeit werden die Sachen sicher nicht trocken. Mein Wäschesack müffelt, mein Schlafsack klebt - aber die Dusche war wirklich großartig.

Samstag, 5. Januar 2013

10 Über den Wolken

Der Abend wird spannend. Auf dem Programm steht ein Ausflug mit den Mokoros in den Sonnenuntergang. Wir schippern gemütlich den Kanal entlang, als die Poler plötzlich hektisch herumschreien, wenden und einen unglaublichen Krawall machen. Als sie sich beruhigt haben, erklären sie uns auf Englisch, dass die ersten zwei Mokoros in einer Lagune auf ein Nilpferd gestoßen sind, von dem man dachte, es sei weitergezogen. Es hat sein Maul aufgerissen und sich über die Störung beschwert. Unser Poler fügt leise an, dass das eher selten passiert und man in anderen Fällen oft mit einem Mokoro weniger zurückkommt. Da hat unsere Vorhut noch mal Glück gehabt. Plötzlich bin ich sehr froh, dass unser Poler sich immer eher hinten hält. Der Rest des Ausflugs verläuft gottseidank eher unspektakulär, wenn man von dem schönen Abendlicht mal absieht.


Abends versammeln sich wieder alle am Lagerfeuer und die Poler stimmen für uns ein paar Lieder an. Keiner von uns versteht Bayeyi, selbst Shingi nicht, aber bei vielen Lieder kann man verstehen, worum es geht. Besonders, wenn die Tiere des Deltas darin vorkommen und jemand die Hyäne oder den Ochsenfrosch gibt, können wir gut folgen. Oben das Blätterdach, vorn das Feuer und ringsrum vierstimmig Musik. Besser wird's nicht, denke ich mir. Auch ein melodisch einfaches Lied - "Beautiful Delta" - stimmen sie an, damit wir mitsingen können.
Als alle Lieder gesungen sind und uns multinationaler Truppe kein Lied einfällt, das wir alle zusammen singen könnten, spielen die Poler stattdessen Spiele mit uns. Das erinnert an die KSJ-Zeiten. Manche Spiele sind ja überall gleich. Das Chief-Spiel, welches an Rippeltippel erinnert, oder Amatofo - amahugua - amangophe (wörtlich Kopf - Brust - Po), welches im Prinzip wie das Toaster-Spiel funktioniert... am Ende kugeln sich alle vor Lachen. Ich handle mir für den Rest dieser Tour den Spitznamen "Bullfrog" ein; unser Guide Shingi ist ein "Pangolin", ein Schuppentier. Ein geselliger, unvergesslicher Abend geht zuende, und zu kräftigen Donnerschlägen, die schon niemanden mehr aus der Ruhe bringen, schlafen wir friedlich ein.

Morgens machen wir noch mal einen Spaziergang im Delta und schauen zwei Zebras beim Kämpfen zu, bevor wir dann mit Zelten und Gepäck zurück zur Mokorostation fahren. Simon lässt sich mit uns zurückfallen; er ist lieber langsam unterwegs, wie er uns erklärt. Als die anderen zwei Kurven voraus sind, verstehen wir, warum: Es ist unglaublich still und fast beängstigend friedlich, sobald der Rest der Bande außer Hörweite ist. Aus unserer Position heraus sieht man nichts als Schilf links und rechts, und das Wasser schmiegt sich um das Mokoro wie flüssiges Silber.

An der Mokoro-Statio erwartet uns der vertraute klapprige Unimog. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt, alle haben das Abenteuer gut überstanden. Auf der Holperfahrt zurück gibt es für jeden ein Bierchen, und als bei dem starken Wind ein Hut über Bord geht und Thomas "McGuyver" ihn mitten in der Wildnis retten geht, wird das von tosendem Applaus begleitet.

Das Wetter hat sich in den zwei Nächten so weit stabilisiert, dass wir jetzt tatsächlich noch unseren Rundflug antreten können, und alles was ich dabei denken kann, ist wie unglaublich groß das Delta ist. Maun ist trotz seiner Größe auch nur ein klitzekleiner Fleck mitten in einem sehr, sehr großen wilden Nichts.





Bis zum Horizont ist den ganzen Flug über alles eben. Kein Hügel, keine Stadt, keine Spur von Infrastruktur. Nur Bäume, Wasser und Inseln. Und Sonne und Wolken und unsere kleine Cessna.

Was wir anfangs für Autospuren halten sind in Wirklichkeit die Migrationspfade der Tiere im Delta! Hier sind Zebras, Elefanten oder vielleicht auch Gnus unterwegs gewesen und haben Trampelpfade geschaffen.








Nachdem wir erst eine ganze Weile dachten, dass wir gar keine Tiere sehen würden, tauchen sie plötzlich gleich dutzendweise auf. Elefanten zum Beispiel.






Auf dem Foto von zwei Nilpferden entdecken wir erst hinterher, dass auch ein Krokodil daneben saß.






Aus der Cessna kann man auch schön sehen, wo Maun aufhört und das Delta offiziell anfängt. Der Zaun zieht sich schnurgerade durch die Landschaft.








Natürlich entdecken wir dann auch doch noch Spuren menschlichen Lebens: Ein Trampelpfad mit zwei deutlich erkennbar parallel verlaufenden Spuren stellt sich als Straße heraus, an deren Ende sich eine Mokoro-Anlegestelle befindet.
Mittlerweile bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Der Rundflug hat sich definitiv gelohnt, es ist trotz aller Unkenrufen niemandem schlecht geworden und ich bin völlig überwältigt von den Dimensionen des Deltas. Wer sich mal anschauen möchte, wie groß es ist, sieht das hier ganz gut.

Für uns geht es jetzt wieder im Truck weiter. Wir sind mit Ray wieder vereint und machen uns auf den Weg nach Gweta, zum Planet Baobab, wo wir auf dem Weg nach Chobe eine Nacht verbringen werden. Der Truck hängt voller nasser Handtücher, alle sind im klassischen Tourmodus angekommen.

Dienstag, 1. Januar 2013

5 Tourstart am Neujahrstag

Die Protagonisten stehen fest. Wir sind zu zwölft: Richard (UK) und Brieana (US), Sigi und Christine, ein Mutter-Tochter-Gespann aus Deutschland, ein schweizer Pärchen, Karen und Per aus SChweden, Carolina und Ricardo, die beide aus Brasilien kommen, aber nicht zusammen sind, Thomas und ich. Sigi kann leider kein Englisch und auch Carolina fällt es recht schwer. Ricardo und Carolina haben aus unerfindlichen Gründen keine Schlafsäcke, dafür aber große Koffer dabei. Sigi fällt gleich mit der Tür ins Haus und lässt fallen, dass Thomas und ich doch sicher gut zusammenpassen würden. Uff.

Sigi hat heute zudem Geburtstag und wir haben gerade heimlich eine Torte für sie eingekauft. Richard und Brianna kommen noch mit auf das zweite Teilstück der Tour von Victoria Falls nach Nairobi. Alle anderen reisen nur bis nach Vic Falls mit; auch Truck und Guides werden dort wechseln. Thomas und ich sind beide schon mit einer gewissen Reisearroganz unterwegs. "Damals, als ich in *** gerade Raften/Tauchen/Motorradfahren gehen wollte..." Ist Reisen heutzutage eigentlich noch etwas besonderes? Fast habe ich manchmal das Gefühl, man steche deutlich mehr aus der Menge hervor, bliebe man zuhause.
Ansonsten: Regen, Simba Chips mit Smoked Beef Flavour, Sonne, Engen Tankstellen, Mittagessen im Schatten der Bäume, schlafen, Jeffrey Eugenides lesen. Sandile und Shingi, unsere Tourguides, machen einen unheimlich netten Eindruck. Auch Missverständnisse über die Buchungsdetails lassen sich schnell ausräumen.
Shingi liefert noch die Fakten zu Botsuana: Es ist 600.000 km² groß, hat etwa 1,6 oder 1,7 Millionen Einwohner und besteht zu etwa 80% aus der Kalahari-Wüste. Dann haben wir noch die Makgadikgadi Pan mit 12.000 km² und das Okavango-Delta mit 80.000 km². In der Central Kalahari gibt es vor allem Esel, verrät er uns, weil die Regierung diese den Menschen als Transportmittel und Arbeitstier zur Verfügung gestellt hat. Die Haupteinnahmequellen des Landes? Rindfleisch, Diamanten und Tourismus. Landessprachen sind Setsuana und Englisch. Später erfahre ich von Brieana noch, dass Botsuana angesichts der vielen Konflikte um Landbesitz in den Nachbarländern beschlossen hat, dass Land Staatseigentum ist. Man kann es auf 90 Jahre pachten, aber nicht besitzen. Ein weiteres Puzzleteil in meinem Bild von Botsuana als erfolgreiches afrikanisches Land.