Der Abend wird spannend. Auf dem Programm steht ein Ausflug mit den Mokoros in den Sonnenuntergang. Wir schippern gemütlich den Kanal entlang, als die Poler plötzlich hektisch herumschreien, wenden und einen unglaublichen Krawall machen. Als sie sich beruhigt haben, erklären sie uns auf Englisch, dass die ersten zwei Mokoros in einer Lagune auf ein Nilpferd gestoßen sind, von dem man dachte, es sei weitergezogen. Es hat sein Maul aufgerissen und sich über die Störung beschwert. Unser Poler fügt leise an, dass das eher selten passiert und man in anderen Fällen oft mit einem Mokoro weniger zurückkommt. Da hat unsere Vorhut noch mal Glück gehabt. Plötzlich bin ich sehr froh, dass unser Poler sich immer eher hinten hält. Der Rest des Ausflugs verläuft gottseidank eher unspektakulär, wenn man von dem schönen Abendlicht mal absieht.
Abends versammeln sich wieder alle am Lagerfeuer und die Poler stimmen für uns ein paar Lieder an. Keiner von uns versteht Bayeyi, selbst Shingi nicht, aber bei vielen Lieder kann man verstehen, worum es geht. Besonders, wenn die Tiere des Deltas darin vorkommen und jemand die Hyäne oder den Ochsenfrosch gibt, können wir gut folgen. Oben das Blätterdach, vorn das Feuer und ringsrum vierstimmig Musik. Besser wird's nicht, denke ich mir. Auch ein melodisch einfaches Lied - "Beautiful Delta" - stimmen sie an, damit wir mitsingen können.
Als alle Lieder gesungen sind und uns multinationaler Truppe kein Lied einfällt, das wir alle zusammen singen könnten, spielen die Poler stattdessen Spiele mit uns. Das erinnert an die KSJ-Zeiten. Manche Spiele sind ja überall gleich. Das Chief-Spiel, welches an Rippeltippel erinnert, oder Amatofo - amahugua - amangophe (wörtlich Kopf - Brust - Po), welches im Prinzip wie das Toaster-Spiel funktioniert... am Ende kugeln sich alle vor Lachen. Ich handle mir für den Rest dieser Tour den Spitznamen "Bullfrog" ein; unser Guide Shingi ist ein "Pangolin", ein Schuppentier. Ein geselliger, unvergesslicher Abend geht zuende, und zu kräftigen Donnerschlägen, die schon niemanden mehr aus der Ruhe bringen, schlafen wir friedlich ein.

Morgens machen wir noch mal einen Spaziergang im Delta und schauen zwei Zebras beim Kämpfen zu, bevor wir dann mit Zelten und Gepäck zurück zur Mokorostation fahren. Simon lässt sich mit uns zurückfallen; er ist lieber langsam unterwegs, wie er uns erklärt. Als die anderen zwei Kurven voraus sind, verstehen wir, warum: Es ist unglaublich still und fast beängstigend friedlich, sobald der Rest der Bande außer Hörweite ist. Aus unserer Position heraus sieht man nichts als Schilf links und rechts, und das Wasser schmiegt sich um das Mokoro wie flüssiges Silber.
An der Mokoro-Statio erwartet uns der vertraute klapprige Unimog. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt, alle haben das Abenteuer gut überstanden. Auf der Holperfahrt zurück gibt es für jeden ein Bierchen, und als bei dem starken Wind ein Hut über Bord geht und Thomas "McGuyver" ihn mitten in der Wildnis retten geht, wird das von tosendem Applaus begleitet.
Das Wetter hat sich in den zwei Nächten so weit stabilisiert, dass wir jetzt tatsächlich noch unseren Rundflug antreten können, und alles was ich dabei denken kann, ist wie unglaublich groß das Delta ist. Maun ist trotz seiner Größe auch nur ein klitzekleiner Fleck mitten in einem sehr, sehr großen wilden Nichts.
Bis zum Horizont ist den ganzen Flug über alles eben. Kein Hügel, keine Stadt, keine Spur von Infrastruktur. Nur Bäume, Wasser und Inseln. Und Sonne und Wolken und unsere kleine Cessna.
Was wir anfangs für Autospuren halten sind in Wirklichkeit die Migrationspfade der Tiere im Delta! Hier sind Zebras, Elefanten oder vielleicht auch Gnus unterwegs gewesen und haben Trampelpfade geschaffen.
Nachdem wir erst eine ganze Weile dachten, dass wir gar keine Tiere sehen würden, tauchen sie plötzlich gleich dutzendweise auf. Elefanten zum Beispiel.
Auf dem Foto von zwei Nilpferden entdecken wir erst hinterher, dass auch ein Krokodil daneben saß.
Aus der Cessna kann man auch schön sehen, wo Maun aufhört und das Delta offiziell anfängt. Der Zaun zieht sich schnurgerade durch die Landschaft.
Natürlich entdecken wir dann auch doch noch Spuren menschlichen Lebens: Ein Trampelpfad mit zwei deutlich erkennbar parallel verlaufenden Spuren stellt sich als Straße heraus, an deren Ende sich eine Mokoro-Anlegestelle befindet.
Mittlerweile bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Der Rundflug hat sich definitiv gelohnt, es ist trotz aller Unkenrufen niemandem schlecht geworden und ich bin völlig überwältigt von den Dimensionen des Deltas. Wer sich mal anschauen möchte, wie groß es ist, sieht das
hier ganz gut.
Für uns geht es jetzt wieder im Truck weiter. Wir sind mit Ray wieder vereint und machen uns auf den Weg nach Gweta, zum Planet Baobab, wo wir auf dem Weg nach Chobe eine Nacht verbringen werden. Der Truck hängt voller nasser Handtücher, alle sind im klassischen Tourmodus angekommen.