Wer hätte das gedacht? Da ist uns doch tatsächlich gestern der Sprit noch ausgegangen. Fünf Kilometer vor der Tankstelle, zwanzig Kilometer vor der Unterkunft und eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit bleibt der Truck plötzlich einfach stehen. Shingi wollte in Maun noch Tanken, Sandile war aber davon überzeugt gewesen, dass der Sprit reicht. Leider hat er sich dabei auf die Tankanzeige verlassen, die zu diesem Zeitpunkt schon den Geist aufgegeben hatte.

Mit den Trucks ist das so: Nomad baut sie selber, und weil man mit den Trucks oft sehr weit von einer Vertragswerkstatt entfernt ist, funktioniert auch noch fast alles mechanisch und kann per Hand behoben werden. Deshalb bildet Nomad alle Guides auch darin aus, die Trucks zu reparieren, wenn etwas nicht damit stimmt, oder zumindest die Ursach ezu finden. Ohne Truck sind wir schließlich völlig aufgeschmissen, und Ersatz findet sich nicht ohne Weiteres. Unser Truck, Ray, gehört leider zu der Generation, die keinen 600l-Ersatztank hat, sondern nur den 200l-Standardtank. Er macht jetzt also mal den Kopf hoch, damit Sandile schauen kann, was mit der Tankanzeige los ist.

Shingi ruft in der Zwischenzeit im Planet Baobab an und bittet darum, dass die einen Wagen schicken, der einen der Guides zur Tankstelle fährt, um Sprit zu holen. Sandile joggt in der Zwischenzeit aber auch schon mal mit zwei Kanistern in der Hand los. Wir sehen ihm sehr lange nach auf der geraden Straße, und außer ihm ist da nicht ein einziges Auto weit und breit. Nicht nur ist es ungleich schwieriger, sich auf einem neuen Campingplatz zurechtzufinden, wenn man erst im Dunkeln ankommt, es ist auch für unsere Guides viel gefährlicher, im Dunkeln zu fahren als im Hellen. Vieh und wilde Tiere laufen auf die Straße, die natürlich nicht beleuchtet ist. Man muss also viel konzentrierter und langsamer fahren als sonst. Unser Elchfänger ist zwar monströs, aber eine Kollision wollen wir trotzdem vermeiden.

Sandile hat sich also nicht nur heute schon einen Strafzettel eingefangen, er ist auch immer noch joggend am Horizont unterwegs. Shingi nutzt die Zeit um das Abendessen vorzubereiten und macht uns allen Tee und Kaffee, während wir warten.

Nach einiger Zeit taucht auch das Auto von Planet Baobab auf und fährt Sandile hinterher, um ihn und die Kanister einzusammeln. Wir freuen uns, als es weitergeht, und schlagen die Zelte im Baobab eben im Dunkeln auf. Mir gelingt es, mich nur einmal zu verlaufen.
Trotzdem, der Abend wird ein Highlight. Nicht, weil das Savanna kühl und die Stimmung in der Bar abends fröhlich ist, sondern weil es Duschen gibt. Ich habe das große Glück, zufällig duschen zu gehen, als sonst niemand im Waschhaus ist. Niemand wartet vor der Tür, niemand konkurriert mit mir um das heiße Wasser, ich muss mich nicht beeilen, um das Abendessen nicht zu verpassen, ausnahmsweise ist die Dusche nicht voller Mücken, die mich bei lebendigem Leib auffressen, während ich Dusche, und ich muss auch nicht befürchten, auf dem Rückweg von der Dusche von Tieren angefallen zu werden. Am schönsten ist aber, dass hier im Baobab das Waschhaus kein Dach hat. Die Regenwolken haben sich verzogen, und so schaue ich beim Haarewaschen in den Sternenhimmel und freue mich über das Sternenmeer über mir. Selten habe ich mich so sauber und so gelassen gefühlt.
Der Rest der Besatzung ist leider nicht ganz so entspannt. Hier und dort wird sich über die Panne echauffiert, als sei die Welt untergegangen, der eine oder andere bekommt seine Finanzen nicht geregelt und traut sich kaum, ein Bier zu bestellen. Trotzdem, ich dolmetsche in der Bar fröhlich die Unterhaltungen zwischen unserer Insektenspezialistin Sigi und den anderen Mitreisenden und fühle mich pudelwohl.

Heute morgen dann wieder alles abbauen und einpacken. Ich habe mir angewöhnt, nicht mehr den gesamten Rucksack aus dem Schließfach im Truck ins Zelt zu wuchten, sondern nur noch die symbolische Zahnbürste auszuräumen, seitdem geht das Packen morgens schneller. Wir starten spät, erst um 07:30 Uhr, ein Luxus. Für Brieana singen wir Happy Birthday, auch wenn sie heute leider nicht ganz gesund ist. Unterwegs sehen wir Straußen, Antilopen und Elefanten. Die stehen einfach am Straßenrand und mampfen, zu dritt oder zu viert. Die Begeisterung im Truck kennt keine Grenzen.
Ähnlich enthusiastisch äußern wir uns, als wir nach hunderten Kilometern durch flaches Land mit frischem Gras und kleinen Bäumen zum ersten mal wieder über einen kleinen Hügel fahren und dann plötzlich Landwirtschaft sehen. Da war doch tatsächlich mal ein Stück Land bewirtschaftet! Im wahrsten Sinne des Wortes eine Augenweide. Jetzt regnet es allerdings wieder, und die Landschaft besteht wieder aus Gras und Bäumen. Ein Glück, dass es erst angefangen hat zu regnen, als wir schon im Truck waren. Ich würde so gerne heute waschen, aber bei der Luftfeuchtigkeit werden die Sachen sicher nicht trocken. Mein Wäschesack müffelt, mein Schlafsack klebt - aber die Dusche war wirklich großartig.