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Sonntag, 27. Januar 2013

42 Auf dem Rand des Kraters

Der restliche Tag verläuft vergleichsweise geradezu unspektakulär. Die Migration ist schwer zu schlagen. Massenweise Tiere! Und doch hält die Serengeti auch am Nachmittag wieder Überraschungen für uns bereit. Auf einem Felsen entlang des Weges liegt noch mal, einfach so, ein Leopard. Die Wunder nehmen kein Ende.

Dem schon vorher geäußerten Wunsch nach einem 'Reifenluftdruckcheck' gibt unser Fahrer übrigens keinen Kilometer weiter trotzdem nach. Ein gesundes Gottvertrauen sollte man schon haben, wenn man hier unterwegs ist. Und immer die Jeeptür offen lassen. Kurz danach ist es auch endlich Zeit für unsere Mittagspause. Wir klettern auf Anweisung unseres Fahrers auf einen der Kopjes, der großen Felshügel, die hier und da aus der Landschaft schauen. Auch einige große Büsche wachsen oben, und die ersten, die von der Klopause zurückkehren, fragen verwundert, ob es auf der Rückseite des Felsens noch einen flacheren Aufstieg gibt, weil sie Elefantendung gefunden haben. Der Fahrer erklärt uns daraufhin, dass Elefanten wendiger sind und besser klettern können, als wir so gedacht hatten.
Der Ausblick erinnert uns, wie schon so viele Eindrücke zuvor an den König der Löwen. Seit Tagen singen Richard und ich und auch einige andere immer wieder gedankenverloren die Melodien aus dem weithin bekannten Film, weil die Landschaft uns so unglaublich daran erinnert. Dabei ist der Film ja nur eine Hommage an diese Landschaft, vor der sich die ganze Geschichte abspielt. Insbesondere dieser Felsen inspiriert Job noch einmal dazu, Mufasas Worte an Simba zu rezitieren: "Everything the light touches is our kingdom. One day, Simba, the sun will set on my time here, and will rise with you as the new king."
Ich lasse mich noch mal mit der grandiosen Serengeti ablichte, die sich hier so endlos bis zum Horizont erstreckt, und weiß schon jetzt, dass mir die Weite und die Ruhe und der Wind im Gesicht unglaublich fehlen werden, wenn ich wieder zuhause bin. 
Wir genießen unseren Lunch und machen eine Menge Fotos an diesem magischen Ort, und dann erklärt uns Godfree, warum auf einigen der Felsen große weiße Dellen zu sehen sind: Diese Steine haben die Maasai früher eingesetzt, um Musik darauf zu spielen. Richard und ich experimentieren ein wenig herum, fasziniert davon, dass man einem Felsen Töne entlocken kann. 
Dann heißt es Abschied nehmen von der Serengeti. Es beginnt der lange Weg zurück, quer durch den Nationalpark, Richtung Ngorongoro-Krater, auf dessen Rand wir heute die Nacht verbringen werden. Die Fahrt dauert mehrere Stunden, und wir sehen viele Bekannte wieder: Elefantenherden, die grasend beständig durch die Steppe ziehen, Thomson- und Grantgazellen, Straußen, Giraffen, Zebras. Währenddessen unterhält uns Godfree mit vielen Geschichten über die Serengeti und ihre Tiere.

Bei Ankunft auf unserem Campingplatz am Kraterrand sind wir alle reichlich müde. Es gibt wieder zwei große Kochhäuser, diesmal rattenfrei, sowie ein Waschhaus dicht bei den Zelten und hinter den Kochhäusern, und dann noch eins weiter unten am Hang. Die Wiesen sind weitestgehend leer, nur eine feierfreudige Gruppe junger Briten, die wir schon von den letzten Nächten kennen, ist wieder da. Wir genießen die etwas komfortablere, wenn auch abends recht kalte Dusche unten am Hang sowie ein herrliches Sundowner-Savanna unter dem riesigen Baum, der in der Mitte des Zeltplatzes steht. Über unseren Köpfen kreisen die Rotmilane, und in die übliche abendliche Entspannung und grenzenlose Ruhe mischt sich ein erstes bisschen Wehmut. Bis zum Abschied ist es nicht mehr lang, und für die meisten von uns ist diese friedliche Zeit sehr bald schon zuende. 
Zuerst aber noch ein paar warnende Worte von Godfree, der uns noch mal daran erinnert, nachts nicht alleine oder wenn dann nur mit einer guten Taschenlampe herumzulaufen, weil auch dieser Campingplatz keinen Zaun hat. Er erwähnt auch, dass die Elefantenbullen gerne abends mal vorbeischauen, weil der Wasserturm ein wenig leckt und sie das zum Trinken ganz praktisch finden. Wie auf Kommando erklang dann auch gerade das wütende Trompeten eines Elefantenbullen. Wir sind alle aufgesprungen und haben uns umgeschaut, ob wir in Deckung gehen müssen. Entlang der südwestlichen Seite des Campingplatzes, quer über die Zufahrtsstraße hinweg und keine fünfzig Meter in den Busch hinein, streiten sich zwei Elefantenbullen. Wir wollen schauen, was denn da los ist, und wie aus dem Nichts tauchen zwei Ranger mit sehr großen Waffen auf, die uns schnell davon überzeugen können, dass wir da nicht hingehen sollen. Übrigens die ersten Waffen, die ich auf diesem Kontinent gesehen habe. Mittlerweile haben sich sowohl die Wachen als auch die Elefanten wieder getrollt. Zeit für's Abendessen.

Samstag, 26. Januar 2013

38 The Lion Sleeps Tonight

Meins ist das zweite von Links
Nachmittags um halb drei liege ich in meinem Zelt und stehe vor der schwierigen Entscheidung, ob ich jetzt lieber noch eine Runde schlafe, bevor es auf den zweiten Game Drive geht, oder ob ich die Liste der gesehenen Tiere komplettiere. Luxusprobleme! Schnell die Tiere abhaken und die Geschichten der Nacht festhalten, dann noch eine Mütze Schlaf, und dann steht auch schon wieder der nächste Game Drive an.



Die Nacht war lebhaft, mehr als erwartet. Diverse Male habe ich meinen Zeltgenossen oder andere erkrankte Mitreisende über den Zeltplatz zum Waschhaus begleitet. An sich keine weite Strecke, nur etwa 50m. In dem Wissen, dass es hier keinen Zaun gibt, wirkt alles jedoch viel abenteuerlicher. Wir haben Glück, der Vollmond scheint, und dennoch läuft es mir jedesmal kalt den Rücken herunter. Die Nacht gehört den Löwen, sagt man, und in Vollmondnächten sind sie besonders hungrig. (Wer mehr darüber erfahren möchte: Hier schreibt ein echter Experte darüber)
Trotzdem geht alles gut. Wir treffen nur Fledermäuse, die kenne ich ja aus dem eigenen Garten, und auch nach dem dritten Ausflug falle ich um halb vier morgens wieder sicher und wohlbehalten in mein Zelt. Danach hätten mich allerdings keine zehn Pferde mehr aus dem Zelt gebracht, eher noch hätte ich meinem Mitbewohner eine Trinkflasche abgesägt und mich taktvoll weggedreht: Die Raubkatzen sind in der Zwischenzeit in Hörweite gewandert, und ich schlafe ein zum Janken der Hyänen und zum heiseren Husten der Löwen. Godfree erklärt mir später den Unterschied zwischen den Tönen der Löwinnen und der Löwen, und ich bin froh, dass ich mir das im Hellen anhören kann.

Die zwei Jeeps brechen mit bekannter Besetzung im Morgengrauen auf in die Serengeti. Die endlose Steppe wirkt so fremd und geheimnisvoll, dass man sich kaum traut, ein Geräusch zu machen. Auch meine Mitfahrer sind im Bann der Morgenstimmung. Es dauert über eine Stunde vom ersten Morgendämmern bis die Sonne tatsächlich über den Horizont schaut und uns gleißend orange ins Gesicht scheint, und doch gibt es jeden Farbverlauf, jeden Blickwinkel und jede Lichtfarbe nur für wenige Minuten. Der Jeep rumpelt langsam dahin, der kalte Morgenwind kräuselt sich über die Dachkanten bis zu uns hinunter und ich kann mein Glück kaum fassen.

Das Glück bleibt uns weiter hold. Zunächst entdecken wir zwei Heißluftballons; in einem sitzt unser Mitfahrer Roberto, der noch vor uns das Camp verlassen hatte. Und dann, einfach so, sitzt da in der Grassavanna ein Rudel Löwinnen mit ihren halbwüchsigen Jungen.Unfassbar, da sind sind sie. Nala, Simba und alle ihre Freunde.


Wir stehen bestimmt eine halbe Stunde dort und versuchen zu zählen, wie viele Löwen dort liegen. Immer mal wieder taucht eine Pfote oder ein Schwanz aus dem hohen Gras auf, wenn sich ein Löwe umdreht oder zwei anfangen zu spielen. Das allein hätte mir als Ausbeute für den Morgen schon gereicht, aber wir fangen gerade erst an. Als nächstes begegnet uns eine große Herde Wasserbüffel, die wir in Sambia mit größtmöglichem Zoom aus weiter Ferne versucht hatten einzufangen.

Hier laufen diese wuchtigen Tiere gleich zu mehreren Dutzend herum. Ganz schön imposant, so ein Büffel!







Die Büffel gehören auch zu den Big Five und wirken zwar unglaublich stoisch, können aber sehr schnell rennen und haben wirklich sehr beeindruckende Hörner.

 Hier unschwer zu erkennen: Männchen haben (trotz Blumenschmucks) deutlich größere Hörner als Weibchen.







Als nächstes begegnet uns ein sehr fotogenes Schakalpärchen...

... dann ein sogenanntes Topi, eine Kuhantilope, die man an den ungleichmäßigen dunklen Flekcen auf der Schulter und der Hinterhand erkennen kann...


...weiterhin mal wieder eine Herde sehr fotogener Impalas, man soll ja auch das Hintergrundrauschen der Savanne nicht unterschätzen...

... und ebenfalls sehr fotogen: Ein Baum voller Marabus. Wäre ich ein Marabu, ich hätte Angst da runterzufallen, beim nächsten Windstoß, mit solch spillerigen Beinen auf den dünnen Ästen. Aber die machen das ja sicher nicht zum ersten Mal. 
Als nächstes entdecken die Adleraugen von Godfree... na, was ist das?

 Genau, hier hat ein Leopard gestern zu Abend gegessen. Die Überreste hängen noch in einer Astgabel.
Was uns dann aber wirklich begeistert, ist, dass Godfree mit bloßem Auge auch dieses Tier entdeckt hat, aus dem fahrenden Auto heraus. Seht ihr es?
Ganz genau hinschauen... links vom Erdhügel, mit einem dreieckigen Schädel und glänzenden Schuppen - ja, das ist eine Python. Wir haben nicht näher nachgeschaut, um welche Art es sich handelt.
Mittlerweile sind wir seit dreieinhalb Stunden unterwegs. Es ist heiß und sehr trocken in der Serengeti, ich bekomme Halsschmerzen und trinke wie alle anderen gegen die Dehydrierung an. Wer sich fragt, wie man das eigentlich macht, wenn man das viele Wasser wieder loswird, da mitten im Busch: Insgesamt viermal hatten wir das Glück, in der Nähe eines "Parkplatzes" mit einem WC zu sein. Ansonsten sagt man da: Ich muss mal den Reifenluftdruck prüfen. Man geht also hinter den Jeep, wenn von hinten gerade kein anderes Auto kommt, und guckt, ob die zwei Ersatzreifen noch genügend Luft haben. Die Tür vom Jeep lässt man dabei übrigens offen - man weiß ja nie.

Und es lohnt sich. Als nächstes entdecken wir in einer riesigen Akazie (nächstes Suchbild)...
...ein drei- bis viermonatiges Löwenjunges, das seine Mutter hier zurückgelassen hat, um jagen zu gehen. Wir warten eine ganze Weile, ob sie noch zurückkommt. Das Junge schaut ununterbrochen in die Savanne und rutscht unruhig auf dem Ast hin und her, rührt sich aber artig nicht von der Stelle. 

Wir fahren weiter, biegen links, rechts, wieder links ab auf unseren Rumpelwegen, fahren bis zur nächsten Baumgruppe. Was entdecken wir da? Das ist jetzt schon für Fortgeschrittene:

Richtig, hier hat sich ein Leopard versteckt. Ganz genau genommen ist es eine Leopardin, denn was sehen wir da auf dem Nachbarbaum?

Ein Leopardenjunges, welches ein bisschen Klettern übt, währen Mama sich ausruht. Auf einem dritten Baum sind die Geschwister untergebracht, die aber schlafen.

Die überraschenden Begegnungen nehmen einfach kein Ende. Wir wissen ja, dass die Serengeti ein Tierparadies ist und dass sich unsere Fahrer gut auskennen, aber man sieht eben nicht einfach nur Löwen. Oder einfach nur Büffel. Wir haben Glück und sehen einfach immer noch mal ein bisschen mehr. In diesem Fall:
Löwinnen in einem Würstchenbaum. Wir sind alle sehr überrascht, dass die Löwinnen im Baum sitzen, waren wir doch davon ausgegangen, dass Löwen nur auf dem Boden leben. (Im Übrigen sind männliche Löwen nicht so faul wie gedacht, fand man im Krüger Park heraus.) Unsere Begleiter erklären uns, dass das nur die Löwen in der Serengeti und am Lake Manyara machen. Andere Löwen weiter im Süden klettern wohl nicht auf Bäume. Beruhigend für alle, die nach Südafrika fliegen. Wollen wir hoffen, dass sich das nicht herumspricht.

Vorerst haben wir genug gesehen. Wir kehren zurück ins Camp und genießen einen Mittagsimbiss. Jetzt dröppelt es ja nun leise aufs Zelt - mal sehen, was mit den Sandwegen passiert, wenn es gleich weitergeht. Erstmal Augen zu und ausruhen.



Samstag, 12. Januar 2013

20 Leopard!

Ich habe einen Leoparden gesehen und sogar ein verwackeltes Foto von ihm machen können! Einen echten wilden Leoparden, den letzten der Big 5, der mir noch fehlte, und er ist um unseren Jeep gelaufen. Einfach so!




Okay. Euphorie beiseite und von vorn: Auch vorher begegnet uns schon einiges, darunter ein sehr gut verstecktes Nilpferd:
Auch ein Waran treibt sich am Straßenrand herum

Und dann sind da noch die Elefanten vor, hinter und neben uns, von denen es hier wirklich viele gibt.



Um die Huftierauflistung weiter zu komplettieren, schieben sich zwei Bushbucks ins Bild. Anders als andere Gazellen leben die nicht in einer Herde, sondern zu zweit oder alleine, weil ihre Strategie darin besteht, sich im Gebüsch zu verstecken, um nicht gefressen zu werden. Mit den weißen Punkten findet man sie dort auch kaum. Das ist zu zweit natürlich einfacher als für eine ganze Herde.


Neben den vielen Tieren begegnen uns an einem schnuckeligen Wasserloch auch einige Kaltgetränke. Eine willkommene Erfrischung zum Sonnenuntergang!








Danach machen wir den Scheinwerfer an und suchen im Dunkeln nach Tieren. Einer fährt, einer schaut. Unter anderem hat unser Spotter mit seinen Adleraugen auch noch ein Chamäleon, einen Hasen und eine Schlange entdeckt. Mann, hat der gute Augen!















Auf dem Heimweg des abendlichen Game Drives geraten wir bei 80 km/h in unserem offenen Jeep in einen dicken fetten Regenschauer. Zurück im Camp sind alle bis auf die Knochen durchnässt und völlig aufgedreht. Das ist Abenteuer!