Donnerstag, 17. Januar 2013

25 Beauuuuutiful Tanzania!

Heute wird wieder Strecke gemacht. Fast sieht es aus wie auf der A8 zwischen Augsburg und München: Links und rechts grüner Wald, in der Mitte eine schnurgerade Straße. Wir sind schon etwa 2500m über NN, ein frischer Wind weht durch die Fenster und draußen wechseln sich Eukalyptus- und Nadelbäume ab. Godfree bringt uns bei, "Beautiful Tanzania" zu singen, und das ist es wirklich.

Doch noch mal zurück zum Anfang des Tages. Da waren wir ja noch in Malawi. Die Nacht war zwar ruhig, der Regen störte mich unter meinem kleinen Dach in meinem Zelt überhaupt nicht, aber morgens fängt es an zu stürmen. Zwischen dicken grauen Wolken hindurch schimmert ein dämonisch roter Sonnenaufgang, und dicke Regentropfen klatschen mir ins Gesicht, während ich mein Zelt niederkämpfe. Gesund bin ich noch immer nicht. Essen wird fürs Erste gestrichen.
Wir rumpeln mit unserem Truck bis zur Grenze. Thabani stapft los, um den Truck mit vielen Formularen und viel Gerenne von einem Büro zum nächsten durch den Zoll und über die Grenze zu bekommen, und Godfree macht sich mit unseren Pässen auf den Weg. Wir haben alle artig unsere Gebühren hineingelegt, müssen dann aber doch persönlich antreten, um erstmals unser Gelbfieber-Impfzertifikat vorzulegen. 50 $ kostet das Visum, und dann sind wir drin. Leider dauert es bei Thabani und unserem Lennon noch eine geschlagene Stunde, bis sie auch ins Land dürfen. Übrigens, heißt es dann, hier ist es jetzt eine Stunde später. Wir tauschen schnell Geld, tansanische Shillings, und bekommen für jeden Dollar etwa 1600 TZS.

Von da an geht es nur noch geradeaus. Die vielen Stunden seit halb sechs heute morgen geben uns allen die Gelegenheit für Bestandsaufnahmen. Die meisten von uns sehen schon etwas geschunden aus. Sonnenbrand, die Schnittwunden an den Händen von der Grasernte für den steckengebliebenen Truck, Kratzer vom Tauchen, diverse Patienten mit Durchfall. Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, wir seien ein fahrendes Lazarett: Alle sind guten Mutes und fit. Trotzdem ist es, rein körperlich, kein Erholungsurlaub. Das erklärte Ziel aller ist und bleibt, bis Sansibar wieder ganz fit zu sein.

Auch zum Rausschauen ist viel Zeit und Gelegenheit auf den langen Strecken. Besonders nach Grenzüberquerungen ist es spannend, die Veränderung zu beobachten. Wir sehen, wie schon ein paarmal im Süden Malawis, Moscheen in einigen kleinen Siedlungen. Auch verschleierte Frauen gehören plötzlich zum Bild. Statt der vertrauten Hütten gibt es hier deutlich mehr Häuser aus Stein, und auf den Schildern steht alles fast nur noch in Kisuaheli. Vor und hinter uns auf dem Tanzam Highway sind Busse und LKWs unterwegs, kaum PKWs.

Als der Truck das erste Mal ungeplant anhält, steigt ohne jegliche Ankündigung unserer Guides ein Beamter der Einwanderungsbehörde zu. Er stellt sich als "Ramadan" vor und begrüßt jeden mit Handschlag. Seltsam, denken wir uns, die Grenze haben wir seit über einer Stunde hinter uns! Wir haben zwar wieder nicht unser Gesicht für das Visum zeigen müssen, aber trotzdem haben wir ja alle eins! Er hät mit Armin, Job und mir einen Plausch und verschwindet dann wieder kommentarlos. Godfree erzählt später, er fände das fürchterlich nervig, wenn so etwas passiert. Er habe zu dem Beamten gesagt, man habe einen straffen Zeitplan. Er könne ja gerne hinten im Fahrgastraum zusteigen und machen, was immer er da für nötig hält, aber man würde dann solange schon mal weiterfahren und er solle doch klopfen, wenn er durch sei. Das fand Ramadan nicht so attraktiv. Nun ja, "This is Africa".

Weiter geht es mit endlosen Weiten, großen Panoramen und bewegten Wolkenbildern, unterbrochen von kurzen Regenschauern. Wir fahren maximal 50 km/h wegen der schlechten Straßenverhältnisse. Ähnlich langsam und zusammenhanglos wie die Reise scheint mittlerweile auch mein Geist geworden zu sein. Simples Englisch und stundenlanges Ins-Leere-Schauen scheinen mein Gehirn degenerieren zu lassen. Die Unterhaltungen mit Richard, dem gewandten Small-Talker aus Oxford, sowie den Guides und den anderen Mitreisenden sind eine willkommene Erfrischung für meine trägen Gedanken.


Der zweite Halt auf unserer langen Strecke ist das Great Rift Valley, der große afrikanische Grabenbruch. Links und rechts der Straße kann man ihn in der Landschaft erkennen.

Natürlich ist das für uns alle eine willkommene Gelegenheit, auszusteigen und "Ich war da"-Fotos zu machen!

Später erkennt man auch wieder Landwirtschaft. Nach vielen Anläufen gelingt es mir, ein paar Bananenstauden zu fotografieren. Bananen wachsen hier wie bei uns Apfel- oder Kirschbäume: Einfach mal so in der Landschaft. Stellenweise kultiviert man sie auch.

Hier kann man sogar Bananen sehen, die an der Staude hängen! Diesmal sind es normale Bananen, es gibt sie hier aber auch so dick und lang wie meinen Unterarm, als kleine Kochbananen oder in rot. Wer hätte das gedacht?




Weiter oben finden sich dann, neben jeder Menge anderem Grün, auch die ersten Teebüsche, ganz am Ende des heutigen Streckenfilmchens. Damit wäre auch diese Erwartung an Tansania erfüllt: Es gibt Teeplantagen.


Jetzt haben wir es hoffentlich bald geschafft und kommen auf die Kisolanza-Farm. Noch ein paar Seiten Murakami auf Richard's Kindle, dann müssten wir da sein.