Samstag, 12. Januar 2013

20 Leopard!

Ich habe einen Leoparden gesehen und sogar ein verwackeltes Foto von ihm machen können! Einen echten wilden Leoparden, den letzten der Big 5, der mir noch fehlte, und er ist um unseren Jeep gelaufen. Einfach so!




Okay. Euphorie beiseite und von vorn: Auch vorher begegnet uns schon einiges, darunter ein sehr gut verstecktes Nilpferd:
Auch ein Waran treibt sich am Straßenrand herum

Und dann sind da noch die Elefanten vor, hinter und neben uns, von denen es hier wirklich viele gibt.



Um die Huftierauflistung weiter zu komplettieren, schieben sich zwei Bushbucks ins Bild. Anders als andere Gazellen leben die nicht in einer Herde, sondern zu zweit oder alleine, weil ihre Strategie darin besteht, sich im Gebüsch zu verstecken, um nicht gefressen zu werden. Mit den weißen Punkten findet man sie dort auch kaum. Das ist zu zweit natürlich einfacher als für eine ganze Herde.


Neben den vielen Tieren begegnen uns an einem schnuckeligen Wasserloch auch einige Kaltgetränke. Eine willkommene Erfrischung zum Sonnenuntergang!








Danach machen wir den Scheinwerfer an und suchen im Dunkeln nach Tieren. Einer fährt, einer schaut. Unter anderem hat unser Spotter mit seinen Adleraugen auch noch ein Chamäleon, einen Hasen und eine Schlange entdeckt. Mann, hat der gute Augen!















Auf dem Heimweg des abendlichen Game Drives geraten wir bei 80 km/h in unserem offenen Jeep in einen dicken fetten Regenschauer. Zurück im Camp sind alle bis auf die Knochen durchnässt und völlig aufgedreht. Das ist Abenteuer!

19 Begegnungen

Morgens in Chipata ist unsere Vorfreude auf den Park zwar groß, jedoch nicht die auf die Fahrt: für die etwa 120 km brauchen wir über vier Stunden. Die Straße von Chipata in den Park wird seit Jahren befestigt, ein Prozess, der nur sehr schleppend vorangeht. TIA - This is Africa. Während wir aus dem Fenster heraus die erste Teerschicht sehen können, eine ganz ebene Strecke, holpern wir auf einem Schlammpfad nebenher. Fahrräder, Dörfer, Hühner, schwarze Schweinchen, alles sehr beschaulich.


Zwischendurch gibt es auch wieder ein Stück fertiggestellter Straße. Dort hält Thabani auf einem Hügel an und wirft uns raus.Von dieser Stelle aus ist der Ausblick ins Luangwa-Tal spektakulär. Grüne Bäume, dichter Busch, so weit das Auge reicht. Thabani hat schon erwähnt, dass der Game Walk, auf den ich mich sehr gefreut hatte, leider nicht stattfinden kann. Die Vegetation ist einfach zu dicht, als dass man unsere Sicherheit gewährleisten könnte. Soll mir recht sein, ich lege keinen großen Wert darauf gefressen zu werden. Vorerst genieße ich den Ausblick ins Tal.

Schließlich schaffen wir es nach vielen ermüdenden Stunden ins Wildlife Camp, und das ohne steckengeblieben zu sein. Conrad, der Manager, begrüßt uns mit den Worten "Stellt eure Zelte bitte nicht auf den Nilpferdpfaden auf und lasst die Türen und Fenster vom Truck zu, wegen der Paviane. Geht auf keinen Fall an den Strand. Man sieht die Krokodile nicht immer von hier oben, und wenn irgendwas aus dem Busch kommt, könnt ihr nicht weg."



Nach diesen und ähnlichen unmissverständlichen Anweisungen bleibt gerade noch genug Zeit, in den Pool zu springen, bevor wir in Jeeps zur ersten Besichtigungstour aufbrechen. Auf dem Programm steht eine örtliche Textilfabrik und ein nahe gelegenes Dorf. Als wir an der Fabrik ankommen, erklärt uns unser örtlicher Guide, dass in der Regenzeit leider nicht produziert werden kann. Warum ist nicht schwer zu erkennen: Die Frauen aus der Gegend arbeiten hier in einem Gemeinschaftsprojekt an Textilien und die Produktionsstätte befindet sich unter freiem Himmel. Wir besuchen also nur den Shop. Der ist zwar voller sehr hochwertiger Textil- und Handwerksprodukte und wirkt sehr professionell, aber Bettwäsche oder Stoffbahnen sind doch etwas zu groß für unser Gepäck und für die meisten von uns auch einen Hauch zu kostspielig. Christoph hatte ohnehin seine Sorge angesichts der zunehmenden Afrikanisierung der Wohnung geäußert.

Der anschließende Dorfbesuch ist, wie schon vergangene Dorfbesuchen bei früheren Reisen, gleichermaßen faszinierend und verstörend. Die Kinder des Dorfes hängen sich sofort an unsere Händen. Wir können Fragen stellen und bekommen von der Dorfgemeinschaft auch Fragen gestellt, dann tanzen die Frauen für uns. Die meisten Kinder sind Waisen, auch wenn die ältesten Dorfbewohner etwa 85 sind. Natürlich habe ich auch schon oft gelesen, dass Aids eine ganze Generation ausgelöscht hat, aber es ist doch noch etwas anderes, das mit eigenen Augen zu sehen. In einem Buch von Princess Kasune Zulu habe ich gelesen, dass die Kinder hier oft Serienwaisen sind: Die Eltern sterben, dann kommen die Kinder zu Verwandten, die irgendwann an Aids sterben und so weiter. 




Unser Guide BJ, der auch als Dolmetscher fungiert, erklärt uns, dass die staatlichen Schulen das Tragen einer Schuluniform verlangen. Da sich viele Schüler das nicht leisten können, gibt es vielerorts sogenannte „Community Schools“, die man auch ohne Schuluniform besuchen kann.
Beim Rundgang erklärt man uns die Aufteilung der Hütten, Heiratsbräuche, Wasserversorgung und Kochgewohnheiten. Sogar einen vorheizbaren Backofen gibt es: Er ist aus Ziegelsteinen, und in der mittleren Kammer wird zunächst ein Feuer entzündet und abgebrannt, bis Glut entsteht. Die wird dann ausgeräumt, Brot in die Kammer gelegt, ein Stück Wellblech davorgeklemmt, fertig. Prima Patent!  Zum Schluss wird noch einmal getanzt, natürlich unter Beteiligung des Publikums.

 Dann kehren wir zurück ins Camp, trinken in der einsetzenden Dämmerung ein Savanna am Pool und beobachten abwechselnd die Gewitter am Horizont und die auftauchenden Hippos. Unsere Zelte stehen im Trockenen, da wir der einzige Truck sind. Außer den Nomad-Trucks gibt es nur noch ein einziges anderes Overland-Unternehmen, dass sich traut, die Trucks über diese Straße fahren zu lassen. Mehr Platz für uns. 


Heute morgen haben wir uns dann den auf den Weg zum ersten Game Drive im South Luangwa National Park gemacht. Die ersten Tiere sind uns schon weit vor den Toren des Parks begegnet: Thornicroft-Giraffen, direkt nebne der Straße. Wir lernen binnen Minuten alles, was man über Giraffen so wissen kann. 




Impala mit Reinigungsdienst
 Auch im Park ist es unfassbar, wie viele Tiere man sieht! Kronenkraniche, Störche, Nilpferde, Elefanten, Zebras, Pukus, Impalas, Wasserböcke, einen Bushbuck und eine Tüpfelhyäne
Zebra
Warzenschweinfamilie
Puku

Impalafamilie
Hornschnabel (Zazuuuu!)
 

Die Teepause haben wir dann auch gleich direkt neben der Hyäne eingelegt. Scheint sie nicht weiter gestört zu haben.


 



Jetzt genießen wir die Ruhe am Pool. Die Sonne scheint, um uns herum turnen die doofen Affen und wir schauen auf den Luangwa River hinaus. Mal sehen, was der Game Drive heute abend noch so bringt? Ich bin jedenfalls hier und jetzt völlig zufrieden. Christoph fehlt mir zwar, aber die erste Packung Malarone von dreien ist schon leer. Die Zeit geht schneller um, als man denkt.  

18 Into the wild

Da ist viel Zeit ins Land gegangen. Mittlerweile sind wir in der Wildnis angekommen, und der Weg war lang und beschwerlich, so lang, dass es für zwei Posts reicht.
Nach sehr sehr sehr viel Landschaft während der langen Fahrt nach Chipata tauchten dann auch irgendwann wieder Felder auf. Im Chongwe District baut man Baumwolle und Reis kommerziell an, für den Eigenbedarf Mais, Mangos und Bananen. Am Straßenrand sind die Gebäude nicht mehr aus Beton, sondern aus Lehm. Man verkauft Kohle am Straßenrand.
Eine willkommene Zäsur der Tortur ist der Halt vor der Luangwa Bridge. Diese Brücke führt über den Luangwa, an dessen Ufer wir bald zelten werden. Diese Brücke ist die einzige Verbindung zwischen Lusaka und der Haupstadt von Malawi, Lilongwe. Diese Strecke ist auch der direkteste Weg für Waren von den Häfen nach Lusaka. Sie darf also nicht fotografiert werden, man befürchtet terroristische Anschläge.
Kurz vor der Brücke hat sich eine kleine Siedlung gebildet, in der jede Menge Strohhüte, getrockneter Fisch und Snacks verkauft werden. Hinter den Hütten direkt an der Straße gibt es auch ein Klohaus. Die zwei Zellen mit Blick zur Straße sind für Herren, mit Blick aufs Tal dürfen sich Damen erleichtern. Als Tür schiebt man eine Wellblechplatte vor. Vom Ausblick mal abgesehen sind die Örtlichkeiten für Damen und Herren baugleich, es handelt sich um ein Loch im Lehmboden. Das ist für afrikanische (und ja auch französische) Toiletten nicht ungewöhnlich. Diese sind ohne Spülung, was üblicherweise bedeutet, dass es stinkt wie nichts gutes. Hier jedoch verläuft, wie mir ein mutiger Blick zeigt, mehrere Meter unter dem Loch ein kleines Bächlein. Auch eine Art WC-Spülung.
Als wir dann den Luangwa überqueren, kann man die Fischer im Fluß sehen. Der Fluß ist so breit wie die Mosel. Kennt jemand die Raststätte Moselblick auf der A61? Vom Wetter mal abgesehen sieht es hier ähnlich aus.
Später treffen wir, mitten im Nichts, einen anderen Nomad-Truck. Thabani hält gleich an, damit die beiden nachfragen können, wie die Straßenverhältnisse in South Luangwa momentan sind. Wir befragen die Insassen nach dem nördlichen Ende der Tour und stellen fest, dass unsere Gruppe doch deutlich harmonischer zu sein scheint. 




Chipata, unser Tagesziel, ist erstaunlich groß und lebhaft. Godfree kauft noch einmal letzte Vorräte ein, dann fahren wir zu Mama Rulas, unserem kleinen und sehr schnuckeligen Campingplatz.  Die üblichen Schwierigkeiten mit unbeleuchteten Duschen, hungrigen Mücken, nicht abschließbaren Türen und Insektenattacken lassen uns relativ kalt.

Es ist herrlich, noch vor Anbruch der Dämmerung anzukommen. Wir nutzen die Gelegenheit, die Kühlbox zu leeren und zu reinigen. Die Stimmung ist entspannt, das Abendessen lecker. Der grüne Truck mit den Afrikaanern ist auch wieder da, und während man sich draußen fleißig betrinkt, sitzen wir gemütlich in der Bar und vergügen uns mit einem Trivial Pursuit aus England von 1987. Nachts bleiben wir zum ersten Mal seit langer Zeit vom Regen verschont und brechen morgens auf nach Mfuwe, wo uns das Wildlife Camp und der South Luangwa National Park erwarten.

Donnerstag, 10. Januar 2013

17 Strecke machen

Gestern abend haben wir in Lusaka noch mal eingekauft. Diesmal war es sogar ein richtiges Einkaufszentrum, und weil die Infrastruktur von hier an nicht besser, sondern eher schlechter wird, kauft unser Koch Godfree noch mal auf Vorrat ein. So bleibt uns Reisenden ein wenig Zeit, uns das Einkaufszentrum anzusehen. Ich weiß, das klingt befremdlich, Einkaufszentren gibt es schließlich überall. Aber sie sind auch ein Indikator dafür, wie gut es zumindest einem Teil der Bevölkerung geht, was die Menschen einkaufen, welche Einzelhandelsunternehmen dort Geschäfte betreiben, welche Produkte in welchen Ländern verfügbar sind und ähnliche spannende Fakten. Ich lasse mich mit Richard und Brianna ein wenig treiben. Für gewöhnlich haben wir in den großen und kleinen Städten, die wir anfahren, nicht so viel Zeit. Meist halten wir nur für 15-30 Minuten an einem Supermarkt um Wasser und, in Godfrees Fall, Vorräte zu kaufen. Auch die Innenstädte sehen wir kaum; zum einen ist der Truck dafür einfach zu groß und der Verkehr zu dicht, zum anderen sind wir ja auch nicht zum Einkaufen, sondern der Wildnis wegen hier. So liegen auch alle Campingplätze in den Großstädten vor den Toren der Stadt.
Diesmal bleibt uns so viel Zeit im Einkaufszentrum, dass wir kurzerhand Maumau spielen. Von unserem Sitzplatz vor'm KFC aus können wir sehen, wie der Strom kommt und geht. Die Lichter gehen aus, wieder an, wieder aus, immer so weiter. Außer uns interessiert das auch niemanden.

Im nächsten Camp, dem Eureka Camp vor den Toren Lusakas, kommen wir wieder erst in der Dämmerung an. Zelte aufschlagen, zu Abend essen, Zähneputzen, schlafen. Tagsüber ist es immer recht einfach, sich auf den Zeltplätzen zu orientieren, nachts ist es fast unmöglich. Die Wege und Hütten sind pittoresk angelegt, aber wenn Godfree sagt, "the ablutions are through there" und einfach auf ein Gebüsch zeigt, ist es nicht einfach, dann den Weg zu finden. Nachts fängt es auch noch an zu regnen, wenn auch immerhin nicht im Zelt, sondern nur auf dem Zelt. Guter Platz unter einem Baum. Sonja und Armin hätten gerne noch eine größere Regenplane in Lusaka erstanden, um ihr Zelt besser zu verpacken. Thabani und Godfree raten davon ab, sich noch auf die Suche zu machen, manche Dinge seien in Sambia nicht so einfach wie zuhause. Der Nachsatz wird zur Erläuterung für viele Umstände, die wir nur schwer verstehen können: "This is Africa."
Morgens um vier werde ich wieder wach und kann nicht mehr schlafen. Um fünf ist allerdings ohnehin Morgenappell. Wir frühstücken im Regen, packen im Regen, brechen im Regen die Zelte ab. Mit Wanderschuhen schliddere ich noch schnell durch den Schlamm zum Zähneputzen. Um sechs brechen wir auf. Vor uns liegt wieder eine lange Strecke bis nach Chipata. Draußen Bäume, Bäume und Bäume. Es geht immer weiter bergauf, mit Steigungen, die unseren Truck ganz schön zum Schnaufen bringen. Die ersten Felsen schauen durchs Blätterdach und kleine Dörfer am Wegesrand sehen wir nur noch selten. Die nächsten Stunden werden alle etwa so aussehen:

Mittwoch, 9. Januar 2013

16 Abschied, Auftrieb, Ausrasten. Neustart.

Eineinhalb Tage sind ins Land gegangen, und die Ereignisse haben sich geradezu überschlagen. Jetzt sind wir schon in Sambia, auf dem langen Weg nach Lusaka. Aber jetzt mal von Anfang an...

Das Abschiedsessen mit der ersten Tourfamilie war kulinarisch zwar kein Highlight, aber ein schönes Tourende. Shingi war zwar von der vielen Fahrerei völlig übermüdet, aber auch mit von der Partie, und auch Sandile war zugegen. Alle waren sichtlich froh, wieder sauber und präsentabel zu sein, wir haben Geschichten erzählt und Mailadressen getauscht.
Auf dem Rückweg ins Zimmer haben wir in den Fluren noch jede Menge Natur gefunden, darunter riesige Falter, kleine Ochsenfrösche und auch einen großen Ochsenfrosch. Als wir festgestellt haben, dass er vor Ricardos Tür sitzt, war das Gelächter groß: Er hatte im Delta versehentlich auf einem Ochsenfrosch geschlafen, den er erst fand, als er sein Zelt wieder zusammenrollte. Ob dieser wohl kam, um seinen Freund zu rächen?
Die Nacht ist so ruhig, dass es mir schon beinahe unheimlich ist. Wegen der Affen kann man die Balkontür nicht offen lassen, und so schlafen wir eingesperrt in vier Wände bei laufender Klimaanlage. 

Am nächsten Morgen kommt ein Fahrer von Wild Horizons und holt uns zum Raften ab. Die klapprigen Jeeps, mit denen wir durch die Landschaft zum Rand der Schlucht fahren, sind immer noch die gleichen. Der Anbieter ist zwar ein anderer, aber das hat sich offensichtlich gehalten. Wir bekommen Tee, Kekse und eine ausführliche Einführung in das Verhalten auf dem Fluss. Mit mir wagen sich Thomas, Richard und Carolina aufs Wasser.





Auch diesmal werden wir wieder nur die Stromschnellen 11 - 23 abfahren. Wenn der Wasserstand niedrig genug ist, kann man schon bei 1, direkt unterhalb der Fälle, anfangen. Da man Nummer 9, "Commercial Suicide", aber umgehen muss und das Wasser zu hoch steht, gibt es eben nur die kurze Strecke. Bei Hochwasser ist der Sambesi auch nur ein Fluss der Kategorie 3-4, nicht 4-5. Bevor es aber ans Raften geht, müssen wir erstmal eine Stunde lang in die Schlucht hinunterkraxeln. Keine leichte Aufgabe bei dem vielen Regen, der gefallen ist. Heute ist der Himmel jedoch blau und wir sind guter Dinge.

Am Einstieg üben alle Boote die Kommandos, mit denen unser Steuermann John Barnes und dirigieren wird. Wichtige Dinge werden noch einmal wiederholt, zum Beispiel dass man sich nach Möglichkeit am Boot festhalten soll, wenn man schon rausfällt. Bei höchstem Wasserstand hat der Sambesi eine Strömungsgeschwindigkeit von bis zu 120 km/h, da ist man ganz schnell im Kariba-See. Das probieren wir heute mal nicht aus.

Die meisten Stromschnellen überstehen wir meisterhaft, nur eine hebelt bis auf drei Leute alle raus. Ich sehe den Boden des Bootes auf mich zukommen, kann aber noch ausweichen. Kurz darauf taucht Richards Gesicht über dem Bootsrand auf. Gott, bin ich froh, den zu sehen!
Die Leute wieder ins Boot zu bekommen ist übrigens ganz einfach: Einmal feste Eintauchen, damit der Auftrieb der Schwimmweste Schub gibt, und dann feste ziehen. Elegant ist anders, und kopfüber in den Paddelhaufen zu segeln ist auch nicht angenehm, aber alles ist besser als in den Stromschnellen im Sambesi zu hängen.

Später, auf den ruhigeren Flussabschnitten, können wir dann freiwillig aussteigen, uns am Boot festhalten und uns treiben lassen. Der Himmel ist blau, die Bäume grün. Wir sehen riesige Nester vom Hammerkopf-Vogel und Felsenfeigenbäume, die ihre Wurzeln in die Felsen zwängen.



Nach unserem kleinen Ausflug müssen wir alle wieder die gesamte Schlucht hochklettern. Die ersten übergeben sich schon am Fuß der Felsen vor Erschöpfung, auch für mich ist es ein Kampf. Die Sonne steht mittlerweile fast im Zenit, und oben merkt man, wie stark sie brennt. Oberschenkel und Füße hats böse erwischt. Carolina wird am Ende getragen; alle sind unglaublich dankbar für das Mittagessen.

Im Hotel müssen wir dann plötzlich ruckzuck auschecken. Carolina war davon ausgegangen, sie bliebe zwei Nächte im Hotel, somit hatten wir noch nichts gepackt. Immerhin ist unsere Wäsche fertig. Wir organisieren uns ein Taxi in die Adventure Lodge.

Dort angekommen packe ich mein Zeug aus und stelle mit Entsetzen fest, dass mir Geld fehlt. Shingi, der zufällig noch vor Ort ist, fährt mich wieder ins Elephant Hills Hotel, in dem man mir aber nicht weiterhelfen kann, und dann zum Geldautomaten, der kurzerhand meine Karte für 20 Minuten frisst, ohne einen Ton zu sagen. Er fährt runter und wieder hoch, spuckt meine Karte kommentarlos aus, und der Nachbarautomat macht dann noch einmal genau das gleiche. Mir tut es unglaublich leid, Shingi an seinem freien Tag so lange zu beanspruchen, und ich bin mit den Nerven am Ende. Glücklicherweise findet sich jemand, der mir mit Bargeld aushilft. So ein Mist.

Immerhin: Ich habe ein eigenes Zimmer mit zwei Betten und kann in Ruhe packen. Abends sind wir in Thomas' Unterkunft, der eleganten Ilala-Lodge, zum Essen verabredet. Carolina ist vom Raften so erschöpft, dass sie in der Unterkunft bleibt, aber fast alle anderen sind mit von der Partie. Es gibt einen Pianisten, man kann die Fälle sehen und hören, und der leckere Weißwein aus Fairview versöhnt mich mit der Welt.

Heute morgen dann neues Spiel, neues Glück. Abschied vom Bett, Abschied vom Einzelzimmer, Abschied von Carolina. Thabani und Godfree warten bereits mit dem neuen Truck, Lennon, im Hof.

Wir fahren über die Brücke nach Livingstone in Sambia, um die Grenze möglichst früh hinter uns zu lassen, und erledigen dann die Formalitäten. Ein letzter Blick in der hellen Sonne auf die Fälle. Für 40 Dollar bekomme ich 150 Kwacha, mit denen ich hier neue Sonnecreme und Wasser kaufe. Schon sind 100 Kwacha wieder weg - Sonnencreme ist ein Luxusgut. Livingstone hat sich deutlich besser entwickelt als Vic Falls, die Straßen sind (noch) gut. Uns steht ein langer Tag im Truck bevor, wir wollen bis Lusaka kommen. Mich plagt der Sonnenbrand, aber die neue Besetzung im Truck lenkt von vielen Sorgen ab.

In festen Unterkünften werden Carla aus Argentinien, Jesper und Katja aus Dänemark sowie Roberto aus Argentinien schlafen. Er hat ein bisschen Schwierigkeiten mit dem Englischen, alle anderen kommen gut zurecht. Zelten werden wie bisher Richard und Brieana, das UK/US-Gespann von meiner ersten Tour, sowie Armin und Sonja (CH/AT), die gerade den Kilimandscharo bestiegen haben. Job aus den Niederlanden hat das nach unserer Tour vor und hat einen Einzelzimmerzuschlag bezahlt, ich bekomme also ganz ohne Aufpreis mein eigenes Zelt. Zehn Leute, nette Mischung.

Auch die Landschaft wird interessanter: Es geht plötzlich bergauf, durch bewaldete Hügel und bewirtschaftete Felder. Wir sehen keine Esel mehr, dafür plötzlich Fahrräder. Die Bäume sind größer und die Straßen zunehmend holpriger. Ein neues Abenteuer beginnt. 

Montag, 7. Januar 2013

15 Wieder ein Mensch!


So. Bei einem Spaziergang durchs und ums Hotel haben wir eine Warzenschweinfamilie getroffen, bei der wir mal nicht hoffen, dass sie heute abend auf dem Teller landet.






Außerdem haben wir noch mal gesehen, warum die Fälle Mosi-oa-Tunya heißen. 


Vor allem aber habe ich eine Runde im Pool gedreht, geduscht, mich nett angezogen, meine Haare gefönt und trage sogar Schmuck! So zivilisiert habe ich mich schon lange nicht gefühlt. In einer halben Stunde gibt es Abendessen im Restaurant. Oh Himmel, ist das schön.

14 Mosi-oa-tunya

Wir sind also wieder in Vic Falls. Der Ort ist viel aufgeräumter, als ich ihn in Erinnerung habe. Als allererstes fahren wir natürlich zum Nationalpark, um uns die Fälle anzuschauen. Leider ist es bedeckt, wir werden also keine Regenbögen sehen.
Nichtsdestotrotz ist der Ausblick immer noch überwältigend. Der afrikanische Name der Fälle ist Mosi-oa-tunya, "Donnernder Rauch". Donnernde Wassermassen auf mehr als einem Kilometer Breite. Schon vom ersten Fall aus, vom Devil's Cataract, kann man ganz gut verstehen, warum die Fälle so benannt worden sind.



Ein Hinweisschild liefert mir noch ein paar Zahlen, die die Wassermassen quantifizieren. In der Hochwasserzeit, also April/Mai/Juni, fließt der jährliche Wasserverbrauch der Stadt New York in 3,5 Tagen die Fälle hinunter. Ist es zu fassen?
Während ich weiter von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt an der Schlucht entlangwandere, fällt mir auch auf, dass ich plötzlich im Regenwald stehe. Die kleinen, dürren Bäumchen der Savanne sind dichter, sattgrüner, undurchdringlicher Vegetation gewichen. Auch wenn es nicht regnet, ist dank der großen Gischmengen der Wasserfälle alles klitschnass, und ich weiß schon jetzt, dass auch ich pitschnass sein werde, sobald ich den letzten Aussichtspunkt, Danger Point, erreicht haben werde.

Als ich zu Livingstone Island hinüberschaue, bin ich kurz verdutzt - was sind denn die bunten Punkte da? Tatsächlich, da sind Menschen auf der Insel mitten in der Wasserfallkette. Stimmt, auf der Insel kann man auch Urlaub machen. Man kann ja je nach Wasserstand sogar in Devil's Pools, natürlichen Schwimmbecken oberhalb der Fälle, schwimmen gehen. Puh, ob ich dafür die Nerven hätte? Ich weiß es nicht...


Zum Schluss, auf den glitschigen Klippen des Danger Point, ist die Gischt so dicht, dass man nur kurz die Kamera aus der wasserfesten Hülle nehmen kann, um Fotos zu machen. Sobald der Wind wieder ausholt, klatscht das Wasser wieder in mein Gesicht. Schnell noch ein kurzes Video.

Der letzte Blick im Park gilt der Brücke, die Simbabwe von Sambia trennt. Wer mag, kann hier Bungee springen. Ich halte mich wohl lieber ans Raften. Erstmal gibt es jedoch Mittagessen auf dem Parkplatz vor dem Park. Während die Damen essen, sind die Herren damit beschäftigt, die Affen davonzujagen. Die haben auch schon mitbekommen, dass man bei Trucks gut was abstauben kann, und lassen sich leider nur von Männern verjagen. Nun ja, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als in mein Sandwich zu beißen.
Untergebracht sind wir in der letzten Nacht dieser Tour im Elephant Hills Hotel. Wir fahren mit unserem schmutzigen, versandeten Truck vor und werden von Portiers und Kofferträgern in Empfang genommen. Es gibt in der Piano Lounge ein Begrüßungsgetränk, während wir einchecken, und wir fallen alle überwältigt in die Ledersofas. Das Hotel ist riesig und strahlt den Glanz längst vergangener Tage aus. So kurz nach Neujahr sind kaum Gäste hier, und die riesigen Lichthöfe mit Wasserfällen und Ochsenfröschen, der Pool auf zwei Etagen, Tennis- wie auch Golfplatz sind wie ausgestorben. Außer uns scheint es etwa sechs Gäste zu geben, und überall in den Gängen schießt unerwartet Personal hinter den Säulen hervor, um jedem einen schönen Tag zu wünschen.

Der Angestellte, der uns unser Zimmer zeigt, bekommt ein Trinkgeld - auch schon lange nicht gehabt - und es gibt einen Fön im Zimmer. Und Handtücher. Beim ersten Blick nach draußen auf den Rasen sehe ich einen Sausage Tree, einen Baobab, zwei Perlhühner und zwei Impalas, die dort grasen. Unglaublich.




 Carolina und ich verwandeln das Zimmer binnen zehn Minuten erfolgreich in ein Schlachtfeld. So viel Platz und Privatsphäre und Licht haben wir seit über einer Woche nicht gehabt. Während einige von uns einen Rundflug machen, genießen wir den Luxus.





Nach dem Abschiedsessen heute abend hier im Hotel werden sich unsere Wege bald trennen. Rich, Brieana und ich ziehen in die Adventure Lodge um, wo übermorgen unsere neue Tour beginnt, Thomas ist schon in der Ilala Lodge, in der er ein paar Tage Pause macht, bevor er nach Namibia zu seiner Motorradtour aufbricht, und Ricardo muss morgen postwendend zurück nach Brasilien. Shingi bringt seine Tochter wieder in die Schule und wird versuchen, einige Dinge zu regeln, bevor für Sandile und ihn die nächste Tour beginnt. Ich habe kaum noch Sehnsucht nach zuhause, bin aber traurig über den bevorstehenden Abschied von meiner kleinen Familie.

13 Chobe und jede Menge Nilpferde

Der Tag gestern endete mit einer Bootsfahrt auf dem Sambesi, mitten im Chobe-Nationalpark. Dieser Park ist für seine riesigen Elefantenherden bekannt, und dafür, dass in die Entwicklung der Population nicht eingegriffen wird. Bei letzten Besuch habe ich Dutzende Elefanten am Ufer baden sehen, aber wie schon oft auf dieser Tour stelle ich fest, dass die vertrauten Orte in der Regenzeit ganz anders aussehen. Chobe ist leuchtendgrün und das Gras ist hoch. Ich habe mal ein altes Bild zum Vergleich herausgesucht:
Chobe im Januar 2013
Chobe im Juni 2006


Wir nehmen - für uns gesittete Reisende untypisch - unsere Kühlbox mit Bier und Cider mit auf das Boot, werden aber ausgestochen von den Afrikaanern, die mit der African Travel Company hier sind. Sie haben gleich zwei Kühlboxen dabei und scheinen fest entschlossen zu sein, diese auch zu leeren. Ich höre mit, dass sie die gleiche Reiseroute haben wie wir, und das mindestens bis zum Malawisee. Auch lernen wir aus Beobachtung, dass man zwar jemand betrunkenen auf zwei gestapelte Kühlboxen draufsetzenh kann, es aber nicht immer gelingt, diesen Menschen dann mitsamt der Kühlboxen zu tragen. Hm, wie überraschend.

Nun denn. Eigentlich wollten wir ja das Treiben außerhalb des Boots beobachten. Hier finden sich Nilpferde im Wasser und an Land, Kudus, Wasserböcke, ein Fischadler und ein paar Affen, die ich ignoriere. Affen mag ich einfach nicht. Wir können außerdem beobachten, dass Krokodile zwar Nilpferde mögen, dass diese Zuneigung aber nicht auf Gegenseitigkeit beruht.




 Diese zwei Nilpferde haben ihr eigenes Reinigungsteam.
Untermalt wird all das von netten Gesprächen mit einigen meiner Mitreisenden. Nicht gerade besonders wild, aber trotzdem recht nett. Ich trinke ein Savanna und genieße die Abendstimmung.






Im Camp bemühen wir uns vor allem darum, uns im knöcheltiefen Morast auf den Wegen nicht auf die Nase zu legen. Auch hier verlaufe ich mich wieder. Neue Lektion: Kontaklinsen nur rausnehmen, wenn man die Brille auch dabei hat. Immerhin hält das Zelt nachts dem Regen stand. Trotzdem ist die Nacht nicht besonders erholsam, und ein nasses Zelt einzupacken ist keine besonders angenehme Aufgabe. Shingi entschädigt uns mit armen Rittern zum Frühstück, was mich mit der Welt versöhnt.
Mittlerweile haben wir in Kazungula die Grenze nach Simbabwe überquert. Hier treffen sind ganze vier Länder, und es geht das Gerücht um, dass es weltweit keinen anderen Ort gibt, an dem das passiert. Stimmt das? Wir queren von Botsuana nach Simbabwe. Namibia steht diesmal nicht auf der Liste; nach Sambia geht es in zwei Tagen. Shingi versorgt uns mit Informationen zu unserem neuen Land.

Simbabwe ist 390.000 km² groß und hat etwa 10-12 Millionen Einwohner. Der Landesname bedeutet soviel wie "The House of Stones", weil hier schon so früh Steinhäuser gebaut worden sind. Das Land ist vor allem berühmt für seinen Despoten, Robert Mugabe. Mittlerweile gibt es keine Landeswährung mehr, man zahlt in US-Dollars, und HIV/Aids ist ein großes Problem. Shingi fügt hinzu, dass es in unserem Zielort Victoria Falls nachts gut ist, wenn man immer zu mehreren unterwegs ist. Ich kenne diesen Hinweis schon, das hat man uns vor Jahren auch gesagt. Der Grund, den er dann nennt, ist allerdings neu: Man warnt uns nicht mehr vor Überfällen, sondern davor, dass die Tiere aus dem umliegenden Nationalpark immer öfter nachts in die Stadt kommen und man sich vor den Elefanten hüten soll. Was?! Eine schöne Entwicklung... irgendwie.

Während wir durch den Sambesi-Nationalpark fahren und links und rechts immer wieder wilde Tiere am Straßenrand zu sehen sind, überlege ich mir, was ich in Vic Falls gerne erledigen würde. Sachen waschen lassen, zum Beispiel, und ein neues Buch kaufen. Oder gleich zwei. Ob das wohl klappt? Und dann treffe ich hier ja auch auf die neue Tour. Shingi sagt, dass meine neuen Tourguides vermutlich Godfree und Thabani sein werden. Die Karten werden wieder neu gemischt.