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Dienstag, 22. Januar 2013

33 Ganz normale Touristen

Tag 1 nach dem Schiffbruch. Heute müssen wir das Paradies wieder verlassen. Trotz der gestrigen Dramen war das ein guter Tag, denn ich lebe noch und kann all das machen, was ich mir noch vorgenommen hatte. So fällt es mir auch schwer, Nungwi hinter mir zu lassen, denn hier ist das Leben wirklich herrlich gewesen.
Für uns geht es heute zum Sightseeing nach Stone Town, in die Hauptstadt von Sansibar, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Auf dem Weg dorthin halten wir aber zunächst noch an der Polizeistation von Nugwi an. Marlis und David brauchen für ihre Versicherung einen Polizeibericht, und so müssen wir eine schriftliche Aussage machen.
Die Polizeistation hat etwa sechs Zimmer, es ist weit und breit kein Computer zu sehen und nach einiger Zeit werden wir aufgefordert, niederzuschreiben, was passiert ist und worin unsere Verluste bestanden. Seargant Juma setzt uns außerdem den Kopf zurecht, weil wir nicht schon gestern dort waren. Nun gut. Er verspricht uns, uns den Bericht per Mail zu senden, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind.
In Stone Town beziehen wir unser Hotelzimmer und machen uns in kleinen Gruppen auf die Suche nach Geldautomaten, Freddie Mercury's Geburtshaus und etwas zu essen. Im Archipelago Café esse ich den ersten Marlin meines Lebens, der zum Niederknien lecker ist, und genieße die Brise vom Meer. Geld bekomme ich leider auch hier nicht aus dem Automaten, trotzdem reicht es für einige Souvenirs und ein neues Handtuch.
Nachmittags machen wir einen Stadtrundgang mit unserem gewohnt motivierten Betreuer Jay. Insgesamt erinnert mich die Stadt mit ihren verwinkelten Gässchen, weißverputzten Hauswänden und abenteuerlichen Elektroinstallationen sehr an Kroatien. Wir lernen einiges über den Sklavenhandel, der von hier aus stattgefunden hat. Vieles wusste ich gar nicht, zum Beispiel dass so unglaublich viele Sklaven auch nach Oman und in den restlichen arabischen Raum verkauft worden sind. Auch hier finden sich Spuren von Livingstone, der so beharrlich versuchte, den Sklavenhandel zu beenden. Im House of Wonders erklärt uns Jay, dass es hier, auf Sansibar, viele afrikanische Premieren gegeben hat: Den ersten Aufzug, fließendes Wasser, den ersten Farbfernseher. "We used to be the first always", sagt er. "Now we're always last. For twenty years or so now. I don't know what happened." Er sieht resigniert aus. Auch der Güterumschlag, der auf Sansibar so groß war, findet mittlerweile in Daressalam statt.
Nach dem Sultanspalast, der gerade renoviert wird, und dem unbeschreiblich duftenden Fisch- und Fleischmarkt besuchen wir noch die Slave Chambers, die Sklavenverliese. Hier wurden die Sklaven vor der Auktion eingesperrt, um ihren Willen zu brechen. Die Enge, Hitze und Abscheu sind kaum in Worte zu fassen.
Auf dem Weg von einer Attraktion zur anderen geht Jay zuverlässig die Wege, die uns an allen Souvenirläden seiner Freunde und Bekannten vorbeiführen. Wir beenden unsere Tour in einem Luxushotel auf der Dachterrasse, von wo aus wir bei Cocktails den Sonnenuntergang genießen. Zum ersten Mal gibt es kein Savanna! Eine Schande.
Vor uns liegt wie ein Spiegel der indische Ozean, der uns angesichts der gestrigen Abenteuer mit seiner glatten Oberfläche zu verhöhnen scheint. Wir sind von der Sonne geblendet und werden dort oben von der sinkenden Sonne noch mal gut aufgeheizt. Gut eine Stunde vergeht, bevor die Sonne tatsächlich sinkt. Die talentierteren unter unseren Fotografen schießen traumhafte Bilder in dem sanfter werdenden Licht. Ich schaue einfach hinaus aufs Meer, die Dhaus und die Segelboote, zugegebenermaßen mit gemischten Gefühlen. Am Kai üben junge Leute Capoeira und die Welt scheint mit sich völlig im Reinen zu sein
Zum Einbruch der Dunkelheit begeben wir uns zum Night Market. Der Platz vor dem Sultanspalast verwandelt sich jeden Abend in einen großen Markt, auf dem unterschiedlichste Sorten Essen angeboten werden. Unser zuverlässiger Nahrungsexperte Godfree stellt uns einige der Speisen vor, allerdings haben die meisten von uns die Bilder vom Fisch- und Fleischmarkt noch zu gut im Gedächtnis. Wer dort noch nicht gegessen hat, geht später noch ins Archipelago zurück.
Nach einem ganzen Tag, den wir als fotografierende, schnatternde Touristengruppe in diesem kleinen Städtchen zugebracht haben, umzingelt von hunderten fliegenden Händlern, die alle "Jambo jambo" auf CD verkaufen wollen, bin ich wirklich müde. Eine Bestandsaufnahme ergibt Blasen an den Füßen vom Schnorcheln - das scheint ein ganzes Leben her zu sein - und allerlei Prellungen auf den Oberschenkeln, sowie eine Reihe Kratzer und ein leichter Sonnenbrand. Es ist ungewohnt, keine Kamera mehr zu haben, weil der Fotoreflex immer ins Leere läuft. Ich habe das unangenehme Gefühl, dass mir die Erinnerungen wie Sand durch die Finger rinnen und finde es schade, manches nicht festhalten zu können. Andererseits bleibt mir so mehr Zeit zum gucken.
Jetzt ist es erstmal an der Zeit, noch ein letztes Mal das Bett zu genießen, bevor wir morgen ans Festland und somit auch zu Lennon, Thabani und unseren Zelten zurückkehren. Die Fähre geht um sieben, und dann will ich nur eins: Ganz schnell raus aus Daressalam.

Montag, 7. Januar 2013

15 Wieder ein Mensch!


So. Bei einem Spaziergang durchs und ums Hotel haben wir eine Warzenschweinfamilie getroffen, bei der wir mal nicht hoffen, dass sie heute abend auf dem Teller landet.






Außerdem haben wir noch mal gesehen, warum die Fälle Mosi-oa-Tunya heißen. 


Vor allem aber habe ich eine Runde im Pool gedreht, geduscht, mich nett angezogen, meine Haare gefönt und trage sogar Schmuck! So zivilisiert habe ich mich schon lange nicht gefühlt. In einer halben Stunde gibt es Abendessen im Restaurant. Oh Himmel, ist das schön.

14 Mosi-oa-tunya

Wir sind also wieder in Vic Falls. Der Ort ist viel aufgeräumter, als ich ihn in Erinnerung habe. Als allererstes fahren wir natürlich zum Nationalpark, um uns die Fälle anzuschauen. Leider ist es bedeckt, wir werden also keine Regenbögen sehen.
Nichtsdestotrotz ist der Ausblick immer noch überwältigend. Der afrikanische Name der Fälle ist Mosi-oa-tunya, "Donnernder Rauch". Donnernde Wassermassen auf mehr als einem Kilometer Breite. Schon vom ersten Fall aus, vom Devil's Cataract, kann man ganz gut verstehen, warum die Fälle so benannt worden sind.



Ein Hinweisschild liefert mir noch ein paar Zahlen, die die Wassermassen quantifizieren. In der Hochwasserzeit, also April/Mai/Juni, fließt der jährliche Wasserverbrauch der Stadt New York in 3,5 Tagen die Fälle hinunter. Ist es zu fassen?
Während ich weiter von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt an der Schlucht entlangwandere, fällt mir auch auf, dass ich plötzlich im Regenwald stehe. Die kleinen, dürren Bäumchen der Savanne sind dichter, sattgrüner, undurchdringlicher Vegetation gewichen. Auch wenn es nicht regnet, ist dank der großen Gischmengen der Wasserfälle alles klitschnass, und ich weiß schon jetzt, dass auch ich pitschnass sein werde, sobald ich den letzten Aussichtspunkt, Danger Point, erreicht haben werde.

Als ich zu Livingstone Island hinüberschaue, bin ich kurz verdutzt - was sind denn die bunten Punkte da? Tatsächlich, da sind Menschen auf der Insel mitten in der Wasserfallkette. Stimmt, auf der Insel kann man auch Urlaub machen. Man kann ja je nach Wasserstand sogar in Devil's Pools, natürlichen Schwimmbecken oberhalb der Fälle, schwimmen gehen. Puh, ob ich dafür die Nerven hätte? Ich weiß es nicht...


Zum Schluss, auf den glitschigen Klippen des Danger Point, ist die Gischt so dicht, dass man nur kurz die Kamera aus der wasserfesten Hülle nehmen kann, um Fotos zu machen. Sobald der Wind wieder ausholt, klatscht das Wasser wieder in mein Gesicht. Schnell noch ein kurzes Video.

Der letzte Blick im Park gilt der Brücke, die Simbabwe von Sambia trennt. Wer mag, kann hier Bungee springen. Ich halte mich wohl lieber ans Raften. Erstmal gibt es jedoch Mittagessen auf dem Parkplatz vor dem Park. Während die Damen essen, sind die Herren damit beschäftigt, die Affen davonzujagen. Die haben auch schon mitbekommen, dass man bei Trucks gut was abstauben kann, und lassen sich leider nur von Männern verjagen. Nun ja, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als in mein Sandwich zu beißen.
Untergebracht sind wir in der letzten Nacht dieser Tour im Elephant Hills Hotel. Wir fahren mit unserem schmutzigen, versandeten Truck vor und werden von Portiers und Kofferträgern in Empfang genommen. Es gibt in der Piano Lounge ein Begrüßungsgetränk, während wir einchecken, und wir fallen alle überwältigt in die Ledersofas. Das Hotel ist riesig und strahlt den Glanz längst vergangener Tage aus. So kurz nach Neujahr sind kaum Gäste hier, und die riesigen Lichthöfe mit Wasserfällen und Ochsenfröschen, der Pool auf zwei Etagen, Tennis- wie auch Golfplatz sind wie ausgestorben. Außer uns scheint es etwa sechs Gäste zu geben, und überall in den Gängen schießt unerwartet Personal hinter den Säulen hervor, um jedem einen schönen Tag zu wünschen.

Der Angestellte, der uns unser Zimmer zeigt, bekommt ein Trinkgeld - auch schon lange nicht gehabt - und es gibt einen Fön im Zimmer. Und Handtücher. Beim ersten Blick nach draußen auf den Rasen sehe ich einen Sausage Tree, einen Baobab, zwei Perlhühner und zwei Impalas, die dort grasen. Unglaublich.




 Carolina und ich verwandeln das Zimmer binnen zehn Minuten erfolgreich in ein Schlachtfeld. So viel Platz und Privatsphäre und Licht haben wir seit über einer Woche nicht gehabt. Während einige von uns einen Rundflug machen, genießen wir den Luxus.





Nach dem Abschiedsessen heute abend hier im Hotel werden sich unsere Wege bald trennen. Rich, Brieana und ich ziehen in die Adventure Lodge um, wo übermorgen unsere neue Tour beginnt, Thomas ist schon in der Ilala Lodge, in der er ein paar Tage Pause macht, bevor er nach Namibia zu seiner Motorradtour aufbricht, und Ricardo muss morgen postwendend zurück nach Brasilien. Shingi bringt seine Tochter wieder in die Schule und wird versuchen, einige Dinge zu regeln, bevor für Sandile und ihn die nächste Tour beginnt. Ich habe kaum noch Sehnsucht nach zuhause, bin aber traurig über den bevorstehenden Abschied von meiner kleinen Familie.

Sonntag, 6. Januar 2013

12 Duschen!

Wer hätte das gedacht? Da ist uns doch tatsächlich gestern der Sprit noch ausgegangen. Fünf Kilometer vor der Tankstelle, zwanzig Kilometer vor der Unterkunft und eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit bleibt der Truck plötzlich einfach stehen. Shingi wollte in Maun noch Tanken, Sandile war aber davon überzeugt gewesen, dass der Sprit reicht. Leider hat er sich dabei auf die Tankanzeige verlassen, die zu diesem Zeitpunkt schon den Geist aufgegeben hatte.




 Mit den Trucks ist das so: Nomad baut sie selber, und weil man mit den Trucks oft sehr weit von einer Vertragswerkstatt entfernt ist, funktioniert auch noch fast alles mechanisch und kann per Hand behoben werden. Deshalb bildet Nomad alle Guides auch darin aus, die Trucks zu reparieren, wenn etwas nicht damit stimmt, oder zumindest die Ursach ezu finden. Ohne Truck sind wir schließlich völlig aufgeschmissen, und Ersatz findet sich nicht ohne Weiteres. Unser Truck, Ray, gehört leider zu der Generation, die keinen 600l-Ersatztank hat, sondern nur den 200l-Standardtank. Er macht jetzt also mal den Kopf hoch, damit Sandile schauen kann, was mit der Tankanzeige los ist.

Shingi ruft in der Zwischenzeit im Planet Baobab an und bittet darum, dass die einen Wagen schicken, der einen der Guides zur Tankstelle fährt, um Sprit zu holen. Sandile joggt in der Zwischenzeit aber auch schon mal mit zwei Kanistern in der Hand los. Wir sehen ihm sehr lange nach auf der geraden Straße, und außer ihm ist da nicht ein einziges Auto weit und breit. Nicht nur ist es ungleich schwieriger, sich auf einem neuen Campingplatz zurechtzufinden, wenn man erst im Dunkeln ankommt, es ist auch für unsere Guides viel gefährlicher, im Dunkeln zu fahren als im Hellen. Vieh und wilde Tiere laufen auf die Straße, die natürlich nicht beleuchtet ist. Man muss also viel konzentrierter und langsamer fahren als sonst. Unser Elchfänger ist zwar monströs, aber eine Kollision wollen wir trotzdem vermeiden.

Sandile hat sich also nicht nur heute schon einen Strafzettel eingefangen, er ist auch immer noch joggend am Horizont unterwegs. Shingi nutzt die Zeit um das Abendessen vorzubereiten und macht uns allen Tee und Kaffee, während wir warten.







Nach einiger Zeit taucht auch das Auto von Planet Baobab auf und fährt Sandile hinterher, um ihn und die Kanister einzusammeln. Wir freuen uns, als es weitergeht, und schlagen die Zelte im Baobab eben im Dunkeln auf. Mir gelingt es, mich nur einmal zu verlaufen.





Trotzdem, der Abend wird ein Highlight. Nicht, weil das Savanna kühl und die Stimmung in der Bar abends fröhlich ist, sondern weil es Duschen gibt. Ich habe das große Glück, zufällig duschen zu gehen, als sonst niemand im Waschhaus ist. Niemand wartet vor der Tür, niemand konkurriert mit mir um das heiße Wasser, ich muss mich nicht beeilen, um das Abendessen nicht zu verpassen, ausnahmsweise ist die Dusche nicht voller Mücken, die mich bei lebendigem Leib auffressen, während ich Dusche, und ich muss auch nicht befürchten, auf dem Rückweg von der Dusche von Tieren angefallen zu werden. Am schönsten ist aber, dass hier im Baobab das Waschhaus kein Dach hat. Die Regenwolken haben sich verzogen, und so schaue ich beim Haarewaschen in den Sternenhimmel und freue mich über das Sternenmeer über mir. Selten habe ich mich so sauber und so gelassen gefühlt.

Der Rest der Besatzung ist leider nicht ganz so entspannt. Hier und dort wird sich über die Panne echauffiert, als sei die Welt untergegangen, der eine oder andere bekommt seine Finanzen nicht geregelt und traut sich kaum, ein Bier  zu bestellen. Trotzdem, ich dolmetsche in der Bar fröhlich die Unterhaltungen zwischen unserer Insektenspezialistin Sigi und den anderen Mitreisenden und fühle mich pudelwohl.

Heute morgen dann wieder alles abbauen und einpacken. Ich habe mir angewöhnt, nicht mehr den gesamten Rucksack aus dem Schließfach im Truck ins Zelt zu wuchten, sondern nur noch die symbolische Zahnbürste auszuräumen, seitdem geht das Packen morgens schneller. Wir starten spät, erst um 07:30 Uhr, ein Luxus. Für Brieana singen wir Happy Birthday, auch wenn sie heute leider nicht ganz gesund ist. Unterwegs sehen wir Straußen, Antilopen und Elefanten. Die stehen einfach am Straßenrand und mampfen, zu dritt oder zu viert. Die Begeisterung im Truck kennt keine Grenzen.

Ähnlich enthusiastisch äußern wir uns, als wir nach hunderten Kilometern durch flaches Land mit frischem Gras und kleinen Bäumen zum ersten mal wieder über einen kleinen Hügel fahren und dann plötzlich Landwirtschaft sehen. Da war doch tatsächlich mal ein Stück Land bewirtschaftet! Im wahrsten Sinne des Wortes eine Augenweide. Jetzt regnet es allerdings wieder, und die Landschaft besteht wieder aus Gras und Bäumen. Ein Glück, dass es erst angefangen hat zu regnen, als wir schon im Truck waren. Ich würde so gerne heute waschen, aber bei der Luftfeuchtigkeit werden die Sachen sicher nicht trocken. Mein Wäschesack müffelt, mein Schlafsack klebt - aber die Dusche war wirklich großartig.