Samstag, 19. Januar 2013
29 Endlich das Meer!
Aaaaaaaaaah ist das geil hier! Strand, Ozean, Wellen, Wind, Sonne! Salz in der Luft! Wer hätte gedacht, dass ein so anstrengender Tag so wunderbar enden könnte? Wir kommen nachmittag im Kipepeo Camp an, und während sich die Mitreisenden mit Zimmer über die Bungalows auf Stelzen freuen, stellen wir unsere Zelte mit Blick auf den Strand auf.
Es zieht mich so sehr ins Meer, dass ich vor lauter Vorfreude fast über meine eigenen Füße falle. Ein überschwänglicher Flikflak am Strand und hinein ins Wasser!! Daressalam ist ein Moloch, und die einzige Erleichterung war das klimatisierte Fährterminal, in dem Godfree schon mal die Tickets gekauft hat, aber das hier, das ist absolut paradiesisch. Die Getränke sind kalt, die Duschen schön, die WCs auch, man hört fast keine Geräusche außer dem Rauschen der Wellen. Unbeschreiblich, wie gut das tut.
Wir lesen am Strand, sitzen unvernünftig in der Sonne, reden über alles und nichts. Rich und Brieana
bloggen, wir alle atmen tief durch. Es ist noch mitten am Tag, und doch müssen wir nirgendwo hin, haben keine Programmpunkte mehr abzuhaken, müssen nur in den Truck, um Geld für noch einen Softdrink zu holen und können völlig sorglos darauf warten, dass es Abend wird und Godfree uns wieder einmal ein himmlisches Abendessen vorsetzt. Besser wird's nicht mehr. Hier könnte ich bleiben.
28 Tiere im Morgengrauen
Ich schlafe nach Parkende ein, und wache erst auf, als mir jemand ein Kissen unterzuschieben versucht. Verschlafen wie ich bin, halte dich das am Horizont erst für eine große Regenwolke, aber es sind die Uluguruberge, bis zu 2646m hoch! Job hat plötzlich sehr viel Respekt vor dem Kilimanjaro, auf den er noch klettern will.
Später zeigt uns Godfree die ersten Sisalplantagen. Sisal wächst und gedeiht hier prächtig, ist aber leider nun mal nicht besonders lukrativ. Aber wer hätte gedacht, dass irgendwo auf der Welt auf so großer Fläche Sisal angebaut wird? Naja, irgendwo muss es herkommen, was?
Auch Mangobäume stehen hier immer noch in der Gegend herum. Ich bin fürchterlich neidisch. So einen hätte ich auch gerne im Garten, mit dem passenden Wetter dazu bitte.
Dann ist es soweit: Wir nähern uns Daressalam. Ich entdecke eine ganze Reihe Dinge, die mich faszinieren.
| Eine Moschee, sogar recht groß |
| Das Fenster ist sauber - das ist Smog. |
| Auch hier baut die Strabag |
| Zwei Stunden solche Ladenzeilen, das ist Daressalam. |
| Am Straßenrand wächst Cassawa... |
| ...und wieder Bananen |
| lange nicht gesehen: Werbeposter |
| noch viel häufiger: gemalte Werbung! |
| In der Innenstadt wird gebaut. Wie Karlsruhe. |
| Swastika? Ach ja, anderswo ist das erlaubt. Und anders gemeint. |
| Countdown-Ampeln. Da sind sie uns voraus. |
| Surge-Safe!! Danke, Samsung. |
| Hier scheint es Menschen mit Geld zu geben. |
| Sogar mit viel Geld und wenig Sorgen. |
| Hier fahren öfter Trucks durch? |
| Das rechts sind alles Streichhölzer :D |
| Yeah. Win a trip to Hajj! |
| Endlich: Wasser. Leider keine frische Brise. |
Freitag, 18. Januar 2013
27 Einfach abhängen
Das war ja mal ein entspannter Nachmittag. Es ist eine Wohltat, mal wieder im Hellen auf einem Campingplatz anzukommen, und sich bei Tageslicht orientieren zu können. Genesis Camp ist leider von hohen Mauern umgeben und von vielen Ameisen bewohnt, aber zumindest die Ameisen lassen sich auch wunderbar mit normalem Insektenschutzmittel für Menschen vertreiben. Muss wohl ziemlich stinken.
Richard, Carla, Brieana und ich sitzen in der Lobby des Motels und spielen bei leichter Brise das Malawi Bao Game und laden unsere elektrischen Geräte auf. Es ist hier unten wieder brüllend heiß. Carla gewährt mir Asyl in ihrer Dusche, und ich nutze die Gelegenheit, auch ein paar Sachen zu waschen, während mich die Mücken bei lebendigem Leib verspeisen.
Abends gibt es Rindfleisch! Dazu erzählt Thabani von Tansania. 36 Millionen Einwohner auf 945000km², davon die meisten an den Ufern der Seen und an der Küste. A propos Küste: Dahin geht es morgen auch. Wir werden vorgewarnt, dass Daressalam ein Moloch ist, der in großen Teilen eigentlich nur eine riesige Ansammllung der üblichen Hütten ist und kaum ein richtiges Stadtzentrum ist. Außerdem bekommen wir Packanweisungen: Sarong, Flipflops, Wasser, Gelbfieberimpfzertifikat, Reisepass, und dann geht's ab auf die Fähre. Ich kann's kaum erwarten!
Richard, Carla, Brieana und ich sitzen in der Lobby des Motels und spielen bei leichter Brise das Malawi Bao Game und laden unsere elektrischen Geräte auf. Es ist hier unten wieder brüllend heiß. Carla gewährt mir Asyl in ihrer Dusche, und ich nutze die Gelegenheit, auch ein paar Sachen zu waschen, während mich die Mücken bei lebendigem Leib verspeisen.
Abends gibt es Rindfleisch! Dazu erzählt Thabani von Tansania. 36 Millionen Einwohner auf 945000km², davon die meisten an den Ufern der Seen und an der Küste. A propos Küste: Dahin geht es morgen auch. Wir werden vorgewarnt, dass Daressalam ein Moloch ist, der in großen Teilen eigentlich nur eine riesige Ansammllung der üblichen Hütten ist und kaum ein richtiges Stadtzentrum ist. Außerdem bekommen wir Packanweisungen: Sarong, Flipflops, Wasser, Gelbfieberimpfzertifikat, Reisepass, und dann geht's ab auf die Fähre. Ich kann's kaum erwarten!
26 Baobabaobabaobabaobabaum
Kisolanza ist eine unglaubliche Wohltat. So hoch gelegen, dass die Nacht zum ersten Mal seit langer Zeit wieder kühl ist. So kühl, dass wir alle in unseren Schlafsäcken schlafen können, ohne zu zerfließen. Hier gibt es wieder eine ausreichend große Lapa, dass wir alle im Trockenen zelten können, und dann machen wir uns im weitläufigen Gelände auf die Suche nach der richtigen Bar, in der es Abendessen geben soll. Nach viel Hin und Her finden wir uns alle und genießen - in meinem Fall mit großer Vorsicht - bei lauschigem Kerzenschein von einem liebevoll gedeckten Tisch ein sehr leckeres Abendessen. Es gibt eine Erdnuss-Kürbis-Koriandersuppe vorweb, dann italienische Pasta mit Fleischbällchen und für alle gesunden Esser auch noch Nachtisch. Ich verzichte und nuckle an einer Sprite. Langsam kehren die Lebensgeister zurück.
Morgens nach einer Scheibe Toast und ein paar Keksen wieder in den Truck. Wir fahren zunächst bis Iringa, wo wir kurz anhalten, damit alle Wasser und Geld und in Jobs Fall auch noch mehr Medikamente kaufen können. Wieder einmal bringe ich einen Barclays-Automaten zum Absturz. Diese Geld-Sache ist wirklich ärgerlich. So geht es ohne zusätzliches Bargeld weiter gen Mikumi. Die Fahrt ist nicht lang, und der Ausblick wie immer spektakulär. Zum Röhren des Trucks und zum Rauschen des Fahrtwinds noch mehr grüne Panoramen:
In einem ganz besonderen Tal legt Thabani für uns noch einmal einen Zwischenstopp ein. Baobab Valley ist, wie Thabani sagt, nicht der Ort mit der größten Dichte von Affenbrotbäumen, und auch nicht der mit den meisten. Aber es sind schon sehr viele auf einmal.
Baobabbäume sind typisch afrikanische Gewächse, ähnlich wie Schirmakazien. Von ihren Früchten ernähren sich unter anderem auch die Affen, weswegen sie bei uns auch Affenbrotbäume heißen. Sie sind unglaublich groß!
Könnt ihr mich sehen, das kleine türkise da unten?
Anders als unsere Bäume bilden sie keine Jahresringe, man kann ihr Alter nur nach dem Fällen über Karbondatierung feststellen. Die Faustregel, die man so erkannt hat, ist, dass die Armspannweite eines normalen Menschen etwa 100 Jahre Alter bedeutet.
Weil man auf dem Bild nicht alle sieht: Wir sind zu sechst. Der Baum steht da also seit 600 Jahren! Unglaublich, oder? Und das ganze Tal steht voll mit den Bäumen. Man sagt, wer einen Baobab findet, den er umarmen kann, dessen Wünsche gehen in Erfüllung. Überhaupt ranken sich um diesen Baum viele Geschichten. An den meisten Tagen im Jahr trägt er nämlich keine Blätter sondern ist kahl. Warum das so ist?
Die Buschmänner sagen, der Baobab sei ursprünglich ein sehr hoher Baum gewesen. Er sei so hochgewachsen, dass er den Göttern zu nahe gekommen ist. Ständig hat er sich eingemischt, bis die Götter irgendwann genug davon hatten. Sie haben ihn ausgerissen und andersherum wieder in die Erde gesteckt. Jetzt ist er also der Upside-Down-Tree. Trotzdem ganz schön hoch.
Laut einer andern Geschichte hat bei der Erschaffung der Erde jedes Tier einen Baum bekommen, den es pflanzen sollte. Die Hyäne kam als letzte dran und bekam den Baobab, und vor lauter Wut darüber, dass sie die letzte in der Reihe war, hat sie ihn falsch herum in den Boden gehauen. Dafür ist er doch noch recht schön geworden.
Wir arbeiten noch eine Weile am perfekten Foto, Job klettert sogar auf Lennons Kopf, um einen besseren Ausblick zu haben. Dann geht es weiter, wir arbeiten uns Kilometer um Kilometer, Truck um Truck bis Mikumi vor.
Morgens nach einer Scheibe Toast und ein paar Keksen wieder in den Truck. Wir fahren zunächst bis Iringa, wo wir kurz anhalten, damit alle Wasser und Geld und in Jobs Fall auch noch mehr Medikamente kaufen können. Wieder einmal bringe ich einen Barclays-Automaten zum Absturz. Diese Geld-Sache ist wirklich ärgerlich. So geht es ohne zusätzliches Bargeld weiter gen Mikumi. Die Fahrt ist nicht lang, und der Ausblick wie immer spektakulär. Zum Röhren des Trucks und zum Rauschen des Fahrtwinds noch mehr grüne Panoramen:
Baobabbäume sind typisch afrikanische Gewächse, ähnlich wie Schirmakazien. Von ihren Früchten ernähren sich unter anderem auch die Affen, weswegen sie bei uns auch Affenbrotbäume heißen. Sie sind unglaublich groß!
Könnt ihr mich sehen, das kleine türkise da unten?
Anders als unsere Bäume bilden sie keine Jahresringe, man kann ihr Alter nur nach dem Fällen über Karbondatierung feststellen. Die Faustregel, die man so erkannt hat, ist, dass die Armspannweite eines normalen Menschen etwa 100 Jahre Alter bedeutet.
Weil man auf dem Bild nicht alle sieht: Wir sind zu sechst. Der Baum steht da also seit 600 Jahren! Unglaublich, oder? Und das ganze Tal steht voll mit den Bäumen. Man sagt, wer einen Baobab findet, den er umarmen kann, dessen Wünsche gehen in Erfüllung. Überhaupt ranken sich um diesen Baum viele Geschichten. An den meisten Tagen im Jahr trägt er nämlich keine Blätter sondern ist kahl. Warum das so ist?
Die Buschmänner sagen, der Baobab sei ursprünglich ein sehr hoher Baum gewesen. Er sei so hochgewachsen, dass er den Göttern zu nahe gekommen ist. Ständig hat er sich eingemischt, bis die Götter irgendwann genug davon hatten. Sie haben ihn ausgerissen und andersherum wieder in die Erde gesteckt. Jetzt ist er also der Upside-Down-Tree. Trotzdem ganz schön hoch.
Laut einer andern Geschichte hat bei der Erschaffung der Erde jedes Tier einen Baum bekommen, den es pflanzen sollte. Die Hyäne kam als letzte dran und bekam den Baobab, und vor lauter Wut darüber, dass sie die letzte in der Reihe war, hat sie ihn falsch herum in den Boden gehauen. Dafür ist er doch noch recht schön geworden.
Wir arbeiten noch eine Weile am perfekten Foto, Job klettert sogar auf Lennons Kopf, um einen besseren Ausblick zu haben. Dann geht es weiter, wir arbeiten uns Kilometer um Kilometer, Truck um Truck bis Mikumi vor.
Donnerstag, 17. Januar 2013
25 Beauuuuutiful Tanzania!
Heute wird wieder Strecke gemacht. Fast sieht es aus wie auf der A8 zwischen Augsburg und München: Links und rechts grüner Wald, in der Mitte eine schnurgerade Straße. Wir sind schon etwa 2500m über NN, ein frischer Wind weht durch die Fenster und draußen wechseln sich Eukalyptus- und Nadelbäume ab. Godfree bringt uns bei, "Beautiful Tanzania" zu singen, und das ist es wirklich.
Doch noch mal zurück zum Anfang des Tages. Da waren wir ja noch in Malawi. Die Nacht war zwar ruhig, der Regen störte mich unter meinem kleinen Dach in meinem Zelt überhaupt nicht, aber morgens fängt es an zu stürmen. Zwischen dicken grauen Wolken hindurch schimmert ein dämonisch roter Sonnenaufgang, und dicke Regentropfen klatschen mir ins Gesicht, während ich mein Zelt niederkämpfe. Gesund bin ich noch immer nicht. Essen wird fürs Erste gestrichen.
Wir rumpeln mit unserem Truck bis zur Grenze. Thabani stapft los, um den Truck mit vielen Formularen und viel Gerenne von einem Büro zum nächsten durch den Zoll und über die Grenze zu bekommen, und Godfree macht sich mit unseren Pässen auf den Weg. Wir haben alle artig unsere Gebühren hineingelegt, müssen dann aber doch persönlich antreten, um erstmals unser Gelbfieber-Impfzertifikat vorzulegen. 50 $ kostet das Visum, und dann sind wir drin. Leider dauert es bei Thabani und unserem Lennon noch eine geschlagene Stunde, bis sie auch ins Land dürfen. Übrigens, heißt es dann, hier ist es jetzt eine Stunde später. Wir tauschen schnell Geld, tansanische Shillings, und bekommen für jeden Dollar etwa 1600 TZS.
Von da an geht es nur noch geradeaus. Die vielen Stunden seit halb sechs heute morgen geben uns allen die Gelegenheit für Bestandsaufnahmen. Die meisten von uns sehen schon etwas geschunden aus. Sonnenbrand, die Schnittwunden an den Händen von der Grasernte für den steckengebliebenen Truck, Kratzer vom Tauchen, diverse Patienten mit Durchfall. Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, wir seien ein fahrendes Lazarett: Alle sind guten Mutes und fit. Trotzdem ist es, rein körperlich, kein Erholungsurlaub. Das erklärte Ziel aller ist und bleibt, bis Sansibar wieder ganz fit zu sein.
Auch zum Rausschauen ist viel Zeit und Gelegenheit auf den langen Strecken. Besonders nach Grenzüberquerungen ist es spannend, die Veränderung zu beobachten. Wir sehen, wie schon ein paarmal im Süden Malawis, Moscheen in einigen kleinen Siedlungen. Auch verschleierte Frauen gehören plötzlich zum Bild. Statt der vertrauten Hütten gibt es hier deutlich mehr Häuser aus Stein, und auf den Schildern steht alles fast nur noch in Kisuaheli. Vor und hinter uns auf dem Tanzam Highway sind Busse und LKWs unterwegs, kaum PKWs.
Als der Truck das erste Mal ungeplant anhält, steigt ohne jegliche Ankündigung unserer Guides ein Beamter der Einwanderungsbehörde zu. Er stellt sich als "Ramadan" vor und begrüßt jeden mit Handschlag. Seltsam, denken wir uns, die Grenze haben wir seit über einer Stunde hinter uns! Wir haben zwar wieder nicht unser Gesicht für das Visum zeigen müssen, aber trotzdem haben wir ja alle eins! Er hät mit Armin, Job und mir einen Plausch und verschwindet dann wieder kommentarlos. Godfree erzählt später, er fände das fürchterlich nervig, wenn so etwas passiert. Er habe zu dem Beamten gesagt, man habe einen straffen Zeitplan. Er könne ja gerne hinten im Fahrgastraum zusteigen und machen, was immer er da für nötig hält, aber man würde dann solange schon mal weiterfahren und er solle doch klopfen, wenn er durch sei. Das fand Ramadan nicht so attraktiv. Nun ja, "This is Africa".
Weiter geht es mit endlosen Weiten, großen Panoramen und bewegten Wolkenbildern, unterbrochen von kurzen Regenschauern. Wir fahren maximal 50 km/h wegen der schlechten Straßenverhältnisse. Ähnlich langsam und zusammenhanglos wie die Reise scheint mittlerweile auch mein Geist geworden zu sein. Simples Englisch und stundenlanges Ins-Leere-Schauen scheinen mein Gehirn degenerieren zu lassen. Die Unterhaltungen mit Richard, dem gewandten Small-Talker aus Oxford, sowie den Guides und den anderen Mitreisenden sind eine willkommene Erfrischung für meine trägen Gedanken.
Der zweite Halt auf unserer langen Strecke ist das Great Rift Valley, der große afrikanische Grabenbruch. Links und rechts der Straße kann man ihn in der Landschaft erkennen.
Natürlich ist das für uns alle eine willkommene Gelegenheit, auszusteigen und "Ich war da"-Fotos zu machen!
Später erkennt man auch wieder Landwirtschaft. Nach vielen Anläufen gelingt es mir, ein paar Bananenstauden zu fotografieren. Bananen wachsen hier wie bei uns Apfel- oder Kirschbäume: Einfach mal so in der Landschaft. Stellenweise kultiviert man sie auch.
Hier kann man sogar Bananen sehen, die an der Staude hängen! Diesmal sind es normale Bananen, es gibt sie hier aber auch so dick und lang wie meinen Unterarm, als kleine Kochbananen oder in rot. Wer hätte das gedacht?
Weiter oben finden sich dann, neben jeder Menge anderem Grün, auch die ersten Teebüsche, ganz am Ende des heutigen Streckenfilmchens. Damit wäre auch diese Erwartung an Tansania erfüllt: Es gibt Teeplantagen.
Jetzt haben wir es hoffentlich bald geschafft und kommen auf die Kisolanza-Farm. Noch ein paar Seiten Murakami auf Richard's Kindle, dann müssten wir da sein.
Doch noch mal zurück zum Anfang des Tages. Da waren wir ja noch in Malawi. Die Nacht war zwar ruhig, der Regen störte mich unter meinem kleinen Dach in meinem Zelt überhaupt nicht, aber morgens fängt es an zu stürmen. Zwischen dicken grauen Wolken hindurch schimmert ein dämonisch roter Sonnenaufgang, und dicke Regentropfen klatschen mir ins Gesicht, während ich mein Zelt niederkämpfe. Gesund bin ich noch immer nicht. Essen wird fürs Erste gestrichen.
Wir rumpeln mit unserem Truck bis zur Grenze. Thabani stapft los, um den Truck mit vielen Formularen und viel Gerenne von einem Büro zum nächsten durch den Zoll und über die Grenze zu bekommen, und Godfree macht sich mit unseren Pässen auf den Weg. Wir haben alle artig unsere Gebühren hineingelegt, müssen dann aber doch persönlich antreten, um erstmals unser Gelbfieber-Impfzertifikat vorzulegen. 50 $ kostet das Visum, und dann sind wir drin. Leider dauert es bei Thabani und unserem Lennon noch eine geschlagene Stunde, bis sie auch ins Land dürfen. Übrigens, heißt es dann, hier ist es jetzt eine Stunde später. Wir tauschen schnell Geld, tansanische Shillings, und bekommen für jeden Dollar etwa 1600 TZS.
Von da an geht es nur noch geradeaus. Die vielen Stunden seit halb sechs heute morgen geben uns allen die Gelegenheit für Bestandsaufnahmen. Die meisten von uns sehen schon etwas geschunden aus. Sonnenbrand, die Schnittwunden an den Händen von der Grasernte für den steckengebliebenen Truck, Kratzer vom Tauchen, diverse Patienten mit Durchfall. Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, wir seien ein fahrendes Lazarett: Alle sind guten Mutes und fit. Trotzdem ist es, rein körperlich, kein Erholungsurlaub. Das erklärte Ziel aller ist und bleibt, bis Sansibar wieder ganz fit zu sein.
Auch zum Rausschauen ist viel Zeit und Gelegenheit auf den langen Strecken. Besonders nach Grenzüberquerungen ist es spannend, die Veränderung zu beobachten. Wir sehen, wie schon ein paarmal im Süden Malawis, Moscheen in einigen kleinen Siedlungen. Auch verschleierte Frauen gehören plötzlich zum Bild. Statt der vertrauten Hütten gibt es hier deutlich mehr Häuser aus Stein, und auf den Schildern steht alles fast nur noch in Kisuaheli. Vor und hinter uns auf dem Tanzam Highway sind Busse und LKWs unterwegs, kaum PKWs.
Als der Truck das erste Mal ungeplant anhält, steigt ohne jegliche Ankündigung unserer Guides ein Beamter der Einwanderungsbehörde zu. Er stellt sich als "Ramadan" vor und begrüßt jeden mit Handschlag. Seltsam, denken wir uns, die Grenze haben wir seit über einer Stunde hinter uns! Wir haben zwar wieder nicht unser Gesicht für das Visum zeigen müssen, aber trotzdem haben wir ja alle eins! Er hät mit Armin, Job und mir einen Plausch und verschwindet dann wieder kommentarlos. Godfree erzählt später, er fände das fürchterlich nervig, wenn so etwas passiert. Er habe zu dem Beamten gesagt, man habe einen straffen Zeitplan. Er könne ja gerne hinten im Fahrgastraum zusteigen und machen, was immer er da für nötig hält, aber man würde dann solange schon mal weiterfahren und er solle doch klopfen, wenn er durch sei. Das fand Ramadan nicht so attraktiv. Nun ja, "This is Africa".
Weiter geht es mit endlosen Weiten, großen Panoramen und bewegten Wolkenbildern, unterbrochen von kurzen Regenschauern. Wir fahren maximal 50 km/h wegen der schlechten Straßenverhältnisse. Ähnlich langsam und zusammenhanglos wie die Reise scheint mittlerweile auch mein Geist geworden zu sein. Simples Englisch und stundenlanges Ins-Leere-Schauen scheinen mein Gehirn degenerieren zu lassen. Die Unterhaltungen mit Richard, dem gewandten Small-Talker aus Oxford, sowie den Guides und den anderen Mitreisenden sind eine willkommene Erfrischung für meine trägen Gedanken.
Der zweite Halt auf unserer langen Strecke ist das Great Rift Valley, der große afrikanische Grabenbruch. Links und rechts der Straße kann man ihn in der Landschaft erkennen.
Natürlich ist das für uns alle eine willkommene Gelegenheit, auszusteigen und "Ich war da"-Fotos zu machen!
Später erkennt man auch wieder Landwirtschaft. Nach vielen Anläufen gelingt es mir, ein paar Bananenstauden zu fotografieren. Bananen wachsen hier wie bei uns Apfel- oder Kirschbäume: Einfach mal so in der Landschaft. Stellenweise kultiviert man sie auch.
Hier kann man sogar Bananen sehen, die an der Staude hängen! Diesmal sind es normale Bananen, es gibt sie hier aber auch so dick und lang wie meinen Unterarm, als kleine Kochbananen oder in rot. Wer hätte das gedacht?
Weiter oben finden sich dann, neben jeder Menge anderem Grün, auch die ersten Teebüsche, ganz am Ende des heutigen Streckenfilmchens. Damit wäre auch diese Erwartung an Tansania erfüllt: Es gibt Teeplantagen.
Jetzt haben wir es hoffentlich bald geschafft und kommen auf die Kisolanza-Farm. Noch ein paar Seiten Murakami auf Richard's Kindle, dann müssten wir da sein.
Mittwoch, 16. Januar 2013
24 Schonzeit
Es ist unheimlich warm, aber dank der Höhe nicht mehr so schwül wie in Kande. Die Fenster sind offen, ein Lüftchen weht durch unseren Truck und die Strecke ist fast erträglich.
Der Truck müht sich kilometerlang über die Serpentinen, aber bei solchen Panoramen ist jede Fahrt nur halb so anstrengend.
Im friedlichen Chitimba Camp lege ich mich auf ein Sofa in der Bar und schlafe, und lese zwischendurch Murakami auf Richard's Kindle. Es ist sonnig und friedlich, einige gehen Souvenirs einkaufen, und lebendig wird es erst wieder, als einige badende Dorfbewohner die Sorge der badenden Mitreisenden angesichts eines Schattens im Wasser lediglich sagen "Don't worry, it's not a snake, it's just a crocodile. Just a small one, two meters or so." Die Platzbetreiber sperren ihre Hunde ein, wir halten uns vom Strand fern und spekulieren mit Thabani und Godfree darüber, ob das Krokodil wohl mit dem Wasser der Regenzeit den Fluss hinuntergespült worden ist?
Nach Toast und Tomatensuppe geht der Tag nun zuende. Morgen gibt's wieder um fünf Frühstück, um sechs ist Aufbruch. Es steht wieder ein langer Tag im Truck an, wir überqueren die Grenze nach Tansania, und ich wünsche mir - aber vor allem Job, den es viel schlimmer erwischt hat - dass es uns morgen besser geht.
23 Ugh. This is Africa.
Der Abend war noch wunderschön gestern. Das Schwein war lecker, und Godfree hatte den Chor aus Kande gebeten, für uns zu singen. Füße im Sand, Bauch voll, mehrstimmige Musik... ein Traum.
Dann ist der Strom ausgefallen, und da nun mal gerade Neumond war, sind wir an den Strand gegangen und haben uns den Sternenhimmel angeschaut. Mitten in der leuchtenden Milchstraße liegt das Kreuz des Südens, einige Sternschnuppen regnen auf uns herab.
Charakteristisch für eine Reise in diesen Breitengraden ist, dass alles etwas intensiver ist. Die Bäume sind grüner, die Hitze ist drückender, das Essen schmeckt intensiver, man ist müder, hungriger, aber auch glücklicher. Das Leben ist gefährlicher, aber auch spannender. Und besonders schönen Momenten folgen die ganz besonders fiesen oft auf dem Fuße. So verbringe ich den Rest der Nacht in dem sehr schön gestalteten Waschhaus und trenne mich wieder von meinem Abendessen. This is Africa.
Dann ist der Strom ausgefallen, und da nun mal gerade Neumond war, sind wir an den Strand gegangen und haben uns den Sternenhimmel angeschaut. Mitten in der leuchtenden Milchstraße liegt das Kreuz des Südens, einige Sternschnuppen regnen auf uns herab.
Dienstag, 15. Januar 2013
22 Endlich wieder im Wasser!
Der Aufenthalt in Malawi beginnt mit einem Besuch im Wildlife Sanctuary. Da man in Malawi beschlossen hat, alle Zoos zu schließen, weil es den Tieren dort nicht gutging, brauchte man einen Auffangort für die Tiere. So wohnen im Sanctuary zum Teil ehemalige Zootiere aus Malawi, aber auch gefundene, verletzte Tiere und Tiere aus anderen Zoos weltweit. Eine Löwin aus Rumänien hat wegen jahrelanger Mangelernährung versteifte Gelenke, andere Tiere können aus anderen Gründen nicht mehr ausgewildert werden. Hier geht es ihnen jedenfalls gut.
Im Anschluss wollen wir noch schnell zwei oder drei Dinge einkaufen und Geld wechseln. Leider hat Roberto nicht verstanden, dass wir nicht mehr ins Barefoot Camp zurückfahren, und hat sein Gepäck dortgelassen. So warten wir eine ganze Weile auf ihn. Wir nutzen die Zeit, um nach Eis für unsere Getränkekühlbox zu suchen und zivilisierte Toiletten aufzusuchen.
Von hier an holpern wir durch atemberaubende grüne Hügel und zunehmend besseres Wetter nach Kande Beach. Der Anblick des endlosen blauen Wassers ist eine wahre Wohltat, und dann ist das auch noch Süßwasser! Wir stürzen uns in die Fluten, genießen die Sonne und den Sand, tollen mit den Hunden am Strand herum.Wir planen unsere Aktivitäten für morgen mit der Gelassenheit und Gemütsruhe einer Landschildkröte, trinken Sundowners am Strand und spielen Maumau in der Bar.
Am nächsten Tag, morgens um halb sieben, entdecke ich weit draußen auf dem Wasser Jobs Kopf. Er ist schon auf dem Weg nach Kande Island, als Frühsport quasi. Katja und Jesper bieten an, ein Auge auf ihn zu haben, bis er wieder wohlbehalten hier ist. Ich lasse mich derweil zum größten (und mehr oder weniger einzigen) Reiterhof Malawis fahren. Außer mir will niemand reiten, also habe ich meinen Guide und die zwei Pferde für mich. Es ist schon um sieben schwülheiß, weswegen es eine Wohltat ist, am Ende des Ausritts den Sattel vom Pferd zu nehmen und in die kühlen Fluten des Sees hineinzureiten. Es fängt an zu regnen, tropische warme Regentropfen, und ich schwimme neben meinem Pferd her durch den See. Aaaah!
Bevor wir dann zur Dorfbesichtigung aufbrechen, noch schnell einen Sack Wäsche an die Wäschefrau aushändigen. Den Service muss man immer nutzen, wenn er sich anbietet und das Wetter einigermaßen trocken ist. Dann bringt uns Banjo aus Kande in sein Dorf, um uns zu zeigen, wie das Leben dort abläuft. Direkt vor dem Tor warten alle männlichen Bewohner zwischen 16 und 22 dieses Dorfes, um an uns ihr Englisch zu testen und uns ihre Handwerkskunst zu präsentieren. Sie begleiten uns wortreich bis zur Hauptstraße und warten dort auf unsere Rückkehr.
Wir besuchen Banjos Haus, er erzählt uns vom Cassawa-Anbau und der Aids-Aufklärung. Einen Trinkwasserbrunnen gibt es auch in diesem Teil von Kande. Auf meine Frage hin, was das da für ein Baum ist, mitten im Dorf, in dessen Schatten wir uns dankbar versammelt haben, antwortet er lapidar: "Das ist ein Mangobaum. Und der, der ist ein Avocadobaum." Gott, bin ich grad neidisch. In der Grundschule sehen wir, dass in einer Klasse ganze 131 Kinder angemeldet sind. 8 Jahre dauert die Grundschule, und sie ist zwar nicht verpflichtend, aber gut besucht. Der Staat zahlt Lehrer und Bücher, die Schüler brauchen Hefte und auch hier - Schuluniformen. Die Begründung hier ist allerdings anders als bei uns in Europa: Es geht nicht darum, die Schüler gleichzumachen, sondern darum, dass man bei Kindern erkennen kann, zu welcher Schule sie gehören, sollte ihnen beispielsweise auf dem Schulweg etwas zustoßen. In unseren Ohren eine etwas dünne Erklärung, ist doch der Mangel an Geld für eine Schuluniform der Hauptgrund dafür, dass nicht alle Kinder in der Schule sind. Sicher gibt es noch andere gute Gründe, die uns einfach nicht aufgehen.
Eine Bibliothek für Schüler und Dorfbewohner gibt es auch, aber leider sind die Bücher alle schon sehr alt und abgenutzt. Vielleicht kann ich ein paar von meinen alten hinschicken?
In der Krankenstation des Dorfs, die eigentlich hauptsächlich eine Entbindungsstation ist, fehlt es quasi an allem. In allererster Linie fehlt es an Moskitonetzen für werdende oder junge Mütter. Wie schon in der Schule werden wir auch hier um Spenden gebeten.
Zurück im Camp sind wir völlig durchgeschwitzt, in meinem Fall schon zum zweiten Mal an diesem Tag. Wir trinken literweise Wasser, um nicht zu dehydrieren. Die beste Lösung ist wohl, einfach ins Wasser zu gehen. Job und ich haben uns in der Tauchbasis angemeldet und fahren mit dem Boot und einem spanischen Dive Guide raus zur Insel, um uns die Buntbarsche im See anzuschauen. Davon gibt es ganz viele, und wandernde Schnecken, die riesige Sandtrichter gebohrt haben, sowie einen riesigen Wels. Die anderen fahren Kajak und filmen uns beim Auftauchen. Ob Armin das Video wohl noch hat?
Jetzt warten wir alle gebannt auf's Abendessen. Ich hatte schon leise Hoffnungen gehegt, dass es Fleisch gibt, als Godfree die Kohle einkaufte. Siehe da: Es gibt gleich ein ganzes Schwein, das Godfree mit der Hilfe seiner Freunde aus Kande hier für uns grillt.
Von hier an holpern wir durch atemberaubende grüne Hügel und zunehmend besseres Wetter nach Kande Beach. Der Anblick des endlosen blauen Wassers ist eine wahre Wohltat, und dann ist das auch noch Süßwasser! Wir stürzen uns in die Fluten, genießen die Sonne und den Sand, tollen mit den Hunden am Strand herum.Wir planen unsere Aktivitäten für morgen mit der Gelassenheit und Gemütsruhe einer Landschildkröte, trinken Sundowners am Strand und spielen Maumau in der Bar.
Bevor wir dann zur Dorfbesichtigung aufbrechen, noch schnell einen Sack Wäsche an die Wäschefrau aushändigen. Den Service muss man immer nutzen, wenn er sich anbietet und das Wetter einigermaßen trocken ist. Dann bringt uns Banjo aus Kande in sein Dorf, um uns zu zeigen, wie das Leben dort abläuft. Direkt vor dem Tor warten alle männlichen Bewohner zwischen 16 und 22 dieses Dorfes, um an uns ihr Englisch zu testen und uns ihre Handwerkskunst zu präsentieren. Sie begleiten uns wortreich bis zur Hauptstraße und warten dort auf unsere Rückkehr.
Wir besuchen Banjos Haus, er erzählt uns vom Cassawa-Anbau und der Aids-Aufklärung. Einen Trinkwasserbrunnen gibt es auch in diesem Teil von Kande. Auf meine Frage hin, was das da für ein Baum ist, mitten im Dorf, in dessen Schatten wir uns dankbar versammelt haben, antwortet er lapidar: "Das ist ein Mangobaum. Und der, der ist ein Avocadobaum." Gott, bin ich grad neidisch. In der Grundschule sehen wir, dass in einer Klasse ganze 131 Kinder angemeldet sind. 8 Jahre dauert die Grundschule, und sie ist zwar nicht verpflichtend, aber gut besucht. Der Staat zahlt Lehrer und Bücher, die Schüler brauchen Hefte und auch hier - Schuluniformen. Die Begründung hier ist allerdings anders als bei uns in Europa: Es geht nicht darum, die Schüler gleichzumachen, sondern darum, dass man bei Kindern erkennen kann, zu welcher Schule sie gehören, sollte ihnen beispielsweise auf dem Schulweg etwas zustoßen. In unseren Ohren eine etwas dünne Erklärung, ist doch der Mangel an Geld für eine Schuluniform der Hauptgrund dafür, dass nicht alle Kinder in der Schule sind. Sicher gibt es noch andere gute Gründe, die uns einfach nicht aufgehen.
In der Krankenstation des Dorfs, die eigentlich hauptsächlich eine Entbindungsstation ist, fehlt es quasi an allem. In allererster Linie fehlt es an Moskitonetzen für werdende oder junge Mütter. Wie schon in der Schule werden wir auch hier um Spenden gebeten.
Zurück im Camp sind wir völlig durchgeschwitzt, in meinem Fall schon zum zweiten Mal an diesem Tag. Wir trinken literweise Wasser, um nicht zu dehydrieren. Die beste Lösung ist wohl, einfach ins Wasser zu gehen. Job und ich haben uns in der Tauchbasis angemeldet und fahren mit dem Boot und einem spanischen Dive Guide raus zur Insel, um uns die Buntbarsche im See anzuschauen. Davon gibt es ganz viele, und wandernde Schnecken, die riesige Sandtrichter gebohrt haben, sowie einen riesigen Wels. Die anderen fahren Kajak und filmen uns beim Auftauchen. Ob Armin das Video wohl noch hat?
Sonntag, 13. Januar 2013
21 Stuck!
Der Campingplatz hat sich über Nacht in eine Schlammwüste verwandelt. Man muss ganz langsam gehen, insbesondere wenn man schwere Zelte herumträgt. Es hat die ganze Nacht hindurch geregnet.
Wir kehren mit unserem Truck zurück auf die Holperpiste, die uns wieder zurück nach Chipata bringen soll, von wo aus wieder eine Teerstraße über die Grenze nach Lilongwe in Malawi führt. Wir fühlen uns schnell wieder hinein in den rumpelnden Rhythmus der Schlaglöcher, doch nach kurzer Zeit fühlen wir auf einmal, wie das Heck des Trucks rutscht - und das war's. Wir sind von der festen Piste mit dem rechten Hinterreifen ins Bankett gerutscht. Noch während wir aussteigen, um uns das Dilemma anzusehen, bleibt ein entgegenkommender Kleinlaster auf gleicher Höhe stecken.
Godfree und Thabani fackeln nicht lange. Godfree fängt an, den Hinterreifen freizugraben und wir reißen das hohe Gras an der Böschung aus, um unserem Lennon den Weg zurück auf die Piste zu bereiten. Binnen kürzester Zeit haben alle blutende Hände, weil das Gras so scharf ist. Die Kinder, die natürlich längst herbeigerannt gekommen sind, um sich das Spektakel anzuschauen, verarzten jede Menge Mzungu-Hände. Die Jungs versuchen derweil, den Kleinlaster mit anzuschieben, damit die Strecke wieder frei ist. Schlamm bis an die Knie. Thabani wirft den Truck wieder an, lässt die Kupplung vorsichtig kommen, Lennon quält sich wieder auf die Straße hoch - und rutscht nach zehn Metern komplett in den Graben.
Auch wir können sehen, dass man diesen Truck nicht mehr selber ausgraben kann. Die Neigung ist beunruhigend, auch wenn Godfree uns versichert, dass der Schwerpunkt so tief liegt, dass Lennon nicht kippen wird. Nichtsdestotrotz, er wiegt 4 Tonnen.
An einem kleinen Dorf halten wir wieder an, um zu warten, bis die Raupe die Straße freigeräumt hat. Unglaublich, wenn man sieht, wie sich auch die Raupe schliddernd abquält, um die kleinen Laster wieder rauszuziehen. Wir schauen uns in der Zwischenzeit die Schule an. Vier Plumpsklos, 503 Schüler und eine fein säuberliche Auflistung aller Waisen, die die Schule besuchen. Aids ist überall.
Endlich ist die Straße frei. Nach vielen Stunden auf der Huckelpiste sind wir erlöst und wieder auf festem Boden. Es ist schwierig, einen Supermarkt zu finden, weil Sonntag ist. Ach stimmt ja, Wochentage. Wir essen am Straßenrand vor den Augen hungriger Kinder zu mittag und fühlen uns fürchterlich. Später finden wir einen Spar, in dem Godfree einkauft.
Godfree erzählt nach und nach immer mehr über seine Einkaufsstrategien und Nomads Philosophie. Er erzählt, dass Nomad in jeder Stadt versucht, eine andere Supermarktkette zu beehren, damit nicht nur ein Konzern profitiert. Er erzählt, dass die Nomad-Trucks soweit wie möglich auf Elektronik verzichten, damit die Fahrer sie selber reparieren können, und dass der Gründer und Geschäftsführer immer dann, wenn ein Truck nach Tourende wieder in Kapstadt ankommt, zuallererst fragt, ob der Truck okay ist, weil die Trucks so wertvoll sind für Nomad. Dass sie auch bei der Auswahl des Anbieters in der Serengeti darauf achten, ob die ihre Jeeps regelmäßig warten. Von anderen Tour-Anbietern wie Nomad berichtet er, dass dort Geld zusammengelegt wird für gemeinsame Alkoholreserven, denn wenn Kunden betrunken/verkatert sind, sind sie nicht so anspruchsvoll - und in Ostafrika ist es nun mal nicht so einfach, Aktivitäten zu organisieren. Bei uns kauft jeder für sich, nach Bedarf. Ich frage ihn nach der Kohle und dem Gemüse, das er heute am Straßenrand gekauft hat. Er berichtet, dass der Koch, der die Gäste der teureren Kategorien in unserem Camp bekocht, mit einigen Leuten aus dem Dorf einen Gemüsegarten betreibt, den er sonst auch mal mit den Tourteilnehmern besichtigt, wenn Zeit ist. Die Frau (eine von bestimmt 20 am Straßenrand), bei der er unser Gemüse gekauft hat, ist eine der Frauen aus dem Projekt, und in diesem Garten wird das Gemüse nicht gespritzt. Da sieht man mal, wie viel Planung und Überlegung dahintersteckt, wenn wir abends unser Essen vorgesetzt bekommen.
An der Grenze gibt es Ärger mit einem Visum. Carla lässt man nur unter dem Vorbehalt ins Land, dass sie morgen das Amt in Lilongwe aufsucht und sich dort ein Visum ausstellen lässt. Gegen eine Bearbeitungsgebühr lässt man sie einreisen. Wir alle warten angespannt vor dem Grenzhäuschen, bis Carla halbwegs beruhigt wieder auftaucht. Nach noch mehr Kilometern kommen wir schließlich in der Barefoot Lodge in Lilongwe an. Um des trockenen Schlafs und der Gesellschaft willen teile ich mir wieder das Zelt mit Job. Morgen gehen wir wilde Tiere anschauen.
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