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Dienstag, 15. Januar 2013

22 Endlich wieder im Wasser!

Der Aufenthalt in Malawi beginnt mit einem Besuch im Wildlife Sanctuary. Da man in Malawi beschlossen hat, alle Zoos zu schließen, weil es den Tieren dort nicht gutging, brauchte man einen Auffangort für die Tiere. So wohnen im Sanctuary zum Teil ehemalige Zootiere aus Malawi, aber auch gefundene, verletzte Tiere und Tiere aus anderen Zoos weltweit. Eine Löwin aus Rumänien hat wegen jahrelanger Mangelernährung versteifte Gelenke, andere Tiere können aus anderen Gründen nicht mehr ausgewildert werden. Hier geht es ihnen jedenfalls gut.



Im Anschluss wollen wir noch schnell zwei oder drei Dinge einkaufen und Geld wechseln. Leider hat Roberto nicht verstanden, dass wir nicht mehr ins Barefoot Camp zurückfahren, und hat sein Gepäck dortgelassen. So warten wir eine ganze Weile auf ihn. Wir nutzen die Zeit, um nach Eis für unsere Getränkekühlbox zu suchen und zivilisierte Toiletten aufzusuchen.

Von hier an holpern wir durch atemberaubende grüne Hügel und zunehmend besseres Wetter nach Kande Beach. Der Anblick des endlosen blauen Wassers ist eine wahre Wohltat, und dann ist das auch noch Süßwasser! Wir stürzen uns in die Fluten, genießen die Sonne und den Sand, tollen mit den Hunden am Strand herum.Wir planen unsere Aktivitäten für morgen mit der Gelassenheit und Gemütsruhe einer Landschildkröte, trinken Sundowners am Strand und spielen Maumau in der Bar.

Am nächsten Tag, morgens um halb sieben, entdecke ich weit draußen auf dem Wasser Jobs Kopf. Er ist schon auf dem Weg nach Kande Island, als Frühsport quasi. Katja und Jesper bieten an, ein Auge auf ihn zu haben, bis er wieder wohlbehalten hier ist. Ich lasse mich derweil zum größten (und mehr oder weniger einzigen) Reiterhof Malawis fahren. Außer mir will niemand reiten, also habe ich meinen Guide und die zwei Pferde für mich. Es ist schon um sieben schwülheiß, weswegen es eine Wohltat ist, am Ende des Ausritts den Sattel vom Pferd zu nehmen und in die kühlen Fluten des Sees hineinzureiten. Es fängt an zu regnen, tropische warme Regentropfen, und ich schwimme neben meinem Pferd her durch den See. Aaaah!

Bevor wir dann zur Dorfbesichtigung aufbrechen, noch schnell einen Sack Wäsche an die Wäschefrau aushändigen. Den Service muss man immer nutzen, wenn er sich anbietet und das Wetter einigermaßen trocken ist. Dann bringt uns Banjo aus Kande in sein Dorf, um uns zu zeigen, wie das Leben dort abläuft. Direkt vor dem Tor warten alle männlichen Bewohner zwischen 16 und 22 dieses Dorfes, um an uns ihr Englisch zu testen und uns ihre Handwerkskunst zu präsentieren. Sie begleiten uns wortreich bis zur Hauptstraße und warten dort auf unsere Rückkehr. 

Wir besuchen Banjos Haus, er erzählt uns vom Cassawa-Anbau und der Aids-Aufklärung. Einen Trinkwasserbrunnen gibt es auch in diesem Teil von Kande. Auf meine Frage hin, was das da für ein Baum ist, mitten im Dorf, in dessen Schatten wir uns dankbar versammelt haben, antwortet er lapidar: "Das ist ein Mangobaum. Und der, der ist ein Avocadobaum." Gott, bin ich grad neidisch. In der Grundschule sehen wir, dass in einer Klasse ganze 131 Kinder angemeldet sind. 8 Jahre dauert die Grundschule, und sie ist zwar nicht verpflichtend, aber gut besucht. Der Staat zahlt Lehrer und Bücher, die Schüler brauchen Hefte und auch hier - Schuluniformen. Die Begründung hier ist allerdings anders als bei uns in Europa: Es geht nicht darum, die Schüler gleichzumachen, sondern darum, dass man bei Kindern erkennen kann, zu welcher Schule sie gehören, sollte ihnen beispielsweise auf dem Schulweg etwas zustoßen. In unseren Ohren eine etwas dünne Erklärung, ist doch der Mangel an Geld für eine Schuluniform der Hauptgrund dafür, dass nicht alle Kinder in der Schule sind. Sicher gibt es noch andere gute Gründe, die uns einfach nicht aufgehen.

Eine Bibliothek für Schüler und Dorfbewohner gibt es auch, aber leider sind die Bücher alle schon sehr alt und abgenutzt. Vielleicht kann ich ein paar von meinen alten hinschicken?

In der Krankenstation des Dorfs, die eigentlich hauptsächlich eine Entbindungsstation ist, fehlt es quasi an allem. In allererster Linie fehlt es an Moskitonetzen für werdende oder junge Mütter. Wie schon in der Schule werden wir auch hier um Spenden gebeten.

Zurück im Camp sind wir völlig durchgeschwitzt, in meinem Fall schon zum zweiten Mal an diesem Tag. Wir trinken literweise Wasser, um nicht zu dehydrieren. Die beste Lösung ist wohl, einfach ins Wasser zu gehen. Job und ich haben uns in der Tauchbasis angemeldet und fahren mit dem Boot und einem spanischen Dive Guide raus zur Insel, um uns die Buntbarsche im See anzuschauen. Davon gibt es ganz viele, und wandernde Schnecken, die riesige Sandtrichter gebohrt haben, sowie einen riesigen Wels. Die anderen fahren Kajak und filmen uns beim Auftauchen. Ob Armin das Video wohl noch hat?

Jetzt warten wir alle gebannt auf's Abendessen. Ich hatte schon leise Hoffnungen gehegt, dass es Fleisch gibt, als Godfree die Kohle einkaufte. Siehe da: Es gibt gleich ein ganzes Schwein, das Godfree mit der Hilfe seiner Freunde aus Kande hier für uns grillt.