| Meins ist das zweite von Links |
Die Nacht war lebhaft, mehr als erwartet. Diverse Male habe ich meinen Zeltgenossen oder andere erkrankte Mitreisende über den Zeltplatz zum Waschhaus begleitet. An sich keine weite Strecke, nur etwa 50m. In dem Wissen, dass es hier keinen Zaun gibt, wirkt alles jedoch viel abenteuerlicher. Wir haben Glück, der Vollmond scheint, und dennoch läuft es mir jedesmal kalt den Rücken herunter. Die Nacht gehört den Löwen, sagt man, und in Vollmondnächten sind sie besonders hungrig. (Wer mehr darüber erfahren möchte: Hier schreibt ein echter Experte darüber)
Trotzdem geht alles gut. Wir treffen nur Fledermäuse, die kenne ich ja aus dem eigenen Garten, und auch nach dem dritten Ausflug falle ich um halb vier morgens wieder sicher und wohlbehalten in mein Zelt. Danach hätten mich allerdings keine zehn Pferde mehr aus dem Zelt gebracht, eher noch hätte ich meinem Mitbewohner eine Trinkflasche abgesägt und mich taktvoll weggedreht: Die Raubkatzen sind in der Zwischenzeit in Hörweite gewandert, und ich schlafe ein zum Janken der Hyänen und zum heiseren Husten der Löwen. Godfree erklärt mir später den Unterschied zwischen den Tönen der Löwinnen und der Löwen, und ich bin froh, dass ich mir das im Hellen anhören kann.
Die zwei Jeeps brechen mit bekannter Besetzung im Morgengrauen auf in die Serengeti. Die endlose Steppe wirkt so fremd und geheimnisvoll, dass man sich kaum traut, ein Geräusch zu machen. Auch meine Mitfahrer sind im Bann der Morgenstimmung. Es dauert über eine Stunde vom ersten Morgendämmern bis die Sonne tatsächlich über den Horizont schaut und uns gleißend orange ins Gesicht scheint, und doch gibt es jeden Farbverlauf, jeden Blickwinkel und jede Lichtfarbe nur für wenige Minuten. Der Jeep rumpelt langsam dahin, der kalte Morgenwind kräuselt sich über die Dachkanten bis zu uns hinunter und ich kann mein Glück kaum fassen.
Das Glück bleibt uns weiter hold. Zunächst entdecken wir zwei Heißluftballons; in einem sitzt unser Mitfahrer Roberto, der noch vor uns das Camp verlassen hatte. Und dann, einfach so, sitzt da in der Grassavanna ein Rudel Löwinnen mit ihren halbwüchsigen Jungen.Unfassbar, da sind sind sie. Nala, Simba und alle ihre Freunde.
Wir stehen bestimmt eine halbe Stunde dort und versuchen zu zählen, wie viele Löwen dort liegen. Immer mal wieder taucht eine Pfote oder ein Schwanz aus dem hohen Gras auf, wenn sich ein Löwe umdreht oder zwei anfangen zu spielen. Das allein hätte mir als Ausbeute für den Morgen schon gereicht, aber wir fangen gerade erst an. Als nächstes begegnet uns eine große Herde Wasserbüffel, die wir in Sambia mit größtmöglichem Zoom aus weiter Ferne versucht hatten einzufangen.
Hier laufen diese wuchtigen Tiere gleich zu mehreren Dutzend herum. Ganz schön imposant, so ein Büffel!
Hier unschwer zu erkennen: Männchen haben (trotz Blumenschmucks) deutlich größere Hörner als Weibchen.
Als nächstes begegnet uns ein sehr fotogenes Schakalpärchen...
... dann ein sogenanntes Topi, eine Kuhantilope, die man an den ungleichmäßigen dunklen Flekcen auf der Schulter und der Hinterhand erkennen kann...
...weiterhin mal wieder eine Herde sehr fotogener Impalas, man soll ja auch das Hintergrundrauschen der Savanne nicht unterschätzen...
... und ebenfalls sehr fotogen: Ein Baum voller Marabus. Wäre ich ein Marabu, ich hätte Angst da runterzufallen, beim nächsten Windstoß, mit solch spillerigen Beinen auf den dünnen Ästen. Aber die machen das ja sicher nicht zum ersten Mal.
Als nächstes entdecken die Adleraugen von Godfree... na, was ist das?
Genau, hier hat ein Leopard gestern zu Abend gegessen. Die Überreste hängen noch in einer Astgabel.
Was uns dann aber wirklich begeistert, ist, dass Godfree mit bloßem Auge auch dieses Tier entdeckt hat, aus dem fahrenden Auto heraus. Seht ihr es?
Ganz genau hinschauen... links vom Erdhügel, mit einem dreieckigen Schädel und glänzenden Schuppen - ja, das ist eine Python. Wir haben nicht näher nachgeschaut, um welche Art es sich handelt.
Mittlerweile sind wir seit dreieinhalb Stunden unterwegs. Es ist heiß und sehr trocken in der Serengeti, ich bekomme Halsschmerzen und trinke wie alle anderen gegen die Dehydrierung an. Wer sich fragt, wie man das eigentlich macht, wenn man das viele Wasser wieder loswird, da mitten im Busch: Insgesamt viermal hatten wir das Glück, in der Nähe eines "Parkplatzes" mit einem WC zu sein. Ansonsten sagt man da: Ich muss mal den Reifenluftdruck prüfen. Man geht also hinter den Jeep, wenn von hinten gerade kein anderes Auto kommt, und guckt, ob die zwei Ersatzreifen noch genügend Luft haben. Die Tür vom Jeep lässt man dabei übrigens offen - man weiß ja nie.
Und es lohnt sich. Als nächstes entdecken wir in einer riesigen Akazie (nächstes Suchbild)...
...ein drei- bis viermonatiges Löwenjunges, das seine Mutter hier zurückgelassen hat, um jagen zu gehen. Wir warten eine ganze Weile, ob sie noch zurückkommt. Das Junge schaut ununterbrochen in die Savanne und rutscht unruhig auf dem Ast hin und her, rührt sich aber artig nicht von der Stelle.
Wir fahren weiter, biegen links, rechts, wieder links ab auf unseren Rumpelwegen, fahren bis zur nächsten Baumgruppe. Was entdecken wir da? Das ist jetzt schon für Fortgeschrittene:
Richtig, hier hat sich ein Leopard versteckt. Ganz genau genommen ist es eine Leopardin, denn was sehen wir da auf dem Nachbarbaum?
Ein Leopardenjunges, welches ein bisschen Klettern übt, währen Mama sich ausruht. Auf einem dritten Baum sind die Geschwister untergebracht, die aber schlafen.
Die überraschenden Begegnungen nehmen einfach kein Ende. Wir wissen ja, dass die Serengeti ein Tierparadies ist und dass sich unsere Fahrer gut auskennen, aber man sieht eben nicht einfach nur Löwen. Oder einfach nur Büffel. Wir haben Glück und sehen einfach immer noch mal ein bisschen mehr. In diesem Fall:
Löwinnen in einem Würstchenbaum. Wir sind alle sehr überrascht, dass die Löwinnen im Baum sitzen, waren wir doch davon ausgegangen, dass Löwen nur auf dem Boden leben. (Im Übrigen sind männliche Löwen nicht so faul wie gedacht, fand man im Krüger Park heraus.) Unsere Begleiter erklären uns, dass das nur die Löwen in der Serengeti und am Lake Manyara machen. Andere Löwen weiter im Süden klettern wohl nicht auf Bäume. Beruhigend für alle, die nach Südafrika fliegen. Wollen wir hoffen, dass sich das nicht herumspricht.
Vorerst haben wir genug gesehen. Wir kehren zurück ins Camp und genießen einen Mittagsimbiss. Jetzt dröppelt es ja nun leise aufs Zelt - mal sehen, was mit den Sandwegen passiert, wenn es gleich weitergeht. Erstmal Augen zu und ausruhen.