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Montag, 28. Januar 2013

44 Das Paradies der Tiere

Auf der Hinfahrt haben wir schon von oben hineingeschaut, wir haben an seinem Rand übernachtet, jetzt sind wir mittendrin: Der Ngorongoro-Krater. Hineingefahren sind wir heute morgen wieder in aller Herrgottsfrühe, als der Dunst noch über dem Boden hing.
Ngorongoro-Krater im Morgennebel
Auch einen See gibt es im Krater. Der ist zwar sehr flach, man kann laut unserem Guide überall stehen, aber er ist das ganze Jahr über da.
Kratersee am Morgen

Früher war das ein aktiver Vulkan, dessen Krater irgendwann eingebrochen ist. Er hat einen Durchmesser zwischen 17 und 21 Kilometer. Ein bisschen wie eine große Arche Noah - vor der Außenwelt durch die riesigen Kraterwände gut geschätzt.
Kraterrand
Die Maasai dürfen nur noch tagsüber zum Weiden der Tiere in den Krater, leben aber sonst mittlerweile außerhalb. Das einzige ernsthafte Problem dürften wir Touristen sein. Die meisten Tierarten, die hier leben, wandern auch über den Kraterrand hinweg, die einzige Ausnahme machen die Löwen. Sie verlassen den Krater nicht, weswegen es mittlerweile große Schwierigkeiten mit Inzucht gibt. Das Serengeti Lion Project beobachtet die Veränderungen an den Löwen. Auch bei den Elefanten gibt es eine Besonderheit: Im Krater leben nur Bullen. Die Elefantenkühe sind immer nur auf der Durchreise.

Auch andere Raubtiere wohnen im Krater, zum Beispiel Geparden. Dieser sitzt eine halbe Stunde regunglos da und beobachtet das Treiben. Seine Lieblingsmahlzeit sind Thompson-Gazellen.

Trotz des recht niedrigen Wasserstandes im See leben auch Nilpferde im Ngorongoro-Krater. Hier haben wir einige in einem Wasserloch entdeckt. 






Nach und nach gewöhnt man sich an den Anblick der riesigen Wände ringsumher, sie werden zu einem Teil der Landschaft. Und dann guckt man wieder hoch, sieht den See mit hunderten Flamingos vor den grünen Hängen liegen und weiß nichts mehr zu sagen.




Den ganzen Morgen fahren wir nun schon durch den Krater. Bei uns Reisenden hat sich die gesundheitliche Situation wieder verschlechtert, aber es hat jemand ein kleines Klohaus in einem Gebüsch versteckt, hinten links auf dem Bild, direkt neben einer der wenigen Zufahrtsstraßen in den Krater. Wir sind kaum zwei Minuten da, schon sind wir von Maasai umzingelt, die uns Schilde, Speere und Schmuck verkaufen wollen. Doch ganz schön touristisch hier.



Auch nach vier Wochen kann man übrigens noch Tierarten entdecken, die man noch nicht gesehen hat. Mit dem Fernglas entdecken wir in einiger Entfernung vor den rollenden Hängen einige Eland-Antilopen. Zusammen mit den Kudus und Topis gehören sie zu den größten Antilopenarten. 
Die Herde besteht aus Kühen, Bullen und sogar Jungtieren und zieht langsam ans Wasser des Sees. Ich könnte den ganzen Tag hier sitzen und mir würde nicht langweilig werden.
 Hin und wieder entdeckt man auch Tiere, die man schon sehr oft gesehen hat, bei Verhaltensweisen, die man noch nicht sah. Hier haben wir ein kleines Zebra beim Frühstück entdeckt. Wenn sie noch ganz jung sind, sind sie auf dem Rücken noch eher braun als schwarz und auch ein bisschen flauschiger.

Nun, und was uns dann noch gefehlt hat, das war ein Nashorn. Die Zahl der Nashörner wird seit etwa zwei Jahren in ganz Afrika sehr stark von Wilderern dezimiert, weil man in Fernost davon überzeugt ist, Horn wäre irgendein Wunderheilmittel. Spitzmaulnashörner gab es nun ohnehin schon nicht gerade viele. Aber wir hatten Glück: Uns ist noch eins über den Weg gelaufen. 

Es ist das reinste Tierparadies. Wir haben schon so viele Parks besucht, so viele Tiere gesehen, so viele Kilometer zurückgelegt, und immer wieder kommen wir an neue Orte, die noch paradiesischer zu sein scheinen als alle vorhergehenden. Muss ich wirklich so bald schon wieder nach Hause, zwischen die Häuser und die Autos und die hektischen Menschen?

43 Büffelalarm!

Wer hätte gedacht, dass ein so ruhiger Abend der Auftakt zu einer so aufregenden Nacht sein könnte?
Das Abendessen verlief noch ruhig und friedlich. Jasper verwickelte mich in eine spannende, europäische, intellektuell fordernde Unterhaltung, und um neun herum war es auch schon dringend an der Zeit ins Bett zu gehen, als draußen plötzlich Aufruhr herrscht. Es ist ein Büffel im Camp!
Wir gehen aus dem Kochhaus raus und keine 20 Schritt entfernt steht er, groß wie ein ... Büffel eben, und grast. Während die Engländer wie wild um ihn herumhopsen und Fotos machen, halten wir uns im Hintergrund. 900 Kilo wiegen die Brocken im Schnitt, was an sich schon Grund genug wäre, sich nicht mit ihnen anzulegen. Aber Godfree erzählt uns dann, dass der Büffel unter den Big Five so etwas wie der Amokläufer ist. Er ist ruhig, zurückhaltend und unauffällig, bis er dann völlig unvermittelt angreift. Anders als andere Tiere kennt er keine Scheinangriffe. Man ist also völlig unvorbereitet. In Victoria Falls sind schon mehrere Menschen von wilden Tieren ernsthaft verletzt oder getötet worden, wenn diese Nachts in der Stadt unterwegs waren.
Wir halten uns weiter im Hintergrund, während der Büffel seelenruhig zwischen unseren Zelten umhergrast. In einem günstigen Moment schnappen Job und ich uns unsere Zahnbürsten und machen uns fertig für die Nachtruhe, sofern das denn möglich sein wird. Trotz der Aufregung schlafe ich selig ein - bis Job mich nachts für die obligatorische nächtliche Pause weckt. Wir lauschen sorgfältig, öffnen dann gewohnt vorsichtig das Zelt. Reißverschlüsse klingen in der stockdunklen, lebendigen afrikanischen Nacht dreimal so laut. Vermutlich kann man uns bis runter in den Krater hören.
Füße zuerst aus dem Zelt, kurz warten, dann den Rest nachschieben. Gelernt ist gelernt. Job macht sich zielstrebig auf den Weg hangabwärts. Zugegeben, die Toiletten dort sind netter, aber dafür riskiere ich nicht meinen Hals. Da ich nicht weiß, ob die dunklen großen Schemen dort unten auf der Wiese Büffel oder Büsche sind und ob sie gestern abend schon da waren, überrede ich ihn, doch die Toiletten am Kochhaus zu frequentieren. Wir schleichen um die Ecken wie die Einbrecher, alle Sinne auf Empfang und meine Nerven zum Zerreißen gespannt.
Die Waschhäuser erreichen wir problemlos. Warum müssen die auch ausgerechnet heute nacht geschlechtergetrennt sein? Dann zurück hindurch zwischen den Kochhäusern und siehe da: Der Büffel ist zurück, und er grast vor unserem Zelt.
Auf 2200 Metern Höhe ist es nachts kalt, auch in Tansania. So stehen wir also fröstelnd in der afrikanischen Nacht und warten geduldig, bis der Büffel zwei Zelte weiter gezogen ist. Ich schicke ganz emanzipiert Job vor, um das Zelt aufzumachen, und dann hechten wir beide hinein, machen den Reißverschluss zu und stellen uns tot. Kein Mucks draußen, scheint gutgegangen zu sein. Langsam aber sicher schiebe ich mich, Zentimeter für Zentimeter in meinen Schlafsack. Vermutlich ist dem Büffel das vollkommen egal, das der Schlafsack knistert wie eine frische Brötchentüte. Ich hoffe es. Und dann, gerade als ich die beste Schlafposition auf dem Bauch gefunden habe, aufgetaut bin und einschlafen will, höre ich ihn. Schnaufend, mahlend, Gras ausreißend. Stapf, Stapf, zwei Schritte, er wird lauter. Von links nähert er sich dem Kopfende von unserem Zelt, und keine Minute später grast er vor meinem Kopf entlang. So dicht, dass sich unter meinem Kopf der Boden bewegt, wenn er am Gras rupft. So dicht, dass ich seinen riesigen Bauch grummeln hören kann. Mein Herz rast, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Ihm ist es wohl egal, er ist ja zum Essen da. Langsam wandert er am Zelt vorbei, an all unseren Zelten, ich kann ihn mit den Ohren noch verfolgen, und gerade als ich mich wieder beruhigt habe, kommt er wieder. Jetzt grast er am Fußende der Zeltreihe, hat am Ende also einen U-Turn gemacht. Füße sind entbehrlich, denke ich, und das muss er gehört haben, denn um meine Büffelerfahrung noch zu vervollkommnen, biegt er genau vor unserem Zelt links ab. Er geht in aller Seelenruhe grasend zwischen unserem und dem Nachbarzelt hindurch, und gottseidank setzt er seine Hufe besonnen auf, denn sonst hätte ich wohl kein Knie mehr.
Es dauert noch sehr lange, bis ich wieder einschlafe.

Sonntag, 27. Januar 2013

41 Die große Migration

Heute, raunt Godfree mir leise zu, heute wollen wir es versuchen. Bevor wir heute abend die Serengeti verlassen und uns am Rand des Ngorongoro-Kraters zum Schlafen wieder niederlassen, wollen wir versuchen, die große Migration zu finden, die riesigen Gnuherden, die sich immer auf Wanderschaft befinden. Ich nicke, halte den Mund und grinse mit Hummeln im Hintern in mich hinein.

Wir fahren also zügig heute, haben ja auch schon viel gesehen. Ein bisschen haben wir das gEfühl, alles schon gesehen zu haben. Aber die Serengeti hat noch das eine oder andere As im Ärmel. Den Auftakt macht ein Elefant, heute morgen.

Entlang des Wegs entdecken wir dann Impalas, an sich nun wirklich kein großes Ereignis mehr, aber diese zwei Herren streiten sich ausgiebig.

Als Zwischenspiel sehen wir an einem Wasserloch auch mal ein paar Flamingos, die ganz friedlich sind und sich nicht streiten.

Die Büffel hingegen scheinen sich doch recht uneins zu sein. Riesengroße Tiere, und die gehen mit einer Wucht aufeinander los!


Und dann, dann entsteht dieses Foto.
Sieht aus wie noch ein Kopje in unendlicher Grassteppe, aber gerade sage ich zu Godfree: "Godfree, that looks like a line of ants on the horizon there. What is that a herd of?" und er antwortet "That's what we came here for. That's the migration."



Am Anfang sehen wir vor allem Zebras. Godfree erklärt uns, dass die Zebras und die Gnus zusammen wandern. Die Zebras sind zahlenmäßig deutlich unterlegen, kennen aber den Weg und gehen deshalb voraus. Die Gnus sind deutlich in der Überzahl und deswegen weitaus berühmter. Die Migration der Herden ist die weltweit größte Wanderung von Säugetieren, und sie dauert das ganze Jahr an. Wir sind am südwestlichen Eck der Wanderungsbewegung, und die Gnudamen sind hochschwanger. Im Februar werden sie pro Tag 8000 kleine Gnus zur Welt bringen!

Wir fahren über eine Stunde lang den Weg rauf und runter, durch ein Meer aus Zebras und zunehmend auch Gnus. Die haben ihren Namen von dem Geräusch, das sie machen. Der Legende nach sind sie von ihrem Schöpfer aus fünf Tieren zusammengesteckt worden: Den Körper bekommen sie vom Topi, die Hörner vom Büffel, den Schweif vom Pferd, die Streifen vom Zebra und die Beine von einer Antilope. Sie sehen wirklich ein bisschen willkürlich aus.

Die Tiere, die wird an diesem Morgen sehen, sind die Vorhut der großen Migration. Wir sehen etwa 30.000 - und die Schätzung kommt von jemand anderem, ich kann sowas nicht - und insgesamt wandern 1,5 Millionen Tiere. Die Gnudamen fressen oben in der Masaai Mara anderes Gras als im Süden und werden dadurch fruchtbarer.
Ganz besonders begeistern uns die Geräusche der Zebras. Es ist mir tatsächlich gelungen, eins einzufangen. Das ist nicht jemand, der sich die Nase putzt, sondern ein Zebra.


Unfassbar viele Tiere. So viele hab ich noch nie gesehen.




40 Guten Morgen, Afrika!

Es wird hell, die Morgenvögel beginnen zu zwitschern. Ganz leise aus dem knisternden Schlafsack schlüpfen, Job schläft noch. Brille greifen, Kopflampe greifen, Waschbeutel, Handtuch - liegt alles schon parat. Füße in die Wanderschuhe. Reißverschluss, kurz und laut, dann lauschen. Nichts zu hören, Vögel klingen wie vorher. Füße zuerst raus. Vorsichtig Kopf rausstrecken. Keine Raubtiere zu sehen.

Rausschlüpfen, Reißverschluss wieder zu. Rüber zum Waschhaus, Zähneputzen. Hinter dem Waschhaus legt sich der Vollmond riesengroß und rosarot schlafen, hinter unseren Zelten färbt die Morgendämmerung den Himmel rosarot. Das wird ein schöner Tag.

Samstag, 26. Januar 2013

38 The Lion Sleeps Tonight

Meins ist das zweite von Links
Nachmittags um halb drei liege ich in meinem Zelt und stehe vor der schwierigen Entscheidung, ob ich jetzt lieber noch eine Runde schlafe, bevor es auf den zweiten Game Drive geht, oder ob ich die Liste der gesehenen Tiere komplettiere. Luxusprobleme! Schnell die Tiere abhaken und die Geschichten der Nacht festhalten, dann noch eine Mütze Schlaf, und dann steht auch schon wieder der nächste Game Drive an.



Die Nacht war lebhaft, mehr als erwartet. Diverse Male habe ich meinen Zeltgenossen oder andere erkrankte Mitreisende über den Zeltplatz zum Waschhaus begleitet. An sich keine weite Strecke, nur etwa 50m. In dem Wissen, dass es hier keinen Zaun gibt, wirkt alles jedoch viel abenteuerlicher. Wir haben Glück, der Vollmond scheint, und dennoch läuft es mir jedesmal kalt den Rücken herunter. Die Nacht gehört den Löwen, sagt man, und in Vollmondnächten sind sie besonders hungrig. (Wer mehr darüber erfahren möchte: Hier schreibt ein echter Experte darüber)
Trotzdem geht alles gut. Wir treffen nur Fledermäuse, die kenne ich ja aus dem eigenen Garten, und auch nach dem dritten Ausflug falle ich um halb vier morgens wieder sicher und wohlbehalten in mein Zelt. Danach hätten mich allerdings keine zehn Pferde mehr aus dem Zelt gebracht, eher noch hätte ich meinem Mitbewohner eine Trinkflasche abgesägt und mich taktvoll weggedreht: Die Raubkatzen sind in der Zwischenzeit in Hörweite gewandert, und ich schlafe ein zum Janken der Hyänen und zum heiseren Husten der Löwen. Godfree erklärt mir später den Unterschied zwischen den Tönen der Löwinnen und der Löwen, und ich bin froh, dass ich mir das im Hellen anhören kann.

Die zwei Jeeps brechen mit bekannter Besetzung im Morgengrauen auf in die Serengeti. Die endlose Steppe wirkt so fremd und geheimnisvoll, dass man sich kaum traut, ein Geräusch zu machen. Auch meine Mitfahrer sind im Bann der Morgenstimmung. Es dauert über eine Stunde vom ersten Morgendämmern bis die Sonne tatsächlich über den Horizont schaut und uns gleißend orange ins Gesicht scheint, und doch gibt es jeden Farbverlauf, jeden Blickwinkel und jede Lichtfarbe nur für wenige Minuten. Der Jeep rumpelt langsam dahin, der kalte Morgenwind kräuselt sich über die Dachkanten bis zu uns hinunter und ich kann mein Glück kaum fassen.

Das Glück bleibt uns weiter hold. Zunächst entdecken wir zwei Heißluftballons; in einem sitzt unser Mitfahrer Roberto, der noch vor uns das Camp verlassen hatte. Und dann, einfach so, sitzt da in der Grassavanna ein Rudel Löwinnen mit ihren halbwüchsigen Jungen.Unfassbar, da sind sind sie. Nala, Simba und alle ihre Freunde.


Wir stehen bestimmt eine halbe Stunde dort und versuchen zu zählen, wie viele Löwen dort liegen. Immer mal wieder taucht eine Pfote oder ein Schwanz aus dem hohen Gras auf, wenn sich ein Löwe umdreht oder zwei anfangen zu spielen. Das allein hätte mir als Ausbeute für den Morgen schon gereicht, aber wir fangen gerade erst an. Als nächstes begegnet uns eine große Herde Wasserbüffel, die wir in Sambia mit größtmöglichem Zoom aus weiter Ferne versucht hatten einzufangen.

Hier laufen diese wuchtigen Tiere gleich zu mehreren Dutzend herum. Ganz schön imposant, so ein Büffel!







Die Büffel gehören auch zu den Big Five und wirken zwar unglaublich stoisch, können aber sehr schnell rennen und haben wirklich sehr beeindruckende Hörner.

 Hier unschwer zu erkennen: Männchen haben (trotz Blumenschmucks) deutlich größere Hörner als Weibchen.







Als nächstes begegnet uns ein sehr fotogenes Schakalpärchen...

... dann ein sogenanntes Topi, eine Kuhantilope, die man an den ungleichmäßigen dunklen Flekcen auf der Schulter und der Hinterhand erkennen kann...


...weiterhin mal wieder eine Herde sehr fotogener Impalas, man soll ja auch das Hintergrundrauschen der Savanne nicht unterschätzen...

... und ebenfalls sehr fotogen: Ein Baum voller Marabus. Wäre ich ein Marabu, ich hätte Angst da runterzufallen, beim nächsten Windstoß, mit solch spillerigen Beinen auf den dünnen Ästen. Aber die machen das ja sicher nicht zum ersten Mal. 
Als nächstes entdecken die Adleraugen von Godfree... na, was ist das?

 Genau, hier hat ein Leopard gestern zu Abend gegessen. Die Überreste hängen noch in einer Astgabel.
Was uns dann aber wirklich begeistert, ist, dass Godfree mit bloßem Auge auch dieses Tier entdeckt hat, aus dem fahrenden Auto heraus. Seht ihr es?
Ganz genau hinschauen... links vom Erdhügel, mit einem dreieckigen Schädel und glänzenden Schuppen - ja, das ist eine Python. Wir haben nicht näher nachgeschaut, um welche Art es sich handelt.
Mittlerweile sind wir seit dreieinhalb Stunden unterwegs. Es ist heiß und sehr trocken in der Serengeti, ich bekomme Halsschmerzen und trinke wie alle anderen gegen die Dehydrierung an. Wer sich fragt, wie man das eigentlich macht, wenn man das viele Wasser wieder loswird, da mitten im Busch: Insgesamt viermal hatten wir das Glück, in der Nähe eines "Parkplatzes" mit einem WC zu sein. Ansonsten sagt man da: Ich muss mal den Reifenluftdruck prüfen. Man geht also hinter den Jeep, wenn von hinten gerade kein anderes Auto kommt, und guckt, ob die zwei Ersatzreifen noch genügend Luft haben. Die Tür vom Jeep lässt man dabei übrigens offen - man weiß ja nie.

Und es lohnt sich. Als nächstes entdecken wir in einer riesigen Akazie (nächstes Suchbild)...
...ein drei- bis viermonatiges Löwenjunges, das seine Mutter hier zurückgelassen hat, um jagen zu gehen. Wir warten eine ganze Weile, ob sie noch zurückkommt. Das Junge schaut ununterbrochen in die Savanne und rutscht unruhig auf dem Ast hin und her, rührt sich aber artig nicht von der Stelle. 

Wir fahren weiter, biegen links, rechts, wieder links ab auf unseren Rumpelwegen, fahren bis zur nächsten Baumgruppe. Was entdecken wir da? Das ist jetzt schon für Fortgeschrittene:

Richtig, hier hat sich ein Leopard versteckt. Ganz genau genommen ist es eine Leopardin, denn was sehen wir da auf dem Nachbarbaum?

Ein Leopardenjunges, welches ein bisschen Klettern übt, währen Mama sich ausruht. Auf einem dritten Baum sind die Geschwister untergebracht, die aber schlafen.

Die überraschenden Begegnungen nehmen einfach kein Ende. Wir wissen ja, dass die Serengeti ein Tierparadies ist und dass sich unsere Fahrer gut auskennen, aber man sieht eben nicht einfach nur Löwen. Oder einfach nur Büffel. Wir haben Glück und sehen einfach immer noch mal ein bisschen mehr. In diesem Fall:
Löwinnen in einem Würstchenbaum. Wir sind alle sehr überrascht, dass die Löwinnen im Baum sitzen, waren wir doch davon ausgegangen, dass Löwen nur auf dem Boden leben. (Im Übrigen sind männliche Löwen nicht so faul wie gedacht, fand man im Krüger Park heraus.) Unsere Begleiter erklären uns, dass das nur die Löwen in der Serengeti und am Lake Manyara machen. Andere Löwen weiter im Süden klettern wohl nicht auf Bäume. Beruhigend für alle, die nach Südafrika fliegen. Wollen wir hoffen, dass sich das nicht herumspricht.

Vorerst haben wir genug gesehen. Wir kehren zurück ins Camp und genießen einen Mittagsimbiss. Jetzt dröppelt es ja nun leise aufs Zelt - mal sehen, was mit den Sandwegen passiert, wenn es gleich weitergeht. Erstmal Augen zu und ausruhen.



Freitag, 25. Januar 2013

37 Serengeti.

Dem Titel ist schon fast nichts mehr hinzuzufügen. Heute geht es los, in die große, weite, wilde, berühmte Serengeti. Kaum zu fassen. Sie hat 30.000km² und ist damit etwa so groß wie Brandenburg. "Serengit" heißt in Maa, der Sprache der Maasai, "grenzenlose Steppe". Besser hätte ich's auch nicht beschreiben können.
Auch diesen Teil der Tour hat Nomad also einen externen Anbieter gebucht, weil in der Serengeti keine Trucks erlaubt sind. Wir sind also morgens im Kudu Camp mit unseren Fahrern für die nächsten Tage verabredet. Am Vortag haben wir schon auf einem Supermarktparkplatz einen Guide dieses Anbieters getroffen, der uns kurz erklärt hat, wie das abläuft. Noch ein letztes Mal das Gepäck auf einen Tagesrucksack reduziert werden. Es gibt auch in der Serengeti Zelte für uns, die aber der Anbieter für uns aufstellt. Wir werden also herumgefahren und gucken Tiere, während die Köche und Konsorten derweil Zelte auf- und abbauen und von einem Campingplatz zum anderen fahren.
Die Umpackerei für wenige Nächte kennen wir mittlerweile schon; dass andere Leute unser Zelt aufstellen werden, erscheint uns wie ein großer Luxus. Außerdem ist es für uns ganz ungewohnt, dass es erst um zehn losgehen soll!

Morgens haben also alle noch Zeit für ein genüßliches Frühstück und entspanntes Packen. Kissen, Handtuch, Mütze, Halstuch, Fleecejacke, Schlafsack, T-Shirt, Unterwäsche, Socken, Kamera, Fernglas, Tagebuch, Kekse, Malariatabletten, Waschzeug, ausreichend Kontaktlinsen, Stirnlampe, Klopapier, Desinfektionsmittel. Ihr seht schon, Kleidung ist noch der kleinste Punkt auf der Packliste. Ausgeschlafen sind wir auch alle, einigermaßen. Job hat heute nacht von einer Schlange im Zelt geträumt, und es hat eine Weile gedauert, ihn davon zu überzeugen, dass da keine ist.
Gleich geht es dann also los, sobald die leicht verspäteten Fahrer da sind. Zwischen Karatu und der Serengeti liegt der Ngorongoro National Park, ein eingefallener Vulkankrater, den wir auf dem Rückweg auch noch besuchen werden. Natürlich muss hier auch schon auf dem Hinweg Eintritt für den Park bezahlt werden. Immerhin ist das alles schon inklusive im Activity Package, wir müssen nur im Jeep sitzen und aus dem Fenster schauen.
Dann geht es schon los. Wir teilen uns auf zwei Jeeps auf - Sonja, Godfree, B & Rich, David und Marlis; im anderen Jeep Katja, Jesper, Armin & Sonja, Carla, Roberto und Job. Die Luft ist mittlerweile unglaublich trocken, und ich verwandle mich mit Halstuch, Sonnenbrille und Cap in einen Banditen, um meine Atemwege ein wenig zu schonen.
Auf dem Weg in die Serengeti ist der erste Halt der am Eingang zum Ngorongoro-Krater-Park. Die Grenze ist schon ein paar Kilometer weiter vorn, da steht einfach mitten im nichts ein Torbogen über dem Schotterweg, aber hier gab es wohl ausreichend Wasser für ein Besucherzentrum.

Die Straße in die Serengeti führt auf dem Kraterrand des Ngorongoro entlang; die übernächste Nacht werden wir auch hier in der Nähe auf 2400m Höhe verbringen.Wir machen bei einem Aussichtspunkt halt. Ich hatte vorher keine Ahnung, was der Krater eigentlich ist, aber der Blick verschlägt mir die Sprache. Riesig. Weit. Unfassbar.





17 bis 21 km Durchmesser.
Man möchte gar keine Worte mehr machen, bei dem Anblick, der sich hier in den Krater hinein und auch nach außen hin bietet. Es ist für jeden Westeuropäer vermutlich unvorstellbar, wie weit der Blick hier schweifen kann, und die vielen Kilometer durch's nichts vorher tun ein Übriges. Wir stehen am Rande dieses riesigen Paradieses und stieren hochkonzentriert durch unser Fernglas, können aber am Kraterboden nichts entdecken. Die Fahrer versprechen uns, dass sich das in den nächsten Tagen ändern wird. Klickt die Fotos an und zieht sie auf einen ganz großen Monitor - vielleicht könnt ihr ja ein Tier entdecken.

Blick in die Ebene außerhalb des Kraters



Zu Mittag hat man uns Lunchboxen mitgebracht. Chicken, hartgekochtes Ei, Muffin, ein Tetrapak mit Orangensaft, eine Schokowaffel, hungern muss keiner. Wir sitzen auf einem Picknickplatz zwischen den Kuhfladen der Maasai-Tiere auf Holzklötzen unter einem Baum. Godfree warnt uns, bloß nicht mit Essen in der Hand unter dem Baum hervorzutreten: Die Rotmilane kreisen ungeduldig und sind nicht zimperlich. Auch die Marabus laufen umher und schauen nach Resten.
 

Ausblick vom Picknickplatz
Die Maasai und ihre Herden sind zwar mittlerweile aus der Serengeti verbannt worden; in den Krater dürfen sie aber noch hinab, unter der Bedingung, dass sie die Tiere nachts wieder heraustreiben. Während wir vom Kraterrand wieder hinabfahren und sich die Straße richtung Serengeti windet, sehen wir ihre Hütten und Herden in den recht kargen Tälern. Entlang der langen, geraden, staubigen Straße entdecken wir erste Tiere.




Erste Gnus!

Blick zurück
Nachmittags erreichen wir das Tor zur Serengeti. Wir bekommen hier einen Zweitagespermit und zögern die Einfahrt noch so lange wie möglich hinaus, damit wir auf dem Rückweg noch so lange wie möglich in der Serengeti bleiben können. Godfree empfiehlt uns, einen Spazierweg auf ein Koppie hinauf zu gehen, und das lohnt sich tatsächlich. Wir trinken zwar jeder fast einen ganzen Liter Wasser in der halben Stunde, weil die Sonne so sengt, aber der Ausblick ist schon wieder unbeschreiblich. Mir springt fast das Herz heraus. Bis zum Horizont windet sich die Straße, auf der wir gekommen sind, und außer ein paar Staubfahnen von anderen Fahrzeugen ist hier nichts zu sehen. Dabei wissen wir sogar, dass da unten Gnus und Straußen sind, aber die erkennt man aus der Distanz gar nicht mehr. Ich denke an alle daheimgebliebenen und mache noch ein verwackeltes Video von der großen Weite - mit wenig Erfolg. Man muss sie einfach selber gesehen haben, denke ich.



Unten auf dem Parkplatz treffen wir dann noch ein paar kleinere Tiere: Einen weiteren Glanzstar und eine kleine ... eigentlich eine recht große Maus, die dort munter aufräumt.





Der Tag zieht dahin, und die Bilder fangen nicht ansatzweise das Gefühl ein, wie es ist, bei hochgestelltem Verdeck ganz vorn im Jeep zu stehen, die Hände auf der sonnenwarmen Reling, während die Knie leicht die Stöße der Schlaglöcher abfangen und Kilometer um Kilometer endloser Serengeti sich warm, trocken und gleißend hell um den Jeep schlingt.






Grenzenlose Weiten. Serengeti, eben.

Wolkenschiffe

Elefanten...

...direkt vor dem Fenster

Ein kleines Rudel Löwinnen beim Dinner

The Great Explorer

Graziler Silberreiher

Schakal im Dämmerlicht

Sie hat gerochen, dass die Löwinnen Essen haben

Abends treffen sich beide Jeeps im Simba Camp. Es gibt eine Herren- und eine Damendusche, ein Damen-WC und mehrere Herren-WCs sowie eine Art Scheune zum Kochen und eine zweite zum Essen. Es sind noch ein paar andere Zelte zu sehen; in der Scheune - wie ein Fachwerkgebäude, in dem man die Wände nicht ausgefüllt, sondern nur vergittert hat - sind Klapptische gedeckt und wir haben Hunger.
Die Türen des Esshauses kann man zwar verriegeln, der Boden ist betoniert und die Wände auch hoch genug gezogen, aber Ratten sind sehr findige Tiere. An den Nebentischen wird bisweilen gekreischt und auch wir finden es doch etwas gruselig, dass sie über Kopf auf den Balken herumlaufen. Nun ja, aber hungrig sind wir eben auch, und alle Ratten, die im Esshaus sind, sind schon mal nicht im Zelt.
Einen Zaun gibt es hier übrigens nicht. Die Nacht wird spannend.