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Samstag, 26. Januar 2013

39 Regen im Busch

Auch der zweite Game Drive des Tages ist spektakulär. Wir fahren zu einem Hippo Pool, einem Wasserloch, das für seine Nilpferdmassen bekannt ist. Auf dem Weg beginnt es zu regnen. Wir haben seit einer Ewigkeit keine getreerte Straße mehr gesehen, scheint uns, und der sintflutartige Regen vor den Fenstern weckt unangenehme Erinnerungen an Lennon, der im Schlamm feststeckt. Unser Fahrer wirkt jedoch entspannt, also mache ich mir erstmal keine zu großen Sorgen. Zudem riecht nichts so gut wie der Regen, der auf den heißen Boden fällt.

Kurze Zeit später erreichen wir den Parkplatz am Hippo Pool. Es regnet immer noch so stark,
dass keiner den Jeep verlässt. Auch in den anderen Jeeps um uns herum ist es ruhig, keine ganz harten Gamespotter mit ultradichten Regencapes, die durch den Schlamm waten. Wir beginnen einige Spekulationen, was man nun anfangen könnte. Unser Fahrer hört mit und handelt: Er fährt unseren Jeep gaaaaanz dicht an unseren zweiten Jeep heran, den mit der Kühlbox, und einige Sekunden später...

 Die Welt ist wieder in Ordnung, die anderen haben ein Bier, ich habe mein Savanna und schon lässt sich das alles viel besser ertragen.

Als der Regen kurz danach aufhört, hopsen wir alle aus unseren beschlagenen Jeeps und schleichen uns vor zum Pool. Wirklich viele Nilpferde. Mittlerweile habe ich allerdings schon so viele gesehen, dass ich kein Foto mehr mache. Stellt euch sehr viele nasse Zementsäcke vor oder klickt auf den Nilpferd-Tag oben rechts.
Als wir uns an den Nilpferden sattgesehen haben, ist es auch Zeit, wieder ins Camp zurückzukehren, bevor die Sonne untergeht. Die Sonne steht schon tief, und alles wirkt von Minute zu Minute wärmer und intensiver. Wir sitzen noch keine Minute im Jeep, sind gerade vom Parkplatz heruntergefahren, da sehen wir links dieses Fellbüschel (ganz ohne Zoom fotografiert, man sieht den Schatten des Jeeps im Vordergrund)
Nach ein paar Sekunden hebt das Fellbüschel auch den Kopf, und wir erkennen die Dame, die hier seit einiger Zeit in der Abendsonne zu liegen scheint.






Noch ein Tier entdecken wir auf dem Heimweg direkt neben dem Jeep. Meine Sitznachbarn können meine Begeisterung nicht teilen, für sie sehen verständlicherweise die meisten Gazellen noch ziemlich gleich aus. Ich hab aber vor ein paar Jahren in Namibia schon mal versucht, diese kleinste aller Gazellen zu entdecken, leider erfolglos. Und jetzt stehen diese hundegroßen Tierchen einfach neben dem Jeep und schnuppern nervös in der Gegend herum, um herauszufinden, ob wir wohl einen Leoparden verstecken: Die Dikdiks.

 Wie Schakale, Pinguine und noch einige andere Tierarten, die mir gerade nicht einfallen, sind sie immer zu zweit unterwegs und bleiben ein Leben lang zusammen. Nein, die werden nicht mehr größer, die gehören so.


Auf dem Heimweg erlegen wir noch ein paar Tsetsefliegen, die uns auf einem Wegstück belästigen. Neben Moskitos das einzige Tier, das Godfree tötet. Erlegt, möchte man schon fast sagen. Die Serengeti beglückt uns mit spektakulären Bildern kurz vor Sonnenuntergang. Hier ist der Himmel so unendlich weit.

Sonnenuntergang in Regenwolke


Abziehendes Regengebiet

Freitag, 25. Januar 2013

37 Serengeti.

Dem Titel ist schon fast nichts mehr hinzuzufügen. Heute geht es los, in die große, weite, wilde, berühmte Serengeti. Kaum zu fassen. Sie hat 30.000km² und ist damit etwa so groß wie Brandenburg. "Serengit" heißt in Maa, der Sprache der Maasai, "grenzenlose Steppe". Besser hätte ich's auch nicht beschreiben können.
Auch diesen Teil der Tour hat Nomad also einen externen Anbieter gebucht, weil in der Serengeti keine Trucks erlaubt sind. Wir sind also morgens im Kudu Camp mit unseren Fahrern für die nächsten Tage verabredet. Am Vortag haben wir schon auf einem Supermarktparkplatz einen Guide dieses Anbieters getroffen, der uns kurz erklärt hat, wie das abläuft. Noch ein letztes Mal das Gepäck auf einen Tagesrucksack reduziert werden. Es gibt auch in der Serengeti Zelte für uns, die aber der Anbieter für uns aufstellt. Wir werden also herumgefahren und gucken Tiere, während die Köche und Konsorten derweil Zelte auf- und abbauen und von einem Campingplatz zum anderen fahren.
Die Umpackerei für wenige Nächte kennen wir mittlerweile schon; dass andere Leute unser Zelt aufstellen werden, erscheint uns wie ein großer Luxus. Außerdem ist es für uns ganz ungewohnt, dass es erst um zehn losgehen soll!

Morgens haben also alle noch Zeit für ein genüßliches Frühstück und entspanntes Packen. Kissen, Handtuch, Mütze, Halstuch, Fleecejacke, Schlafsack, T-Shirt, Unterwäsche, Socken, Kamera, Fernglas, Tagebuch, Kekse, Malariatabletten, Waschzeug, ausreichend Kontaktlinsen, Stirnlampe, Klopapier, Desinfektionsmittel. Ihr seht schon, Kleidung ist noch der kleinste Punkt auf der Packliste. Ausgeschlafen sind wir auch alle, einigermaßen. Job hat heute nacht von einer Schlange im Zelt geträumt, und es hat eine Weile gedauert, ihn davon zu überzeugen, dass da keine ist.
Gleich geht es dann also los, sobald die leicht verspäteten Fahrer da sind. Zwischen Karatu und der Serengeti liegt der Ngorongoro National Park, ein eingefallener Vulkankrater, den wir auf dem Rückweg auch noch besuchen werden. Natürlich muss hier auch schon auf dem Hinweg Eintritt für den Park bezahlt werden. Immerhin ist das alles schon inklusive im Activity Package, wir müssen nur im Jeep sitzen und aus dem Fenster schauen.
Dann geht es schon los. Wir teilen uns auf zwei Jeeps auf - Sonja, Godfree, B & Rich, David und Marlis; im anderen Jeep Katja, Jesper, Armin & Sonja, Carla, Roberto und Job. Die Luft ist mittlerweile unglaublich trocken, und ich verwandle mich mit Halstuch, Sonnenbrille und Cap in einen Banditen, um meine Atemwege ein wenig zu schonen.
Auf dem Weg in die Serengeti ist der erste Halt der am Eingang zum Ngorongoro-Krater-Park. Die Grenze ist schon ein paar Kilometer weiter vorn, da steht einfach mitten im nichts ein Torbogen über dem Schotterweg, aber hier gab es wohl ausreichend Wasser für ein Besucherzentrum.

Die Straße in die Serengeti führt auf dem Kraterrand des Ngorongoro entlang; die übernächste Nacht werden wir auch hier in der Nähe auf 2400m Höhe verbringen.Wir machen bei einem Aussichtspunkt halt. Ich hatte vorher keine Ahnung, was der Krater eigentlich ist, aber der Blick verschlägt mir die Sprache. Riesig. Weit. Unfassbar.





17 bis 21 km Durchmesser.
Man möchte gar keine Worte mehr machen, bei dem Anblick, der sich hier in den Krater hinein und auch nach außen hin bietet. Es ist für jeden Westeuropäer vermutlich unvorstellbar, wie weit der Blick hier schweifen kann, und die vielen Kilometer durch's nichts vorher tun ein Übriges. Wir stehen am Rande dieses riesigen Paradieses und stieren hochkonzentriert durch unser Fernglas, können aber am Kraterboden nichts entdecken. Die Fahrer versprechen uns, dass sich das in den nächsten Tagen ändern wird. Klickt die Fotos an und zieht sie auf einen ganz großen Monitor - vielleicht könnt ihr ja ein Tier entdecken.

Blick in die Ebene außerhalb des Kraters



Zu Mittag hat man uns Lunchboxen mitgebracht. Chicken, hartgekochtes Ei, Muffin, ein Tetrapak mit Orangensaft, eine Schokowaffel, hungern muss keiner. Wir sitzen auf einem Picknickplatz zwischen den Kuhfladen der Maasai-Tiere auf Holzklötzen unter einem Baum. Godfree warnt uns, bloß nicht mit Essen in der Hand unter dem Baum hervorzutreten: Die Rotmilane kreisen ungeduldig und sind nicht zimperlich. Auch die Marabus laufen umher und schauen nach Resten.
 

Ausblick vom Picknickplatz
Die Maasai und ihre Herden sind zwar mittlerweile aus der Serengeti verbannt worden; in den Krater dürfen sie aber noch hinab, unter der Bedingung, dass sie die Tiere nachts wieder heraustreiben. Während wir vom Kraterrand wieder hinabfahren und sich die Straße richtung Serengeti windet, sehen wir ihre Hütten und Herden in den recht kargen Tälern. Entlang der langen, geraden, staubigen Straße entdecken wir erste Tiere.




Erste Gnus!

Blick zurück
Nachmittags erreichen wir das Tor zur Serengeti. Wir bekommen hier einen Zweitagespermit und zögern die Einfahrt noch so lange wie möglich hinaus, damit wir auf dem Rückweg noch so lange wie möglich in der Serengeti bleiben können. Godfree empfiehlt uns, einen Spazierweg auf ein Koppie hinauf zu gehen, und das lohnt sich tatsächlich. Wir trinken zwar jeder fast einen ganzen Liter Wasser in der halben Stunde, weil die Sonne so sengt, aber der Ausblick ist schon wieder unbeschreiblich. Mir springt fast das Herz heraus. Bis zum Horizont windet sich die Straße, auf der wir gekommen sind, und außer ein paar Staubfahnen von anderen Fahrzeugen ist hier nichts zu sehen. Dabei wissen wir sogar, dass da unten Gnus und Straußen sind, aber die erkennt man aus der Distanz gar nicht mehr. Ich denke an alle daheimgebliebenen und mache noch ein verwackeltes Video von der großen Weite - mit wenig Erfolg. Man muss sie einfach selber gesehen haben, denke ich.



Unten auf dem Parkplatz treffen wir dann noch ein paar kleinere Tiere: Einen weiteren Glanzstar und eine kleine ... eigentlich eine recht große Maus, die dort munter aufräumt.





Der Tag zieht dahin, und die Bilder fangen nicht ansatzweise das Gefühl ein, wie es ist, bei hochgestelltem Verdeck ganz vorn im Jeep zu stehen, die Hände auf der sonnenwarmen Reling, während die Knie leicht die Stöße der Schlaglöcher abfangen und Kilometer um Kilometer endloser Serengeti sich warm, trocken und gleißend hell um den Jeep schlingt.






Grenzenlose Weiten. Serengeti, eben.

Wolkenschiffe

Elefanten...

...direkt vor dem Fenster

Ein kleines Rudel Löwinnen beim Dinner

The Great Explorer

Graziler Silberreiher

Schakal im Dämmerlicht

Sie hat gerochen, dass die Löwinnen Essen haben

Abends treffen sich beide Jeeps im Simba Camp. Es gibt eine Herren- und eine Damendusche, ein Damen-WC und mehrere Herren-WCs sowie eine Art Scheune zum Kochen und eine zweite zum Essen. Es sind noch ein paar andere Zelte zu sehen; in der Scheune - wie ein Fachwerkgebäude, in dem man die Wände nicht ausgefüllt, sondern nur vergittert hat - sind Klapptische gedeckt und wir haben Hunger.
Die Türen des Esshauses kann man zwar verriegeln, der Boden ist betoniert und die Wände auch hoch genug gezogen, aber Ratten sind sehr findige Tiere. An den Nebentischen wird bisweilen gekreischt und auch wir finden es doch etwas gruselig, dass sie über Kopf auf den Balken herumlaufen. Nun ja, aber hungrig sind wir eben auch, und alle Ratten, die im Esshaus sind, sind schon mal nicht im Zelt.
Einen Zaun gibt es hier übrigens nicht. Die Nacht wird spannend. 

Freitag, 4. Januar 2013

9 Tiere auf Augenhöhe


Der Abend gestern endete mit einem Spaziergang auf unserer Insel. Momentan dauert es mehr als einen Tag, bis ans andere Ende zu kommen, man kann also sehr weit laufen. Leider gilt das auch für die Tiere. Simon, unser Head Poler, hat trotzdem einiges entdecken können. Er erklärt uns Pflanzen und kleine Krabbeltiere, zeigt uns Tierspuren, Palmen und Baobab-Bäume. Ringsum nur Wildnis und Wolken. 

 Dann die ersten Tiere: Eine Zebraherde. Wir machen insgesamt etwa 400 Fotos von ihnen. Man kann fast das Weiße in ihren Augen sehen, so dicht lassen sie uns an sich heran. Zwei behalten uns im Auge, die anderen grasen friedlich weiter.
 Kurz darauf tauchen am Waldrand auch die ersten zwei Elefanten auf. Gut, dass die so weit weg sind. Dichter wollte ich die nicht haben, die sind doch ganz schön groß und schnell.

Noch eine schöne Überraschung für mich: Weißstörche, Dutzende Weißstörche, sitzen an der Wasserstelle. Ich hätte nicht gedacht, dass man so viele auf einmal sehen kann. Ob der vom Karlsruher Zoo wohl dabei ist?




Langsam bricht die Dämmerung an und wir machen uns auf den Rückweg ins Camp. Schließlich gibt es hier keine Straßenbeleuchtung. Gut, dass die Poler noch wissen, hinter welchem Busch wir abbiegen müssen. Ich wäre verloren. 





Zum Abendessen gibt es Fisch und Kartoffeln. Schlicht, und doch unglaublich lecker. Die Gespräche am Feuer wirken fast surreal, weil man sich kaum kennt und sich auch kaum sieht, während man miteinander spricht. Carolina und ich gehen bald ins Zelt und hören noch eine kleine Ewigkeit den hunderten Ochsenfröschen und den vielen Vögeln zu. Man könnte meinen, sagte Richard sehr treffend, alle Entwickler von Computerspielen seien im Delta gewesen und hätten hier die Laute der Vögel geklaut, um ihre Spiele damit zu untermalen. Nicht die Metzelgeräusche von Assassin's Creed, aber alles zwischen Giana Sisters und Tetris. Ich habe tief und fest geschlafen.

Am nächsten Morgen geht es in aller Herrgottsfrühe los auf den nächsten Spaziergang. Das Delta ist taunass und meine Schuhe binnen Minuten komplett durchnässt. Wenn es nicht schon seit gestern ununterbrochen idyllisch wäre, würde jetzt auffallen, wie idyllisch es hier ist.







Als Simon uns nach einiger Zeit bittet, die Schuhe auszuziehen, damit wir durch den Kanal waten können, halten wir das zunächst für einen schlechten Scherz. Wir haben schließlich genug Geschichten von Nilpferden, Krokodilen und Parasiten gehört, um gut auf uns aufzupassen. Er meint es allerdings völlig ernst, und so packen wir unsere Füße aus, rollen unsere Hosen hoch und tapsen unbeholfen durchs Wasser.





Es lohnt sich dann auch, dreieinhalb Stunden lang durch die Gegend zu wandern. Neben der uns bereits vertrauten Zebraherde laufen uns einige Giraffen und zwei Hyänen vor die Linse.






Die Fotografen unter uns freuen sich über die Gelegenheit, ihre Teleobjektive auszufahren, und stürzen sich kurz darauf auf Makroaufnahmen von Raupen und Termiten. Ein Fest!






Mein persönliches Fest ist ganz anderer Natur: Nach acht Kilometern Fußmarsch und einem großartigen Brunch dank Shingi bringen uns die Poler nachmittags an eine Lagune, in der man schwimmen kann. Die Strömung trägt uns sacht den Kanal entlang, man kann bis auf seine Füße schauen und es ist besser als jede Dusche - zumal es hier keine Duschen gibt. Die Erfrischung sucht ihresgleichen.