Dem Titel ist schon fast nichts mehr hinzuzufügen. Heute geht es los, in die große, weite, wilde, berühmte Serengeti. Kaum zu fassen. Sie hat 30.000km² und ist damit etwa so groß wie Brandenburg. "Serengit" heißt in Maa, der Sprache der Maasai, "grenzenlose Steppe". Besser hätte ich's auch nicht beschreiben können.
Auch diesen Teil der Tour hat Nomad also einen externen Anbieter gebucht, weil in der Serengeti keine Trucks erlaubt sind. Wir sind also morgens im Kudu Camp mit unseren Fahrern für die nächsten Tage verabredet. Am Vortag haben wir schon auf einem Supermarktparkplatz einen Guide dieses Anbieters getroffen, der uns kurz erklärt hat, wie das abläuft. Noch ein letztes Mal das Gepäck auf einen Tagesrucksack reduziert werden. Es gibt auch in der Serengeti Zelte für uns, die aber der Anbieter für uns aufstellt. Wir werden also herumgefahren und gucken Tiere, während die Köche und Konsorten derweil Zelte auf- und abbauen und von einem Campingplatz zum anderen fahren.
Die Umpackerei für wenige Nächte kennen wir mittlerweile schon; dass andere Leute unser Zelt aufstellen werden, erscheint uns wie ein großer Luxus. Außerdem ist es für uns ganz ungewohnt, dass es erst um zehn losgehen soll!

Morgens haben also alle noch Zeit für ein genüßliches Frühstück und entspanntes Packen. Kissen, Handtuch, Mütze, Halstuch, Fleecejacke, Schlafsack, T-Shirt, Unterwäsche, Socken, Kamera, Fernglas, Tagebuch, Kekse, Malariatabletten, Waschzeug, ausreichend Kontaktlinsen, Stirnlampe, Klopapier, Desinfektionsmittel. Ihr seht schon, Kleidung ist noch der kleinste Punkt auf der Packliste. Ausgeschlafen sind wir auch alle, einigermaßen. Job hat heute nacht von einer Schlange im Zelt geträumt, und es hat eine Weile gedauert, ihn davon zu überzeugen, dass da keine ist.
Gleich geht es dann also los, sobald die leicht verspäteten Fahrer da sind. Zwischen Karatu und der Serengeti liegt der Ngorongoro National Park, ein eingefallener Vulkankrater, den wir auf dem Rückweg auch noch besuchen werden. Natürlich muss hier auch schon auf dem Hinweg Eintritt für den Park bezahlt werden. Immerhin ist das alles schon inklusive im Activity Package, wir müssen nur im Jeep sitzen und aus dem Fenster schauen.

Dann geht es schon los. Wir teilen uns auf zwei Jeeps auf - Sonja, Godfree, B & Rich, David und Marlis; im anderen Jeep Katja, Jesper, Armin & Sonja, Carla, Roberto und Job. Die Luft ist mittlerweile unglaublich trocken, und ich verwandle mich mit Halstuch, Sonnenbrille und Cap in einen Banditen, um meine Atemwege ein wenig zu schonen.
Auf dem Weg in die Serengeti ist der erste Halt der am Eingang zum Ngorongoro-Krater-Park. Die Grenze ist schon ein paar Kilometer weiter vorn, da steht einfach mitten im nichts ein Torbogen über dem Schotterweg, aber hier gab es wohl ausreichend Wasser für ein Besucherzentrum.
Die Straße in die Serengeti führt auf dem Kraterrand des Ngorongoro entlang; die übernächste Nacht werden wir auch hier in der Nähe auf 2400m Höhe verbringen.Wir machen bei einem Aussichtspunkt halt. Ich hatte vorher keine Ahnung, was der Krater eigentlich ist, aber der Blick verschlägt mir die Sprache. Riesig. Weit. Unfassbar.
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| 17 bis 21 km Durchmesser. |
Man möchte gar keine Worte mehr machen, bei dem Anblick, der sich hier in den Krater hinein und auch nach außen hin bietet. Es ist für jeden Westeuropäer vermutlich unvorstellbar, wie weit der Blick hier schweifen kann, und die vielen Kilometer durch's nichts vorher tun ein Übriges. Wir stehen am Rande dieses riesigen Paradieses und stieren hochkonzentriert durch unser Fernglas, können aber am Kraterboden nichts entdecken. Die Fahrer versprechen uns, dass sich das in den nächsten Tagen ändern wird. Klickt die Fotos an und zieht sie auf einen ganz großen Monitor - vielleicht könnt ihr ja ein Tier entdecken.
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| Blick in die Ebene außerhalb des Kraters |
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Zu Mittag hat man uns Lunchboxen mitgebracht. Chicken, hartgekochtes Ei, Muffin, ein Tetrapak mit Orangensaft, eine Schokowaffel, hungern muss keiner. Wir sitzen auf einem Picknickplatz zwischen den Kuhfladen der Maasai-Tiere auf Holzklötzen unter einem Baum. Godfree warnt uns, bloß nicht mit Essen in der Hand unter dem Baum hervorzutreten: Die Rotmilane kreisen ungeduldig und sind nicht zimperlich. Auch die Marabus laufen umher und schauen nach Resten.
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| Ausblick vom Picknickplatz |
Die Maasai und ihre Herden sind zwar mittlerweile aus der Serengeti verbannt worden; in den Krater dürfen sie aber noch hinab, unter der Bedingung, dass sie die Tiere nachts wieder heraustreiben. Während wir vom Kraterrand wieder hinabfahren und sich die Straße richtung Serengeti windet, sehen wir ihre Hütten und Herden in den recht kargen Tälern. Entlang der langen, geraden, staubigen Straße entdecken wir erste Tiere.
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| Erste Gnus! |
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| Blick zurück |
Nachmittags erreichen wir das Tor zur Serengeti. Wir bekommen hier einen Zweitagespermit und zögern die Einfahrt noch so lange wie möglich hinaus, damit wir auf dem Rückweg noch so lange wie möglich in der Serengeti bleiben können. Godfree empfiehlt uns, einen Spazierweg auf ein Koppie hinauf zu gehen, und das lohnt sich tatsächlich. Wir trinken zwar jeder fast einen ganzen Liter Wasser in der halben Stunde, weil die Sonne so sengt, aber der Ausblick ist schon wieder unbeschreiblich. Mir springt fast das Herz heraus. Bis zum Horizont windet sich die Straße, auf der wir gekommen sind, und außer ein paar Staubfahnen von anderen Fahrzeugen ist hier nichts zu sehen. Dabei wissen wir sogar, dass da unten Gnus und Straußen sind, aber die erkennt man aus der Distanz gar nicht mehr. Ich denke an alle daheimgebliebenen und mache noch ein verwackeltes Video von der großen Weite - mit wenig Erfolg. Man muss sie einfach selber gesehen haben, denke ich.


Unten auf dem Parkplatz treffen wir dann noch ein paar kleinere Tiere: Einen weiteren Glanzstar und eine kleine ... eigentlich eine recht große Maus, die dort munter aufräumt.
Der Tag zieht dahin, und die Bilder fangen nicht ansatzweise das Gefühl ein, wie es ist, bei hochgestelltem Verdeck ganz vorn im Jeep zu stehen, die Hände auf der sonnenwarmen Reling, während die Knie leicht die Stöße der Schlaglöcher abfangen und Kilometer um Kilometer endloser Serengeti sich warm, trocken und gleißend hell um den Jeep schlingt.
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| Grenzenlose Weiten. Serengeti, eben. |
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| Wolkenschiffe |
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| Elefanten... |
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| ...direkt vor dem Fenster |
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| Ein kleines Rudel Löwinnen beim Dinner |
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| The Great Explorer |
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| Graziler Silberreiher |
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| Schakal im Dämmerlicht |
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| Sie hat gerochen, dass die Löwinnen Essen haben |
Abends treffen sich beide Jeeps im Simba Camp. Es gibt eine Herren-
und eine Damendusche, ein Damen-WC und mehrere Herren-WCs sowie eine Art
Scheune zum Kochen und eine zweite zum Essen. Es sind noch ein paar
andere Zelte zu sehen; in der Scheune - wie ein Fachwerkgebäude, in dem
man die Wände nicht ausgefüllt, sondern nur vergittert hat - sind
Klapptische gedeckt und wir haben Hunger.
Die Türen des Esshauses
kann man zwar verriegeln, der Boden ist betoniert und die Wände auch
hoch genug gezogen, aber Ratten sind sehr findige Tiere. An den
Nebentischen wird bisweilen gekreischt und auch wir finden es doch etwas
gruselig, dass sie über Kopf auf den Balken herumlaufen. Nun ja, aber
hungrig sind wir eben auch, und alle Ratten, die im Esshaus sind, sind
schon mal nicht im Zelt.
Einen Zaun gibt es hier übrigens nicht. Die Nacht wird spannend.