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Sonntag, 27. Januar 2013

41 Die große Migration

Heute, raunt Godfree mir leise zu, heute wollen wir es versuchen. Bevor wir heute abend die Serengeti verlassen und uns am Rand des Ngorongoro-Kraters zum Schlafen wieder niederlassen, wollen wir versuchen, die große Migration zu finden, die riesigen Gnuherden, die sich immer auf Wanderschaft befinden. Ich nicke, halte den Mund und grinse mit Hummeln im Hintern in mich hinein.

Wir fahren also zügig heute, haben ja auch schon viel gesehen. Ein bisschen haben wir das gEfühl, alles schon gesehen zu haben. Aber die Serengeti hat noch das eine oder andere As im Ärmel. Den Auftakt macht ein Elefant, heute morgen.

Entlang des Wegs entdecken wir dann Impalas, an sich nun wirklich kein großes Ereignis mehr, aber diese zwei Herren streiten sich ausgiebig.

Als Zwischenspiel sehen wir an einem Wasserloch auch mal ein paar Flamingos, die ganz friedlich sind und sich nicht streiten.

Die Büffel hingegen scheinen sich doch recht uneins zu sein. Riesengroße Tiere, und die gehen mit einer Wucht aufeinander los!


Und dann, dann entsteht dieses Foto.
Sieht aus wie noch ein Kopje in unendlicher Grassteppe, aber gerade sage ich zu Godfree: "Godfree, that looks like a line of ants on the horizon there. What is that a herd of?" und er antwortet "That's what we came here for. That's the migration."



Am Anfang sehen wir vor allem Zebras. Godfree erklärt uns, dass die Zebras und die Gnus zusammen wandern. Die Zebras sind zahlenmäßig deutlich unterlegen, kennen aber den Weg und gehen deshalb voraus. Die Gnus sind deutlich in der Überzahl und deswegen weitaus berühmter. Die Migration der Herden ist die weltweit größte Wanderung von Säugetieren, und sie dauert das ganze Jahr an. Wir sind am südwestlichen Eck der Wanderungsbewegung, und die Gnudamen sind hochschwanger. Im Februar werden sie pro Tag 8000 kleine Gnus zur Welt bringen!

Wir fahren über eine Stunde lang den Weg rauf und runter, durch ein Meer aus Zebras und zunehmend auch Gnus. Die haben ihren Namen von dem Geräusch, das sie machen. Der Legende nach sind sie von ihrem Schöpfer aus fünf Tieren zusammengesteckt worden: Den Körper bekommen sie vom Topi, die Hörner vom Büffel, den Schweif vom Pferd, die Streifen vom Zebra und die Beine von einer Antilope. Sie sehen wirklich ein bisschen willkürlich aus.

Die Tiere, die wird an diesem Morgen sehen, sind die Vorhut der großen Migration. Wir sehen etwa 30.000 - und die Schätzung kommt von jemand anderem, ich kann sowas nicht - und insgesamt wandern 1,5 Millionen Tiere. Die Gnudamen fressen oben in der Masaai Mara anderes Gras als im Süden und werden dadurch fruchtbarer.
Ganz besonders begeistern uns die Geräusche der Zebras. Es ist mir tatsächlich gelungen, eins einzufangen. Das ist nicht jemand, der sich die Nase putzt, sondern ein Zebra.


Unfassbar viele Tiere. So viele hab ich noch nie gesehen.




Samstag, 5. Januar 2013

10 Über den Wolken

Der Abend wird spannend. Auf dem Programm steht ein Ausflug mit den Mokoros in den Sonnenuntergang. Wir schippern gemütlich den Kanal entlang, als die Poler plötzlich hektisch herumschreien, wenden und einen unglaublichen Krawall machen. Als sie sich beruhigt haben, erklären sie uns auf Englisch, dass die ersten zwei Mokoros in einer Lagune auf ein Nilpferd gestoßen sind, von dem man dachte, es sei weitergezogen. Es hat sein Maul aufgerissen und sich über die Störung beschwert. Unser Poler fügt leise an, dass das eher selten passiert und man in anderen Fällen oft mit einem Mokoro weniger zurückkommt. Da hat unsere Vorhut noch mal Glück gehabt. Plötzlich bin ich sehr froh, dass unser Poler sich immer eher hinten hält. Der Rest des Ausflugs verläuft gottseidank eher unspektakulär, wenn man von dem schönen Abendlicht mal absieht.


Abends versammeln sich wieder alle am Lagerfeuer und die Poler stimmen für uns ein paar Lieder an. Keiner von uns versteht Bayeyi, selbst Shingi nicht, aber bei vielen Lieder kann man verstehen, worum es geht. Besonders, wenn die Tiere des Deltas darin vorkommen und jemand die Hyäne oder den Ochsenfrosch gibt, können wir gut folgen. Oben das Blätterdach, vorn das Feuer und ringsrum vierstimmig Musik. Besser wird's nicht, denke ich mir. Auch ein melodisch einfaches Lied - "Beautiful Delta" - stimmen sie an, damit wir mitsingen können.
Als alle Lieder gesungen sind und uns multinationaler Truppe kein Lied einfällt, das wir alle zusammen singen könnten, spielen die Poler stattdessen Spiele mit uns. Das erinnert an die KSJ-Zeiten. Manche Spiele sind ja überall gleich. Das Chief-Spiel, welches an Rippeltippel erinnert, oder Amatofo - amahugua - amangophe (wörtlich Kopf - Brust - Po), welches im Prinzip wie das Toaster-Spiel funktioniert... am Ende kugeln sich alle vor Lachen. Ich handle mir für den Rest dieser Tour den Spitznamen "Bullfrog" ein; unser Guide Shingi ist ein "Pangolin", ein Schuppentier. Ein geselliger, unvergesslicher Abend geht zuende, und zu kräftigen Donnerschlägen, die schon niemanden mehr aus der Ruhe bringen, schlafen wir friedlich ein.

Morgens machen wir noch mal einen Spaziergang im Delta und schauen zwei Zebras beim Kämpfen zu, bevor wir dann mit Zelten und Gepäck zurück zur Mokorostation fahren. Simon lässt sich mit uns zurückfallen; er ist lieber langsam unterwegs, wie er uns erklärt. Als die anderen zwei Kurven voraus sind, verstehen wir, warum: Es ist unglaublich still und fast beängstigend friedlich, sobald der Rest der Bande außer Hörweite ist. Aus unserer Position heraus sieht man nichts als Schilf links und rechts, und das Wasser schmiegt sich um das Mokoro wie flüssiges Silber.

An der Mokoro-Statio erwartet uns der vertraute klapprige Unimog. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt, alle haben das Abenteuer gut überstanden. Auf der Holperfahrt zurück gibt es für jeden ein Bierchen, und als bei dem starken Wind ein Hut über Bord geht und Thomas "McGuyver" ihn mitten in der Wildnis retten geht, wird das von tosendem Applaus begleitet.

Das Wetter hat sich in den zwei Nächten so weit stabilisiert, dass wir jetzt tatsächlich noch unseren Rundflug antreten können, und alles was ich dabei denken kann, ist wie unglaublich groß das Delta ist. Maun ist trotz seiner Größe auch nur ein klitzekleiner Fleck mitten in einem sehr, sehr großen wilden Nichts.





Bis zum Horizont ist den ganzen Flug über alles eben. Kein Hügel, keine Stadt, keine Spur von Infrastruktur. Nur Bäume, Wasser und Inseln. Und Sonne und Wolken und unsere kleine Cessna.

Was wir anfangs für Autospuren halten sind in Wirklichkeit die Migrationspfade der Tiere im Delta! Hier sind Zebras, Elefanten oder vielleicht auch Gnus unterwegs gewesen und haben Trampelpfade geschaffen.








Nachdem wir erst eine ganze Weile dachten, dass wir gar keine Tiere sehen würden, tauchen sie plötzlich gleich dutzendweise auf. Elefanten zum Beispiel.






Auf dem Foto von zwei Nilpferden entdecken wir erst hinterher, dass auch ein Krokodil daneben saß.






Aus der Cessna kann man auch schön sehen, wo Maun aufhört und das Delta offiziell anfängt. Der Zaun zieht sich schnurgerade durch die Landschaft.








Natürlich entdecken wir dann auch doch noch Spuren menschlichen Lebens: Ein Trampelpfad mit zwei deutlich erkennbar parallel verlaufenden Spuren stellt sich als Straße heraus, an deren Ende sich eine Mokoro-Anlegestelle befindet.
Mittlerweile bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Der Rundflug hat sich definitiv gelohnt, es ist trotz aller Unkenrufen niemandem schlecht geworden und ich bin völlig überwältigt von den Dimensionen des Deltas. Wer sich mal anschauen möchte, wie groß es ist, sieht das hier ganz gut.

Für uns geht es jetzt wieder im Truck weiter. Wir sind mit Ray wieder vereint und machen uns auf den Weg nach Gweta, zum Planet Baobab, wo wir auf dem Weg nach Chobe eine Nacht verbringen werden. Der Truck hängt voller nasser Handtücher, alle sind im klassischen Tourmodus angekommen.

Freitag, 4. Januar 2013

9 Tiere auf Augenhöhe


Der Abend gestern endete mit einem Spaziergang auf unserer Insel. Momentan dauert es mehr als einen Tag, bis ans andere Ende zu kommen, man kann also sehr weit laufen. Leider gilt das auch für die Tiere. Simon, unser Head Poler, hat trotzdem einiges entdecken können. Er erklärt uns Pflanzen und kleine Krabbeltiere, zeigt uns Tierspuren, Palmen und Baobab-Bäume. Ringsum nur Wildnis und Wolken. 

 Dann die ersten Tiere: Eine Zebraherde. Wir machen insgesamt etwa 400 Fotos von ihnen. Man kann fast das Weiße in ihren Augen sehen, so dicht lassen sie uns an sich heran. Zwei behalten uns im Auge, die anderen grasen friedlich weiter.
 Kurz darauf tauchen am Waldrand auch die ersten zwei Elefanten auf. Gut, dass die so weit weg sind. Dichter wollte ich die nicht haben, die sind doch ganz schön groß und schnell.

Noch eine schöne Überraschung für mich: Weißstörche, Dutzende Weißstörche, sitzen an der Wasserstelle. Ich hätte nicht gedacht, dass man so viele auf einmal sehen kann. Ob der vom Karlsruher Zoo wohl dabei ist?




Langsam bricht die Dämmerung an und wir machen uns auf den Rückweg ins Camp. Schließlich gibt es hier keine Straßenbeleuchtung. Gut, dass die Poler noch wissen, hinter welchem Busch wir abbiegen müssen. Ich wäre verloren. 





Zum Abendessen gibt es Fisch und Kartoffeln. Schlicht, und doch unglaublich lecker. Die Gespräche am Feuer wirken fast surreal, weil man sich kaum kennt und sich auch kaum sieht, während man miteinander spricht. Carolina und ich gehen bald ins Zelt und hören noch eine kleine Ewigkeit den hunderten Ochsenfröschen und den vielen Vögeln zu. Man könnte meinen, sagte Richard sehr treffend, alle Entwickler von Computerspielen seien im Delta gewesen und hätten hier die Laute der Vögel geklaut, um ihre Spiele damit zu untermalen. Nicht die Metzelgeräusche von Assassin's Creed, aber alles zwischen Giana Sisters und Tetris. Ich habe tief und fest geschlafen.

Am nächsten Morgen geht es in aller Herrgottsfrühe los auf den nächsten Spaziergang. Das Delta ist taunass und meine Schuhe binnen Minuten komplett durchnässt. Wenn es nicht schon seit gestern ununterbrochen idyllisch wäre, würde jetzt auffallen, wie idyllisch es hier ist.







Als Simon uns nach einiger Zeit bittet, die Schuhe auszuziehen, damit wir durch den Kanal waten können, halten wir das zunächst für einen schlechten Scherz. Wir haben schließlich genug Geschichten von Nilpferden, Krokodilen und Parasiten gehört, um gut auf uns aufzupassen. Er meint es allerdings völlig ernst, und so packen wir unsere Füße aus, rollen unsere Hosen hoch und tapsen unbeholfen durchs Wasser.





Es lohnt sich dann auch, dreieinhalb Stunden lang durch die Gegend zu wandern. Neben der uns bereits vertrauten Zebraherde laufen uns einige Giraffen und zwei Hyänen vor die Linse.






Die Fotografen unter uns freuen sich über die Gelegenheit, ihre Teleobjektive auszufahren, und stürzen sich kurz darauf auf Makroaufnahmen von Raupen und Termiten. Ein Fest!






Mein persönliches Fest ist ganz anderer Natur: Nach acht Kilometern Fußmarsch und einem großartigen Brunch dank Shingi bringen uns die Poler nachmittags an eine Lagune, in der man schwimmen kann. Die Strömung trägt uns sacht den Kanal entlang, man kann bis auf seine Füße schauen und es ist besser als jede Dusche - zumal es hier keine Duschen gibt. Die Erfrischung sucht ihresgleichen.

Mittwoch, 2. Januar 2013

6 Alles außer Nashörnern

Gott bin ich müde. Bis wir gestern angekommen waren, dämmerte es schon. Auf unserem Zeltplatz tummelten sich 12 Overland-Trucks auf engstem Raum und die Party in der Bar ging bis in die frühen Morgenstunden. Überflutete Duschen ohne Tür und ohne Dach, aggressive Kakteen, dann die erste Nacht mit Carolina im Zelt. Ich habe kaum schlafen können, und dann fing es auch noch an zu regnen. Grundsätzlich sind die Iglu-Zelte ja wasserfest, aber auch nur bis zu einer gewissen Regenmenge. Es hieß zwar, es gebe auch Regenmützen für die Zelte, fly sheets, aber wo sind die jetzt? Die Schweden geben Auskunft, dass man die im vordersten Fach des Trucks findet. Das ist natürlich abgeschlossen. Wo schlafen jetzt noch mal die Tourguides? All das bei strömendem im Schlafanzug.
Um fünf ist dann schon wieder Weckzeit, denn wir wollen ja ins Khama Rhino Sanctuary und Nashörner anschauen. Mir ist fürchterlich schlecht, warum auch immer. Im Rhino Sanctuary gibt es zwar eine unglaublich große Vielfalt an Gazellen und Antilopen zu sehen, aber leider keine Nashörner. Hier mal eine Auswahl:


Zebras - die kennt man















Impala - ein Klassiker















Puku - leicht verwackelt, aber doch endlich erwischt!
















Oryx im Gebüsch versteckt
















Topi - kannte ich auch noch nicht


















Kudu - auch ein majestätischer Klassiker


















Gnu - die kennt man aus "König der Löwen"


















Springbok - ja, man sieht sie kaum, aber das war hier die einzige Gelegenheit, Südafrikas Wappentier zu sehen auf dieser Tour.














Wasserbock - schön zu erkennen an der Klobrille aufm Popo