Auf Lushoto habe ich mich schon vor der Reise gefreut, weil hier, in den Usambarabergen, unsere Usambaraveilchen wild wachsen. Wandern könne man hier, hieß es im Programm. Die Realität sieht leider so aus, dass gestern und heute viel Strecke gemacht werden muss, sodass wir im Dunkeln hier ankommen und ganz früh wieder abreisen. Aber was für ein spektakulärer Ort das doch ist!
Nachdem wir die Hauptstraße verlassen hatten, haben wir uns gestern abend mit der untergehenden Sonne im Gesicht noch sicher eine ganze Stunde lang in Serpentinen den Berg hochgekämpft. Es sieht fast aus wie in den Alpen. In der Mitte des Tals plätschert ein Bach, alles ist grün, die Straßen schmal und gewunden. Nur die Palmen und die Bananenstauden passen nicht ins Bild, ebensowenig die hohen Eukalyptusbäume am Straßenrand. Unglaublich, wie frisch die Luft hier ist! Am liebsten würde ich mich ganz weit aus dem Truckfenster lehnen und tief durchatmen, aber das ist doch sehr riskant, so dicht wie wir an den Bäumen entlangfahren.
Unsere Unterkunft ist das Lawns Hotel, ein bemühtes, etwas in die Jahre gekommenes Golfhotel. Wir schlagen unsere Zelte auf sattgrünem Rasen auf. Ein ungewohnter Anblick, nach mehreren Tagen an der Küste. In den (ersten gemischten) Duschen fressen uns die Mücken bei lebendigem Leibe auf, aber Godfrees Essen entschädigt uns für alles.
Morgens weckt uns... der Muezzin! Noch so eine seltsame Erscheinung, die nicht in das Alpenpanorama passt. Thabani hat unsere übriggebliebenen Kwacha aus Malawi zurückgetauscht und verteilt Geld. Auch an anderen Stellen in meinem Gepäck findet sich bisweilen noch ein vergessenes, aber willkommenes Scheinchen.
Um sechs sitzen wir wieder im Truck und machen uns auf den Weg nach Karatu.
09:40
Kili!! Wir haben den Mount Kilimanjaro entdeckt, und das ganz ohne Wolkendecke! Thabani und Godfree sind so begeistert, dass sie sofort anhalten und uns zum Fotografieren hinausschicken. Ich bekomme leihweise eine Kamera von Rich und Bee, damit auch ich diesen historischen Moment festhalten kann. Ein Traum! Armin und Sonja erzählen noch mal von ihrem Aufstieg; Job wirkt etwas blass. In wenigen Tagen wird auch er den Aufstieg beginnen.
17:10
In Arusha halten wir an, um einzukaufen und dann den Meserani Snake Park und das Maasai Museum zu besuchen. Das ginge zwar auch noch nach dem Aufenthalt in der Serengeti, aber nach drei Tagen Game Driving werden wir vermutlich völlig hinüber sein. So schauen wir uns also jetzt schon alle giftigen und ungiftigen Schlangen an. Wieder einmal versuche ich, mir zu merken, wie man die Schlangen auseinanderhält und welche nun giftig sind oder nicht, aber es gelingt mir einfach nicht. Hoffen wir einfach mal, dass mir keine begegnen wird.
Eine begegnet mir dann aber doch: Die Striped Sand Snake. Die darf jeder, der mag, auch mal auf den Arm nehmen. Einige Mitreisenden wollten den Park nicht einmal betreten, weil ihnen Schlangen so zuwider sind, aber ich kann mir das nicht entgehen lassen. Unheimlich fühlt sie sich an, weich und hart gleichzeitig, und wärmer als sie aussieht. Brieana schießt ein Foto von mir - vielleicht bekomme ich das nach der Rückkehr.
Ein weiteres Highlight im Snake Park, von ganz besonderer Natur, sind die zwei Schildkröten, die sich gerade amüsieren. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Natürlich gibt es dann auch noch Krokodile und Warane, die der Park hält. Sie sind groß und meiner Meinung nach ziemlich hässlich, bis auf die Augen vielleicht, und sehen unglaublich träge aus. Aber wir wissen ja schon aus Chobe, dass sie verdammt schnell sein können.
Im Anschluss besuchen wir das Maasai Museum gegenüber. Ein Maasai in typischer Stammeskleidung wartet auf uns und schreibt noch schnell seine SMS fertig, bevor er uns durch das Museum führt. Die Maasai, von denen hat wohl jeder schon einmal gehört. Sie sind unter anderem deswegen so berühmt, weil sie immer noch traditionell als Viehhirten leben, obwohl sie mit der modernen Welt so vertraut sind. Sie ernähren sich vom Blut ihrer Rinder, die sie regelmäßig "anzapfen", und vom Fleisch ihrer Ziegen, außerdem von dem Geld, das sie an den Touristen verdienen. Gemüse essen sie nicht. Was für ein Leben!
Im Museum hat man in mehreren Räumen mit großen Wachsfiguren Szenen aus dem Alltag der Maasai nachgestellt. Ihre Sprache heißt Maa, daher kommt auch ihr Name. Wir hören usn an, was der junge Mann erzählt. Unter anderem berichtet er, dass bei den Maasai sowohl Jungs als auch Mädchen beschnitten werden. Mädchen werden schon im Kindergartenalter beschnitten, Jungs erst in der Pubertät, und während Jungs auf keinen Fall weinen dürfen, um die Ehre nicht zu verlieren, ist es Mädchen gestattet. Diese Welt ist ein wenig anders als unsere, stellen wir fest.
Nach diesem Ausflug in fremde Welten geht es für uns wieder weiter. Wir müssen heute noch bis nach Karatu, und unsere Route führt uns unter anderem durch militärisches Sperrgebiet. Godfree gibt uns Bescheid, als wir das Gebiet erreichen. Ab hier sind Fotos aus den Fenstern tabu, bis wir durch sind. Momenten findet eine gemeinsame Übung der ostafrikanischen Truppen statt, und anders als sonst sehen wir vor dem Fenster keine Busse, LKWs und Motorräder, sondern Truppenbewegungen. Kleine Soldatentrupps in unterschiedlichen Uniformen joggen die Straße entlang.
18:45
Fast geschafft. In der Dämmerung, kurz vor Karatu, erblicken wir am Horizont Lake Manyara im Lake Manyara National Park. Heute noch eine Nacht im Kudu Camp, morgen geht es dann auf in die Serengeti.