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Donnerstag, 24. Januar 2013

36 Blumen! Berge! Schlangen! Windhosen!

08:15

Auf Lushoto habe ich mich schon vor der Reise gefreut, weil hier, in den Usambarabergen, unsere Usambaraveilchen wild wachsen. Wandern könne man hier, hieß es im Programm. Die Realität sieht leider so aus, dass gestern und heute viel Strecke gemacht werden muss, sodass wir im Dunkeln hier ankommen und ganz früh wieder abreisen. Aber was für ein spektakulärer Ort das doch ist!

Nachdem wir die Hauptstraße verlassen hatten, haben wir uns gestern abend mit der untergehenden Sonne im Gesicht noch sicher eine ganze Stunde lang in Serpentinen den Berg hochgekämpft. Es sieht fast aus wie in den Alpen. In der Mitte des Tals plätschert ein Bach, alles ist grün, die Straßen schmal und gewunden. Nur die Palmen und die Bananenstauden passen nicht ins Bild, ebensowenig die hohen Eukalyptusbäume am Straßenrand. Unglaublich, wie frisch die Luft hier ist! Am liebsten würde ich mich ganz weit aus dem Truckfenster lehnen und tief durchatmen, aber das ist doch sehr riskant, so dicht wie wir an den Bäumen entlangfahren.
Unsere Unterkunft ist das Lawns Hotel, ein bemühtes, etwas in die Jahre gekommenes Golfhotel. Wir schlagen unsere Zelte auf sattgrünem Rasen auf. Ein ungewohnter Anblick, nach mehreren Tagen an der Küste. In den (ersten gemischten) Duschen fressen uns die Mücken bei lebendigem Leibe auf, aber Godfrees Essen entschädigt uns für alles.
Morgens weckt uns... der Muezzin! Noch so eine seltsame Erscheinung, die nicht in das Alpenpanorama passt. Thabani hat unsere übriggebliebenen Kwacha aus Malawi zurückgetauscht und verteilt Geld. Auch an anderen Stellen in meinem Gepäck findet sich bisweilen noch ein vergessenes, aber willkommenes Scheinchen.
Um sechs sitzen wir wieder im Truck und machen uns auf den Weg nach Karatu.

09:40

Kili!! Wir haben den Mount Kilimanjaro entdeckt, und das ganz ohne Wolkendecke! Thabani und Godfree sind so begeistert, dass sie sofort anhalten und uns zum Fotografieren hinausschicken. Ich bekomme leihweise eine Kamera von Rich und Bee, damit auch ich diesen historischen Moment festhalten kann. Ein Traum! Armin und Sonja erzählen noch mal von ihrem Aufstieg; Job wirkt etwas blass. In wenigen Tagen wird auch er den Aufstieg beginnen.



 17:10

In Arusha halten wir an, um einzukaufen und dann den Meserani Snake Park und das Maasai Museum zu besuchen. Das ginge zwar auch noch nach dem Aufenthalt in der Serengeti, aber nach drei Tagen Game Driving werden wir vermutlich völlig hinüber sein. So schauen wir uns also jetzt schon alle giftigen und ungiftigen Schlangen an. Wieder einmal versuche ich, mir zu merken, wie man die Schlangen auseinanderhält und welche nun giftig sind oder nicht, aber es gelingt mir einfach nicht. Hoffen wir einfach mal, dass mir keine begegnen wird.
Eine begegnet mir dann aber doch: Die Striped Sand Snake. Die darf jeder, der mag, auch mal auf den Arm nehmen. Einige Mitreisenden wollten den Park nicht einmal betreten, weil ihnen Schlangen so zuwider sind, aber ich kann mir das nicht entgehen lassen. Unheimlich fühlt sie sich an, weich und hart gleichzeitig, und wärmer als sie aussieht. Brieana schießt ein Foto von mir - vielleicht bekomme ich das nach der Rückkehr.





Ein weiteres Highlight im Snake Park, von ganz besonderer Natur, sind die zwei Schildkröten, die sich gerade amüsieren. Dem ist nichts hinzuzufügen.



 Natürlich gibt es dann auch noch Krokodile und Warane, die der Park hält. Sie sind groß und meiner Meinung nach ziemlich hässlich, bis auf die Augen vielleicht, und sehen unglaublich träge aus. Aber wir wissen ja schon aus Chobe, dass sie verdammt schnell sein können.







Im Anschluss besuchen wir das Maasai Museum gegenüber. Ein Maasai in typischer Stammeskleidung wartet auf uns und schreibt noch schnell seine SMS fertig, bevor er uns durch das Museum führt. Die Maasai, von denen hat wohl jeder schon einmal gehört. Sie sind unter anderem deswegen so berühmt, weil sie immer noch traditionell als Viehhirten leben, obwohl sie mit der modernen Welt so vertraut sind. Sie ernähren sich vom Blut ihrer Rinder, die sie regelmäßig "anzapfen", und vom Fleisch ihrer Ziegen, außerdem von dem Geld, das sie an den Touristen verdienen. Gemüse essen sie nicht. Was für ein Leben!
Im Museum hat man in mehreren Räumen mit großen Wachsfiguren Szenen aus dem Alltag der Maasai nachgestellt. Ihre Sprache heißt Maa, daher kommt auch ihr Name. Wir hören usn an, was der junge Mann erzählt. Unter anderem berichtet er, dass bei den Maasai sowohl Jungs als auch Mädchen beschnitten werden. Mädchen werden schon im Kindergartenalter beschnitten, Jungs erst in der Pubertät, und während Jungs auf keinen Fall weinen dürfen, um die Ehre nicht zu verlieren, ist es Mädchen gestattet. Diese Welt ist ein wenig anders als unsere, stellen wir fest.

Nach diesem Ausflug in fremde Welten geht es für uns wieder weiter. Wir müssen heute noch bis nach Karatu, und unsere Route führt uns unter anderem durch militärisches Sperrgebiet. Godfree gibt uns Bescheid, als wir das Gebiet erreichen. Ab hier sind Fotos aus den Fenstern tabu, bis wir durch sind. Momenten findet eine gemeinsame Übung der ostafrikanischen Truppen statt, und anders als sonst sehen wir vor dem Fenster keine Busse, LKWs und Motorräder, sondern Truppenbewegungen. Kleine Soldatentrupps in unterschiedlichen Uniformen joggen die Straße entlang.

Mittlerweile ist die Luft auch so trocken, dass sich über dem Boden kleine Tornados bilden. Einige sind nur hüfthoch, andere in der Ferne scheinen gleich mehre Kilometer in die Luft zu ragen. Es ist sehr staubig, wodurch diese Windhosen deutlich sichtbar werden. Jenseits der militärischen Zone steigt die Straße langsam wieder an.




18:45

Fast geschafft. In der Dämmerung, kurz vor Karatu, erblicken wir am Horizont Lake Manyara im Lake Manyara National Park. Heute noch eine Nacht im Kudu Camp, morgen geht es dann auf in die Serengeti.




Samstag, 5. Januar 2013

10 Über den Wolken

Der Abend wird spannend. Auf dem Programm steht ein Ausflug mit den Mokoros in den Sonnenuntergang. Wir schippern gemütlich den Kanal entlang, als die Poler plötzlich hektisch herumschreien, wenden und einen unglaublichen Krawall machen. Als sie sich beruhigt haben, erklären sie uns auf Englisch, dass die ersten zwei Mokoros in einer Lagune auf ein Nilpferd gestoßen sind, von dem man dachte, es sei weitergezogen. Es hat sein Maul aufgerissen und sich über die Störung beschwert. Unser Poler fügt leise an, dass das eher selten passiert und man in anderen Fällen oft mit einem Mokoro weniger zurückkommt. Da hat unsere Vorhut noch mal Glück gehabt. Plötzlich bin ich sehr froh, dass unser Poler sich immer eher hinten hält. Der Rest des Ausflugs verläuft gottseidank eher unspektakulär, wenn man von dem schönen Abendlicht mal absieht.


Abends versammeln sich wieder alle am Lagerfeuer und die Poler stimmen für uns ein paar Lieder an. Keiner von uns versteht Bayeyi, selbst Shingi nicht, aber bei vielen Lieder kann man verstehen, worum es geht. Besonders, wenn die Tiere des Deltas darin vorkommen und jemand die Hyäne oder den Ochsenfrosch gibt, können wir gut folgen. Oben das Blätterdach, vorn das Feuer und ringsrum vierstimmig Musik. Besser wird's nicht, denke ich mir. Auch ein melodisch einfaches Lied - "Beautiful Delta" - stimmen sie an, damit wir mitsingen können.
Als alle Lieder gesungen sind und uns multinationaler Truppe kein Lied einfällt, das wir alle zusammen singen könnten, spielen die Poler stattdessen Spiele mit uns. Das erinnert an die KSJ-Zeiten. Manche Spiele sind ja überall gleich. Das Chief-Spiel, welches an Rippeltippel erinnert, oder Amatofo - amahugua - amangophe (wörtlich Kopf - Brust - Po), welches im Prinzip wie das Toaster-Spiel funktioniert... am Ende kugeln sich alle vor Lachen. Ich handle mir für den Rest dieser Tour den Spitznamen "Bullfrog" ein; unser Guide Shingi ist ein "Pangolin", ein Schuppentier. Ein geselliger, unvergesslicher Abend geht zuende, und zu kräftigen Donnerschlägen, die schon niemanden mehr aus der Ruhe bringen, schlafen wir friedlich ein.

Morgens machen wir noch mal einen Spaziergang im Delta und schauen zwei Zebras beim Kämpfen zu, bevor wir dann mit Zelten und Gepäck zurück zur Mokorostation fahren. Simon lässt sich mit uns zurückfallen; er ist lieber langsam unterwegs, wie er uns erklärt. Als die anderen zwei Kurven voraus sind, verstehen wir, warum: Es ist unglaublich still und fast beängstigend friedlich, sobald der Rest der Bande außer Hörweite ist. Aus unserer Position heraus sieht man nichts als Schilf links und rechts, und das Wasser schmiegt sich um das Mokoro wie flüssiges Silber.

An der Mokoro-Statio erwartet uns der vertraute klapprige Unimog. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt, alle haben das Abenteuer gut überstanden. Auf der Holperfahrt zurück gibt es für jeden ein Bierchen, und als bei dem starken Wind ein Hut über Bord geht und Thomas "McGuyver" ihn mitten in der Wildnis retten geht, wird das von tosendem Applaus begleitet.

Das Wetter hat sich in den zwei Nächten so weit stabilisiert, dass wir jetzt tatsächlich noch unseren Rundflug antreten können, und alles was ich dabei denken kann, ist wie unglaublich groß das Delta ist. Maun ist trotz seiner Größe auch nur ein klitzekleiner Fleck mitten in einem sehr, sehr großen wilden Nichts.





Bis zum Horizont ist den ganzen Flug über alles eben. Kein Hügel, keine Stadt, keine Spur von Infrastruktur. Nur Bäume, Wasser und Inseln. Und Sonne und Wolken und unsere kleine Cessna.

Was wir anfangs für Autospuren halten sind in Wirklichkeit die Migrationspfade der Tiere im Delta! Hier sind Zebras, Elefanten oder vielleicht auch Gnus unterwegs gewesen und haben Trampelpfade geschaffen.








Nachdem wir erst eine ganze Weile dachten, dass wir gar keine Tiere sehen würden, tauchen sie plötzlich gleich dutzendweise auf. Elefanten zum Beispiel.






Auf dem Foto von zwei Nilpferden entdecken wir erst hinterher, dass auch ein Krokodil daneben saß.






Aus der Cessna kann man auch schön sehen, wo Maun aufhört und das Delta offiziell anfängt. Der Zaun zieht sich schnurgerade durch die Landschaft.








Natürlich entdecken wir dann auch doch noch Spuren menschlichen Lebens: Ein Trampelpfad mit zwei deutlich erkennbar parallel verlaufenden Spuren stellt sich als Straße heraus, an deren Ende sich eine Mokoro-Anlegestelle befindet.
Mittlerweile bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Der Rundflug hat sich definitiv gelohnt, es ist trotz aller Unkenrufen niemandem schlecht geworden und ich bin völlig überwältigt von den Dimensionen des Deltas. Wer sich mal anschauen möchte, wie groß es ist, sieht das hier ganz gut.

Für uns geht es jetzt wieder im Truck weiter. Wir sind mit Ray wieder vereint und machen uns auf den Weg nach Gweta, zum Planet Baobab, wo wir auf dem Weg nach Chobe eine Nacht verbringen werden. Der Truck hängt voller nasser Handtücher, alle sind im klassischen Tourmodus angekommen.