Montag, 28. Januar 2013

45 Der Anfang vom Ende

 Wieder im Truck, zwischen Karatu und Arusha. Kohlecompretten intus. Kopfschmerzen in Anzug. Mückenstiche. Gefühlt leichtes Fieber. Irritiertes rechtes Auge vom Staub der Serengeti. Uff, was freu ich mich auf zuhause. Speedbumps, Umleitungen links und rechts neben der Straße, noch mindestens eine Stunde Fahrt.
Dafür haben wir aber auch Löwen gesehen. Nach vielen Stunden im Krater, nachdem wir schon so viel gesehen hatten, lagen sie da plötzlich an der Straße. Männchen und Weibchen, ganz nah.






Sie sind aufgestanden, durch die Gegend geschlichen, dann tauchte auch noch hinter einer Bodenwelle ein weiterer junger Löwe auf. Die Löwin hat sich dann im Graben versteckt, während sich das Männchen zwischen den Autos durchgeschoben hat.



 

Er stand so dicht neben unserem Jeep, dass ich aus dem Dach heraus an seinen Schwanz hätte fassen können! Was den Jeep angeht, hat er auch gleich Besitzansprüche angemeldet und den markiert. Gut, dass wir die Fenster zu hatten.





So viel haben wir gesehen - Elefantenzebrasbüffelthompsongrantelandwarzenschweinnashörner. Wir haben gelernt, dass Spitzmaulnashörner kleiner sind, neben Gras auch Früchte und Blätter fressen, ihr Kind immer hinter sich haben und den Kopf auch mal oben tragen. Schwarzmilane haben wir gesehen, Black Kites. Und immer mal wieder Maasai. Mit Wurfspeer auf dem Fahrrad, mit Handy im traditionellen Umhang. Und von all dem abgesehenen natürlich auch immer Landschaft ohne Ende. Kann mir kaum vorstellen, dass Matthias und Jan jetzt im Büro sitzen. Ist heute überhaupt Werktag? Hatte ich eigentlich das Passwort für mein Laptop geändert, bevor ich geflogen bin?
Auf ein paar Dinge freue ich mich besonders, während wir hier mal ausnahmsweise über eine halbwegs passable Straße fahren und ich wie ein Schluck Spucke in der Kurve hänge: Vollkornbrot. Joghurt. Fisch, und Seife. Auf Christoph natürlich. Wir sind per SMS in Kontakt geblieben; meine treues Uraltnokia, dass ich für den Zweck wieder ausgegraben und mitgenommen hatte, hat einen unglaublich ausdauernden Akku. Viel habe ich nicht gehört von zuhause, genau wie gewünscht. Auf das Wetter bin ich sehr gespannt!
Auf Sightseeing in Nairobi habe ich momentan hingegen nur noch wenig Lust, hoffe stattdessen auf ein nettes Hotel, ein zuverlässiges Taxi zum Flughafen und einen ausreichend internationalen Flughafen. Reisemüde, denke ich. Und trotzdem wird mir schwer ums Herz, wenn ich an die Heimat denke. Hier, auf der Tour, weiß ich die Mondphase, kann das Wetter riechen, lege tagsüber Kleidung ab, weil es wärmer wird, und ziehe sie abends wieder an. Es gibt drei Mahlzeiten am Tag - um fünf oder sechs, um eins oder zwei und um sieben oder acht wieder. Zum Duschen braucht man ein Handtuch und die Flasche Wilderness Wash, biologisch abbaubares Eins-für-Alles. Noch so viele Bäume, Sträucher und Pflanzen, die ich noch nicht kenne, noch so viele Tierfakten, so viele Fabeln, die ich noch hören will. So viel Weite! Neue Wörter ohne Druck aufsaugen, einfach aus Neugier und dem Drang heraus, die Umwelt zu verstehen. Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust.