Donnerstag, 3. Januar 2013

8 Umzug ins Delta

Schon viel besser. Seit heute morgen bin ich deutlich fitter. Die Nacht im Zelt habe ich allein verbracht; Carolina ist  zu Ricardo ins Trockene geflohen, aber der Regen hat ohnehin aufgehört. Die Stimmung hat sich deutlich gebessert.

Wir verabschieden uns von Sandile, der die nächsten zwei Tage lang den Truck hüten wird. Ein uralter Unimog bringt uns klappert, dröhnend und schaukelnd ins Delta zur Mokoro-Station. Dort treffen wir unsere Poler, die uns mit unserem handlichen Gepäck, Küchenutensilien, Matratzen und allerlei anderem Krempel auf diverse Mokoros verteilen. Die meisten Mokoros sind mittlerweile aus Fiberglas, um den Bestand des Sausage Tree zu schonen, aus dem sie ursprünglich geschnitzt wurden. Poler Simon nimmt sich Thomas' und meiner an, baut uns bequeme Sitzplätze aus Gepäck und Matratzen, alle huschen schnell noch mal ins Gebüsch und los geht's.

Im Delta ist im Januar Niedrigwasser, da der Pegel überwiegend vom Niederschlag in Angola bestimmt wird. Der Kavango wird den Regen, der jetzt dort fällt, in den nächsten Monaten erst ins Delta spülen. Anders als bei meinem letzten Besuch gibt es also nicht Teich an Teich und See an See, sondern einen Hauptkanal und viel Land drumherum. Auf diesem Kanal werden wir jetzt zwei Stunden lang friedlich nach Lagoon Island gebracht.
Der Ausblick ist ähnlich wie beim letzten Mal: Seerosen, die tagsüber auf- und nachts zugehen, Schilf und Vögel: Silberreiher und Blatthühnchen, die von den Seerosen aus die Wasserläufer aufschnappen; sogar ein Schreiseeadler gibt sich die Ehre.

Bei der Ankuft auf der Insel gibt es die üblichen hochgezogenen Augenbrauen angesichts der Küche auf dem umgedrehten Mokoro und der "short drop toilet", Marke Eigenbau. Ich bin hin und weg. Nicht von den sanitären Anlagen, auch nicht von der Tatsache, dass überall Elefantendung herumliegt. Auch nicht vom Sonnenbrand, der mich doch wieder erwischt hat. Aber hier, im Halbschatten unter dem dichten Blätterdach der Fieberakazien, da ist die Welt einfach in Ordnung. Bis zum Game Walk heute abend um fünf gibt es absolut nichts zu tun. Wenn ich nicht Tagebuch führen würde, wüsste ich nicht einmal mehr, welcher Wochentag ist. Da wir wie immer früh aufgestanden sind, bin ich angenehm müde und genieße die Faulenzerei.

Hier im Delta gibt es zum ersten Mal keinen Handyempfang mehr, und anders als viele meiner Reisegenossen habe ich auch von den modernen Kommunikationsmitteln keins mitgenommen, nur ein uraltes Handy zum Versenden von Status-SMS. Ein bisschen einsam ist es schon, wenn man alleine reist, und gewöhnungsbedürftig. Die Gesellschaft von Eva und Nate auf der letzten Tour hat vieles verschönert und vereinfacht. Aber die Geschichten, die unser Tourguide Shingi von Sansibar und aus Sambia erzählt, machen Lust auf mehr. Auch die Geschichten von steckengebliebenen Trucks und großen Schlammschlachten und die Warnung vor noch mehr Regen. Ich glaube nicht, dass mich das langfristig vom Reisefieber kurieren wird, zumal alle Abenteuer in der Erinnerung nur halb so anstrengend sind.